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[Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

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[Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Alter Eremit am So Sep 27, 2015 8:51 am

An manchen Tagen ruhig und flach wie ein Spiegel, dann wieder sturmgepeitscht und wild: Die Gewässer von Xidao sind so launisch wie die meisten Meere - und Frauen, sagt so ziemlich jeder Kapitän, ob er nun ein Schlachtschiff, ein Fischerboot, oder eine Dschunke kommandiert. Hier begegnet man der Marine aus Minkai wie auch den Seestreitkräften Tianjings, harmlosen Handelsschiffen, Walfängern und Piraten. Nicht zu vergessen sind auch die berühmt-berüchtigten See-Ungeheuer, wie Riesenkraken oder walartige Yokai.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Sarutobi Ringo am So Sep 27, 2015 9:22 am

Die Ziege auch?
Schon das Betreten des riesigen Handelsschiffes war ein Spaß gewesen. Zur Antwort hatte Ringo einige Mon mehr in die ledrige Hand des Matrosen fallen lassen.
Als Proviant kommt sie also mit.
Noch einige Münzchen mehr klimperten in der wettergegerbten Pranke.
Nur hereinspaziert, Herr. Die Stimme triefte vor Ironie. Und so waren sowohl Ringo als auch Packziege Kabibak an Bord gekommen.
Eigentlich hatte Ringo den Tigerpfad wählen wollen, doch das Wetter hatte das Reisen erschwert und sie unter Zugzwang gesetzt. Beim nächsten Vollmond musste sie ihren Chunin am Treffpunkt begrüßen und weitere Anweisungen einholen. Da gabs kein Wenn und Aber, und wenn es noch so sehr in Strömen gegossen hatte und Flüsse über die Ufer getreten und Brücken zerstört worden waren. Mumon sah die Dinge praktisch. Wo ein Wille war, gab es auch einen Weg. Also musste die Route übers Meer herhalten.
Um ebenfalls praktisch zu denken, hatte Ringo sich gegen die übliche Maskerade des Komuso entschieden. Komuso, also Bettelmönche, trugen Weidenkörbe auf dem Kopf und versinnbildlichten damit ihre Abgeschiedenheit von der Welt. Sie bildeten ein wirksames Fundament, in dem man untertauchen konnte. Doch Ringos Chunin missfiel es, wenn man zu eintönig handelte.
Schon klar, warum dir der Komuso gefällt. Doch du solltest auch mal die anderen Möglichkeiten verwenden. Immerhin geht es beim Shichi ho de nicht nur um das unerkannte Vorwärtskommen.
Bei Shichi ho de, den Sieben Arten des Gehens, ging es auch um Kontaktaufnahme. Bettelmönche kamen gut herum und konnten so manches Tor passieren. Doch andererseits musste man ab und an auch mit den Menschen reden, um etwas Nützliches zu erfahren.
Daher hatte sich Ringo nun als Handwerker getarnt. Genauer, als Glasbläser.
Sie trug die übliche Klamotte aus grobem Stoff, versteckte das blonde Haar unter einem Kopftuch und trug außerdem noch einen breitkrempigen Strohhut. Um die Sache zu komplettieren, tarnte sie ihre helle Haut mit einem Gemisch aus Asche und Straßenstaub. Damit kam man gut vorwärts, ohne großartig beachtet zu werden.

Nun hatte die Dschunke abgelegt, und das offene Meer nahm das Schiff bei sich auf. Ringo hatte Kabibak in einer Box unter Deck unterbringen dürfen. Die Satteltasche wollte sie dem Stallburschen allerdings nicht anvertrauen. Am Gepäck der reicheren Händler und dergleichen mochte der sich nicht vergreifen, doch bei einem handfesten Vertreter des niedrigsten Standes sah die Sache recht risikolos aus. Darum schleppte sie ihr Gepäck mit sich nach oben, stellte es an die Reling und setzte sich darauf. Den Wanderstab lehnte sie gegen die Schulter.
Und nun?
Schiffsfahrten waren nicht nur schneller. Sie waren auch eintöniger als Wanderungen. Man hatte viel weniger zu tun, und das Meer verlor nach einiger Zeit auch seinen spektakulären Zauber. Da konnte man nur schauen, wer sonst noch reiste, nicht wahr?
Eine kleine Gruppe erregte besondere Aufmerksamkeit. Isketanische Händler und Krieger, mit seltsam anmutenden Waffen ausgestattet, sorgten für Schauwert.
Ringo schaute interessiert hin, drehte dann aber den Kopf zur Seite und spitzte stattdessen die Ohren. Zuzuhören war spannender. Und mit einer gewissen inneren Freude erkannte sie in den isketanischen Sprachfetzen den Dialekt, den auch ihr Vater besessen hatte, als sie ihn vor einigen Jahren das erste Mal traf. Grauländer Dialekt, dachte die Kunoichi bei sich und lauschte dieser gediegenen Sprechweise, die zugleich etwas Singendes an sich hatte - wie gemacht für einen Männerchor, könnte man sagen.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Hokusai Tatsuhi am So Sep 27, 2015 10:54 am

Sein stolzes Pferd - das alleine durch die Größe mehr als genug Aufmerksamkeit erlangte - ließ Tenzou in den treuen Händen eines Reitstalls zurück. Dort bezahlte er eine beachtliche Menge Geld, damit man stets das Beste für das Tier tun würde und drohte mit dem Tode, wenn er mitbekam das dem nicht so war oder das man es gestohlen hatte. Ob er allerdings tatsächlich jemand umbringen würde, wagte er jedoch zu bezweifeln. Es ging lediglich darum den Leuten klar zu machen, dass er es nicht duldte, wenn irgendetwas mit dem Tier passierte. Draußen vor der Bestallung warteten zwei junge Burschen, die eine Kiste mit sich herum trugen. Sie war mit einem Schloss verriegelt worden. Der Schlüssel dazu hing um seinen Hals.
In der Kiste selbst, befanden sich Kleidungsstücke, Schmuck und ein eben etwas Geld zum handeln. Die zwei jungen Burschen waren Untergebene seines Vaters, die ihn auf seiner Reise begleiten sollten. Glücklicherweise stellten sie sich als nicht ganz so gesprächig dar und hielten es wohl ebenso für besser, in der Nähe des Samurais, zu schweigen. Tenzou war es nur Recht. Zumal er nicht einmal wusste, was er überhaupt den zwei zu sagen hätte. Gemeinsam mit ihnen ging es zu einen der größeren Handelsschiffe.
Schon von weiten konnte man Tenzou ansehen, dass er Samurai war oder zumindest einer höheren Kaste angehören musste. Unter einem dunklen Ledermantel war sah der Griff eines Wakizashi und eines Katana hervor, die beide an seinem Gürtel befestigt waren. Auf seinem Rücken prangte das Wappen eines halb Mondes. Auch wenn man es nur kennen dürfte, wenn man die Hokusai als Familie bereits kannte bzw. von ihnen schon einmal gehört hatte. Neben dem teuren Mantel, war auch der Rest seiner Kleidung bedeutsam wertvoll. Man hätte gar nicht seine Kiste stehlen müssen, sondern ihm einfach nur die Kleidung vom Leib und wäre damit ein paar Monate um die Runden gekommen.
Sobald er das Deck dann betrat, konnte man das leise klopfende Geräusch seines Schuhwerks hören. Er hatte nicht viel für die Überfahrt bezahlen müssen, weil er dem Händler Schutz versprach, sollten sie überfallen werden. Auf dem Weg unter Deck, würdigte er niemand sonst einen Blick. Es war ihm egal, welches Gesindel hier rum lief, auch wenn er vielleicht später feststellen musste, dass es die eine oder andere interessante Person gab.
Der Mann ließ sich zunächst nicht blicken. Erst als das Schiff bereits ablegte, tauchte er vielleicht 30 Minuten später oben auf. Erneut wurde ihm bewusst, warum er die Seefahrt hasste. Das ewige Schaukeln machte ihn an manchen Tagen etwas Seekrank. Als er auf dem Deck auftauchte, wehte ihm eine angenehme Brise ins Gesicht. Er blieb stehen, genoss die kühle und ließ dabei seine Augen umher wandern, wobei lediglich nur das eine die Umgebung erkannte. Das andere war milchigweiß. Wenn man vor ihm stand, konnte man den kleinen Schnitt erkennen der sich über die Wange, über das Auge bis hin zur Augenbraue zog. Tenzou erfasste die Situation des Decks recht schnell. Ihm fielen ein paar uninteressante Leute auf, aber die größeren - offensichtlich Isketanischer Natur - waren schon eher sein Interessengebiet. Er konnte ihre Waffen sehen für die Tenzou jedoch selten etwas übrig hatte. Sein Vater hingegen bevorzugte sie schon eher, sodass er sich ihnen näherte. Würde er seinem Vater ein solches Stück mitbringen, könnte er vielleicht seine Aufmerksamkeit damit erwecken und einwenig mehr Respekt ernten. Als er sich den Männern näherte, begrüßte er sie zunächst auf einem akzentfreien Minkai. Die Händler wandten sich herum und Tenzou deutete dann auf das Schwert: "Steht Ihr Schwert zu Verkauf?" Der Händler antwortete mit einem recht starken Akzent, den er bisweilen so nicht gehört hatte. "Das Schwert? Wie viel?", fragte er und diesmal war es isketanisch, dass sein Munde verließ. Auch wenn nur gebrochen und zu ruhig, um es von weiten hören zu können. Der Mann antwortete und Tenzou fragte sich wirklich, ob er ihn verstand. Nachdem es fast 10 Minuten lang hin und her ging, und er noch immer nicht die Sprache der Männer wirklich gut verstand, stieg sein Aggressionspotenzial ziemlich weit an. Er war generell nicht sehr geduldig, auch wenn man ihn eine unglaubliche Ruhe derzeit noch ansah. Mit einem leicht genervten Gesichtsausdruck blickte er sich herum zum Deck, erhob seine Stimme und fragte dann auf seiner Heimatsprache: "Ist hier einer, der die Sprache dieser Ochsen versteht?" Er scherrte sich gar nicht darum, dass man Ochsen möglicherweise verstehen konnte. Wenn die Männer so undeutlich sprachen, war das ja wohl nicht seine Schuld.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Sarutobi Ringo am Di Sep 29, 2015 10:11 am

Es stellte sich zunehmend Entspannung ein. Ringo nestelte an ihrem Gepäck herum und zog ihr Röhrenpfeifchen aus einem Seitenfach. Um den Stiel war ein Schnürrchen gebunden; indem sie daran zog, kam auch gleich der Ukidake mit heraus. Ringo liebte das Prinzip des praktischen Packens, und auf diese Weise blieben Pfeife und Feuer stets beisammen. Der Ukidake war eine in Leder gewickelte Metallröhre, ein Behälter für glühende Kohlen. Für gewöhnlich jedenfalls, denn als Ringo den Verschluss öffnete, schnuppte sie bereits sorgenvoll mit der Nase. Es dunstete nach kalter Asche. Ein wenig Restwärme entfleuchte in die Luft.
Mist. Ich hab sie ausgehen lassen. Missmutig blickte sie über Deck. Kein anderer Raucher hier, irgendwo? Niemand, der seinen Ukidake hervorgeholt hatte, eine Pfeife rauchte oder mit Räucherstäbchen meditierte? Gut, Letzteres wäre auch etwas schräg gewesen.
Die Phrase "Hast du Feuer?" mochte, wenn mans recht bedachte, so alt sein wie die Menschheit selbst...
Während Ringo bedauernd in die Kohlenkeller-Schwärze ihres Feuerträgers blickte, kam ein besonderer Passagier an Deck zurück: Einer, der ganz ähnlich wie die Isketanier Interesse und Beachtung auf sich zog, allerdings auf andere Art. Die Fremden besaßen Schauwert, weil sie die Einheimischen mit Aussehen und Sprache und Benehmen und Esskultur faszinierten und - manchmal - gleichzeitig abschreckten. Ihre Anwesenheit sagte jedem Mitglied des einfachen Volkes, dass es in dieser Welt mehr gab als ostwärts und südwärts den Waldrand und westwärts und nordwärts einen Fluss und ein Städtchen. Dass es in dieser Welt mehr gab als die Grenze einer Provinz, dass es mehr gab als Land von einer Küste zur anderen. Nach dem Land kam das Meer, und danach kam wieder Land, und danach vielleicht noch mehr Land und vielleicht noch ein weiteres Meer.
Ein Gedanke, fesselnd und erschreckend, der erst vor drei Jahrzehnten in den Köpfen der Menschen gekeimt war.

---
Der Frosch im Brunnen ahnt nichts von der Weite des Meeres.
---

Wer die Aufmerksamkeit nun auf sich zog, dies bereits bei seiner Ankunft getan hatte, war dagegen ein vertrauterer Anblick. So mancher Passagier an Bord mochte gehofft haben, der Samurai würde die gesamte Fahrt über unter Deck bleiben. Mitgileder der Kriegerkaste sorgten stets dafür, zumindest aus dem Augenwinkel beobachtet zu werden. Selbst wenn sie es nicht darauf anlegten. Minkais Gesellschaftssystem war akkurat und strikt mit seinen Kasten wie eine Armee mit ihren Rängen: Aufgepasst, Hohes Tier im Raum! Einige Leute stellten sich schlafend.
Ringo betrachtete den hochgewachsenen, breitschultrigen Samurai verstohlen, ohne den Kopf zu drehen - das Ohr nach wie vor den Isketaniern zugewandt. Das rechte Ohr übrigens; ihr Sensei hatte ihr eingetrichtert, das rechte Ohr seie stets ein besserer Lauscher.
Das Zeichen hab ich schonmal gesehen. Die Halbmondstickerei war ihr aufgefallen. Auf einem hübschen, schweren, wertvollen Mantel. Ihr geschultes Auge registrierte, dass sich der Stoff beim Gehen nicht so bewegte, wie er es gemeinhin sollte. Wobei sie für genauere Erkenntnisse eine steifere Brise abwarten würde. So schweres Leder? Oder Gewichte? Geheimtaschen? Innerlich schüttelte es sie bei der Vorstellung, wieviele Geheimtaschen man in einem solchen Mantel unterbringen konnte. Gleichwohl, sie selbst könne... Wo war ich? Ach ja, der Halbmond. Ringos Gedanken kreisten manchmal wirklich etwas zu unstet. Kasai wars, da bin ich sicher. Dieser Herr kommt vermutlich aus der Kaiserstadt. Der kaiserlosen Kaiserstadt, wenn mans genau nahm.
Der Samurai trat nun in ihr Lauschfeld, beendete das Palaver der Isketanier. Als Dakko-Nin versuchte Ringo intuitiv, den Dialekt zu werten und damit abzugleichen, ob sie mit der Wappendeutung richtig lag. Und prallte metaphorisch zunächst gegen eine Mauer. Kein Akzent? Sie tat, als zupfe sie an ihrem Kopftuch, und legte dabei den Finger hinter die Ohrmuschel. In Gedanken stand das Mädchen vor einer reinen, fugenlosen Mauer, ohne Risse oder Kratzer, ohne Dellen und...
Ach so.
Metaphorisch gesehen, spazierte Ringo nun einfach um die Mauer herum. Denn: Derartiges Hoch-Minkai sprach zumindest für eine hochgestochene Ausbildung.
Selbst aus einer akzentfreien Aussprache kann man noch Informationen ziehen. Kasai verdichtete sich damit; immerhin galt es als eine Art kulturelle Hochburg und Bildungsstätte.
Dass er aus gutem Hause kommt, war aber auch nicht schwer...
Die Angelegenheit versetzte sie in gute Stimmung. Nicht schwer nach der Feststellung, dass sich ihre Kohlen ins Nirvana verabschiedet hatten. Der Schub sorgte möglicherweise auch für eine Winzigkeit von Übermut, denn als der Samurai des fruchtlosen Hin und Her überdrüssig geworden war und sich an die übrigen Passagiere wandte, witterte sie ihre Chance.
Hier, Herr. Sie hob die aschgrau-schmutzige Hand, stellte den Metallbehälter beiseite und erhob sich. Ringsum machte sich so etwas wie Erleichterung breit, als hätte der Schwertkämpfer sich nach einem freiwilligen Opferlamm erkundigt. Wäre es eine reine Unterschichten-Runde gewesen, hätte sicherlich irgendjemand auf die "Sprache der Ochsen" mit "Muh" geantwortet. Heute aber gabs nur Scherzkekse, die noch genug Grips besaßen, die Klappe zu halten.
Ringo marschierte zu dem Samurai und der Gruppe von Fremden und verneigte sich. Sarutobi Gin, Herr, stellte sie sich vor - mit einem Nachnamen, der Tenzou bei einer gewissen Orskundigkeit verraten mochte: Dieser Geselle stammte möglicherweise aus dem Umland Kasais. Ich biete mich als Übersetzer an. Damit wandte sie sich an den Isketanier. Grüß´dich!
Das Gegenüber war groß - so groß wie Tenzou, und dabei nichtmals der Größte in seiner Reisegruppe - und rothaarig. Sein Gesicht erstrahlte. Grüße gleichfalls! Dein Freund fragt ständig, ob das Schwert zu verkaufen wär. Ich sag Ja, und er fragt wieder und ich sag wieder Ja und er fragt wieder und ich sag Ja Wieviel gibst du denn und er guckt mich an und...
Eine lebensfrohe Aussprache hatten diese Grauländer ja. Munter floss ihr Isketanisch über Stock und Stein wie ein Gebirgsbach über Stromschnellen.
Rngo nickte geduldig dann und wann, ehe sie sich wieder Tenzou zuwandte. Der Herr möchte wissen, wieviel Ihr anbieten möchtet, Herr.
Ich schlage 40 Goldbullen vor, fügte der Isketanier fröhlich hinzu.
Ringo kniff die Augen zusammen, überschlug im Kopf und schüttelte sich. Der erfahrene Händler verstand und reichte ihr einen Rechenschieber.
... Eintausend...sechshundert Mon, Herr. Schlägt der Herr vor.
Sie machte den Eindruck, als seie ihr schwindlig. Wie gut, dass ich schon mit isketanischem Geld zu tun hatte... Nur nicht in diesen Mengen.

------

Anm. des Autors:
1 Goldbulle entspricht 4 Euro.
1 Mon entspricht 10 Cent.
ergo: 40 Goldbullen = 1600 Mon = 160 Euro.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Hokusai Tatsuhi am Mi Sep 30, 2015 4:38 pm

Wie so oft, ignorierte Tenzou die Tatsache, dass um ihn herum stets eine merkwürdige Aura bzw. Stimmung schwebte. Kaum trat er auf das Deck schienen die ersten Gespräche leiser zu werden und ein paar der Leute versuchten in die Privatsphäre zu flüchten. Ihm war es schlussendlich egal, solange sie ihn nicht von der Seite anpöbelten. Mit zielstrebigen Schritten begab er sich zu der Gruppe von Händlern, um zu erfahren welche Güter diese anboten. Trotz der Tatsache das sein isketanisch normalerweise für Handelsgespräche ausreichte, musste er sich eingestehen das der Akzent des Mannes derartig schrecklich war, dass es einfacher wäre einen Übersetzer zu haben. Er wandte sich also dem Deck zu und fragte mit tiefer Stimme nach einem Menschen, der sich in dieser Sprache auskannte. Dabei konnte er sich ebenso nicht verkneifen einen zynischen Kommentar von sich zu geben, der seine Unmut über das Gespräch zeigte. Anfänglich glaubte er nicht daran, dass sich jemand meldete, aber bald bewegte sich schon eine Hand in die Luft und er vernahm eine junge Stimme. Oberflächlich, wie er eben war, erkannte er natürlich nur den jungenhaften Burschen, der schnurrstracks auf ihn zu ging.
"Ich hatte auf einen etwas erfahrenen Mann gehofft", stellte er nüchtern und offen fest, während seine Augen irritierend oft über diese Gestalt huschten. Er konnte nicht so genau einschätzen in welchem Alter der Junge war und vor allem auch nicht, ob er überhaupt männlich sein würde. Bei dem Namen stempelte er die Person direkt als Burschen ab und dachte sich dabei nichts weiter. Als die zwei sich dann anfingen zu unterhalten, lauschte Tenzou angestrengt nach der Stimme. Er wollte sich immerhin nicht über den Tisch ziehen lassen und runzelte die Stirn. Er wollte 40 Goldbullen für sein Schwert. Eigentlich war es kein Preis der ihm wehtat, dennoch gehörte Tenzou auch zu einen der Männer, der gerne Macht zeigte und das er seinen Kopf durchsetzen konnte. "Sagt ihm, dass ich ihm 30 Goldbullen zahle - nicht mehr - nicht weniger", bemerkte er, auch wenn er langsam dahinter stieg was der Mann ständig wiederholt hatte.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Sarutobi Ringo am Fr Okt 02, 2015 9:44 am

Einen erfahreneren Mann hatte er sich gewünscht. Bitte verzeiht, Herr, murmelte Ringo lammfromm auf diese trockene Feststellung des Samurai. Dessen Blick musternd über ihren Körper flog.
Die Kunoichi war schmal gebaut; es war nicht schwer für sie, als junger Mann durchzugehen. Da Frauen relativ gefährlich reisten, wenn sie nicht gerade ellenlange Schwerter oder Lanzen mit sich trugen, war es ihr so ohnehin lieber. Allerdings täuschte selbst ihre relativ flache Statur immer schlechter, je wärmer es wurde und je dünner die Kimonos wurden. Zumindest wurde sie wesentlich häufiger im Sommer durchschaut. Da sie Buch über diese Enttarnungen führte, verfolgte sie derzeit sogar die Theorie, es könnte mit dem verdammten Frauenfluch zu tun haben, der einmal im Monat zuzuschlagen pflegte.
Vieleicht wittern Kerle Launenhaftigkeit.
Während Tenzou Ringo taxierte, wagte Ringo ebenfalls eine genauere Musterung, nur verstohlener. Dessen linkes Auge sprang ihr nun deutlicher entgegen als zuvor. Halbmond-Wappen, totes Auge. Es überkam sie ein schlechtes Gefühl. Ein Kribbeln im Nacken wie von Wurstfingern aus Wasser, mit Nägeln aus Rauhreif.
Der Samurai machte nicht den Eindruck, als strahle er bewusst Sakki aus. Es dünstete keine Tötungsabsicht aus ihm hervor, doch das Gefühl war... ähnlich.
Da war mal was. Gerede, Gerüchte, Getratsche, Geplätscher im Bächlein...
Wenn sie bloß auf einen Namen käme.
Der Samurai empfand den Preis indes als zu hoch für ein Schwert und unterbot entsprechend. Ringo übersetzte. Dieser Herr sieht Euer Schwert als höchstens 30 Goldbullen wert.
Das war nicht uuunbedingt der feinste Zug - immerhin hatte Tenzous Antwort mit "nicht mehr - nicht weniger" gleichsam eine Wertschätzung enthalten, welche Ringo nicht mit übertragen hatte.
Der isketanische Händler - Ulfbert - gab ein mürrisches Schnauben von sich. Dreißig. Meh. Einen Jötendreck kriegt man für Dreißig. Diese Klinge hier ist schlicht, dafür ists thurnitischer Stahl, schau! Er hielt die Waffe so, dass man die Breitseite der schweren Klinge besser sehen konnte, inklusive eines feinen Musters, welches sich bei dieser Art von Metall nach dem Schmieden zeigte. Ich bin Ulfbert Ulfbertson, meine Waren fressen die Waren anderer Schmiede zum Frühstück!
Ringo machte große Augen. Der Blick des Grauländers hatte sich nämlich auf sie verlagert. Ich... sags ihm, antwortete sie rasch und wandte sich an Tenzou.
Er... sagt, Euer Angebot ist Mist-großen-Mannes, Herr. Er ist Ulfbert, Sohn von Ulfbert, und seine Waffe ist aus Thurniten-Eisen. Schaut hin, Ihr könnt es sehen.
Sie deutete auf die Klinge; hilfsbereit hielt der Isketanier es entsprechend. ... Da. Sie hoffte, sie zeigte auf die richtige Stelle.
Außerdem fressen seine Schwerter andere Schwerter.
Ulfbert wartete Ringos Sprechpause ab, nickte eifrig und fügte hinzu: Und meine Preise sind so tief, sie treten allen anderen Preisen in die Eier.
Seine Preise tun anderen Preisen... schreckliche Dinge an.
Einundvierzig Goldbullen, dann bekommt der Herr eine hübsche Scheide dazu!
Legt einen Goldbullen noch dazu, und er verpasst Euch eine Va- er gibt Euch eine Schwertscheide dazu. Da hätte sie sich fast verhaspelt. Ganz gewaltig verhaspelt.
Nu ja. Bin halt nicht so erfahren...
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Hokusai Tatsuhi am So Okt 18, 2015 10:41 am

Obwohl Tenzou vermutlich vier von den Schwertern kaufen konnte, nahm er sich heraus den Preis noch etwas drücken zu wollen. Das zeigte nur seine ewige Kontrollsucht und Rolle in der Gesellschaft. Er ließ sich nicht gerne etwas sagen und schon gar nicht, wenn es um Preise ging. In der Beziehung vertraute er keinem Menschen über den Weg. Wenn ein Händler ihn ein Preis anbot, würde dort genug Gewinn abspringen. So war es immer - ansonsten waren es törrichte Trottel! Dennoch blieb der Händler beharrlich und der Übersetzer gab ihm zu Tage, dass der Mann Ulfbert hieß und wohl feinstes Eisen benutzte. "Es ist mir ehrlich gesagt egal, wer er ist...", stellte er recht nüchtern fest und betrachtete die Klinge näher. Er konnte das feine Muster sehen, welches sich dünn über den Stahl zog. Sie sah nicht schlecht aus, aber konnte er damit auch kämpfen? Bisweilen hatte er anderen Stahl verwendet, aber es wäre sicherlich kein Beinbruch Mal eine andere Art von Waffe zu testen.
"Seine Schwerter fressen andere Schwerter?", hinterfragte Tenzou in der Annahme es gäbe irgendeine Spezialität an dem Schwert, dass ihm bisweilen noch nicht aufgefallen war. Eingehend betrachtete er das Schwert wieder und zeigte eine tiefe Falte auf der Stirn.
"Wäre es mir erlaubt, die Klinge einmal zu testen? Am besten in einer kurzen Kampfübung?" fragte er dann an den Übersetzer gewandt und zeigte ein recht finsteren Ton im Gesicht, "Mit ihnen als Gegner?" Er betrachtete die hagere Gestalt des Übersetzter noch einmal und wandte dann mit einem skeptischen Ausdruck seine Augen zurück auf den Mann. "Besser nicht, ich bezweifel das ihr das Schwert festhalten könnt... fragt diesen halben Troll einmal." Man konnte seinen Spott hören. Der Händler sprach gerade über Eier. Das hatte er durchaus verstanden, auch wenn er nicht wusste in welchem Zusammenhang. Erst da fiel ihm jedoch auf, dass die Übersetzung etwas schludderig war. Abgeflachter... . "Ich verstehe... ich nehme das Schwert erst, wenn ich es getest habe... und wenn ich es will, dann für 40 Goldbullen mit Schwertscheide", legte er dann entschieden fest. Man konnte seinen Starrsinn fast schon aus der Luft kratzen. Seine Augen waren wie bohrende Würmer, die sich tief in die Seele fressen wollten. Abwartend verschränkte Tenzou die Arme vor der Brust und sah den zwei entgegen. Diemals hörte er etwas genauer dem Übersetzer zu. Denn er glaubte, dass der Kerl wirklich ein paar der Worte einfach verschluckte oder abänderte, damit es weniger gefährlich klang.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Sarutobi Ringo am Mi Okt 21, 2015 5:38 pm

Ringo blickte missmutig drein, als Tenzou murmelte, der Name seines Gegenüber wäre ihm egal. Grauländer nehmen solche Dinge ziemlich ernst, Herr, entgegnete sie. Und merkte erst einen Moment später, dass sie damit einem Samurai dezent widersprach... oder zumindest könnte man es so auslegen.
Entsprechend erschrocken war sie, als der Einäugige mit dem Halbmondwappen einen Testlauf vorschlug, und zwar wollte er es an ihr testen! In Ringos Kopf nahm diese Forderung nämlich ein ganz anderes Bild an, angefeuert durch den arg finsteren Ausdruck auf Tenzous Gesicht:
Will er das Schwert an mir testen?! Bloß weil sie widersprochen hatte?!? Gut, unwahrscheinlich wars nicht! Bauern waren schon für kleinere Dinge gestorben! Der Schreck war ihr sicherlich anzusehen. Der Samurai entschärfte die Lage jedoch. "Besser nicht, ich bezweifel das ihr das Schwert festhalten könnt... fragt diesen halben Troll einmal."
Ringo blinzelte, noch immer halb erschüttert. Großer Kami im Teich der Finsternis, warum gebe ich mich immer noch mit Samurai ab? Wann immer sie sich in diesen Tigerkäfig von gehobener Gesellschaft begab, krochen diese Momente von Todesangst an sie heran. Da musste sie nur an die erste Begegnung mit Haseiji Kaede denken. Wie oft hatte es sie da geschüttelt? Dreimal? Viermal? Mindestens.
Ich werde sterben. Eines Tages werde ich sterben. Wegen eines Schwertes in der Kehle, weil jemand testen will, ob die Klinge flüssig durch ein Rückgrat geht, oder aus schierer Panik.
Der leichte Spott, geschenkt. Die fehlgedeutete Andeutung mit dem Tamehsigiri (der Schwertprüfung) tat ihr viel mehr weh.
"Ich nehme das Schwert erst, wenn ich es getest habe... und wenn ich es will, dann für 40 Goldbullen mit Schwertscheide."
Jawohl, Herr. Ringo holte vernehmlich Atem. Eigentlich hatte sie ja schon erwogen, die Sache mit dem "Sein Name interessiert mich nicht" dem Grauländer auf die Nase zu binden. Andererseits wollte sies dann doch nicht drauf ankommen lassen. Irgendwie umgab diesen Samurai eine Aura stetiger Übellaunigkeit. War es Sakki, das aus ihm heraustriefte wie Gestank aus einem Käse, oder etwas anderes?
Wenn sie nur seinen Namen wüßte. Oder sich besser konzentrieren und ihre Erinnerungen an Kasai nach dem Wappen durchstöbern könnte. Irgendwas war da, da war sie sich sicher.
Er möchte einen Troll töten?, fragte der Grauländer gerade, der wohl zumindest ein Wort von Tenzou verstanden hatte.
Ähm, Nein, entgegnete Ringo hastig. Er wünscht, das Schwert zu testen. Er möchte mit Euch kämpfen. Mag er das Schwert dann noch immer, ist er bereit, für Schwert und Scheide 40 Goldbullen zu geben.
Der Grauländer legte leicht den Kopf schief, fuhr sich durch den für Minkai-Maßstäbe unglaublich struppigen Bart und maß den Samurai abschätzig.
Hoh... Nein. Er lächelte fröhlich. Wenn wir kämpfen, dann mit einem Einsatz. Gewinnt er das Duell, gebe ich ihm das Schwert und die Scheide für 30. Gewinne ich, kauft er mir das Schwert ab für 50! Er rieb sich die Hände. Ich bin Ulfbert Ulfbertson, meinen Feinden trete ich in die Eier!
Ringo blies die Wangen auf. Was hatte es nur mit dieser letzten Redewendung auf sich?
Er sagt Ja zum Kampf, Herr, leitete Ringo ihre Übersetzung ein. Allerdings möchte er es so: Gewinnt Ihr, bekommt ihr Schwert und Scheide sogar noch zehn Bullen günstiger. Verliert Ihr, Herr, klettert der Preis auf Fünfzig. Sie hielt inne, seufzte hörbar. Außerdem sagt er wieder, dass er Ulfbert Ulfbertson ist. Und... diesmal tun nicht seine Preise anderen Preisen schreckliche Dinge an, sondern er tut seinen Feinden schreckliche Dinge an.
Der Grauländer nahm derweil fröhlich ein Kurzschwert sowie einen hölzernen Rundschild an sich. Er grinste Tenzou zu und klopfe geradezu einladend mit der Klinge auf die Eisenumrahmung des Schildes.
Ich weiß nicht, warum er bei schrecklichen Dingen immer von zertrampelten Hühnereiern spricht, murmelte Ringo, und es klang fast schon ein wenig hilflos.

In diesem Moment erspähte ein Matrose, der auf dem Hauptmast des Schiffes der Aufgabe des Ausgucks nachging, eine Ablenkung. Aus einer fernen Nebelbank kam ein Schiff mit schwarzen Segeln hervor, als hätte es dort auf der Lauer gelegen.
Schwarze Segel von backbord, rief er nach unten.
Der Kapitän des Handelsschiffes gab seinem Steuermann sogleich Order, nach steuerbord zu fahren, sodass der plötzlich aufgetauchte Verfolger sofort hinter sie geriet. Nach einigen Momenten würde jedoch klar werden: Das fremde Schiff war schneller, weshalb es nicht genügen sollte, einfach den direktesten Fluchtweg zu nehmen.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Hokusai Tatsuhi am Mi Okt 28, 2015 6:04 pm

Der Grauländer war wohl nicht ganz so schwer von Begriff, wie Tenzou anfänglich glaubte. Zumindest hörte er heraus, dass er glaubte der ehrenwerte Samurai würde einen Troll töten wollen. Zugegeben wusste er nicht einmal, ob diese Wesen auf dieser Welt existierten. Er hatte bereits sehr skurrile Abenteuer erlebt, aber Trolle waren ihn bisweilen nicht unter die Augen getreten. Abgesehen von den Männern, die etwas begriffsstutzig waren. Die Botschaft über sein Kampfangebot übergab der Übersetzer und schien ihn sogar noch herausreden zu wollen, dass er den Grauländer nicht als Troll bezeichnete. Tenzou hätte es nicht gestört, wenn es wegen seiner oftmals beleidigenden Ansprache zu einem Konflikt gekommen wäre. Sein Gegner nahm das Kampfangebot sogar an und der Samurai verstand durchaus, dass er seinen Feinden in die Eier treten wollte. Wer dem Hokusai in die Eier trat, würde dem Tod in die Eier treten!
„Ein Kampf versüßt mir die Überfahrt ein wenig mehr“, erwiderte er auf die Worte des jungen Mannes und zog dabei sein Katana hervor. Die teure Klinge blitzte leicht auf. Man konnte einen Leitspruch erkennen. Das Metall war leicht und somit sehr einfach zu führen. Tenzou musste meistens nicht viel Kraft dafür aufwenden um seinen Angreifer zu zeigen, welcher Herkunft er entstammte.
Gerade als die Mannschaft um sie herum den Atem anhielt und viele bereits lieber unter Deck ging, damit sie nicht in den Kampf gerieten, ertönte eine Stimme. Jemand rief, dass er schwarze Segel sah. Ein Zeichen dafür, dass Piraten ihnen entgegen schipperten. Der Samurai blickte dem Grauländer entgegen, schob dann aber die Klinge wieder in die Halterung zurück.
„Der Kampf muss warten“, entschied er und wandte sich dabei herum an die Reling. Von dort blickte er sich nach dem Schiff um, dass aus einer fernen Nebelbank auf sie zu glitt. Seine Augen wandten sich zu dem Übersetzer herum. „Was haltet ihr davon, dass ich Euer Leben verteidige, anstatt Geld für Eure Dienste zu bezahlen? Sollte dieses Schiff uns Kentern, seid ihr in meiner Gegenwart am sichersten. Ansonsten könnt ihr Euch gerne von den Klingen zerbohren lassen.“ In seiner Stimme klang irgendwie sehr deutlich, dass er bereits festlegte das dieser Deal so bestehen würde. Es gab auch kaum ein Argument, welches dagegen sprach. Tenzou schätzte den jungen Burschen nicht gerade als Kämpfer ein, wobei er das auch nicht beurteilen konnte. Sein Blick glitt wieder zu Schiff, während sein Mantel in dem Wind leicht flatterte und ihm die Haare ein wenig zerwühlte. In der Luft lag ein frischer Duft von Kampfeslust. Für ein Samurai waren Piraten fast wie kämpfende Bauern, wobei sie jeden Feind so bezeichnen würden. Das war allein ihre Arroganz, die hier überwog. Glücklicherweise wog Arroganz nicht sehr schwer, sonst wäre das Schiff bereits untergegangen.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Sarutobi Ringo am Sa Okt 31, 2015 2:20 pm

Hinter der Stimme des Samurai lagen Kraft und Selbstsicherheit. Ein prächtig anzusehendes Gebäude, gestützt auf ein Fundament aus gesellschaftlicher Stellung und handverlesener Ausbildung. Ringo war inzwischen weltgewandt genug, um zu wissen, dass sich hinter den kämpferischen Worten des Samurai keine hohle Phrase verbarg, wie sie gern von knüppelschwingenden Banditen dahergeblafft wurde.
Nein, dies war das Echte. Tenzou und jeder andere Samurai seines Alters äffte niemanden nach. Er war es, der von Banditen nachgeäfft wurde.
Das Katana kam aus der Scheide, höllisch scharf und aus feinster Schmiedekunst geschaffen. Hitze und Druck erschufen ein Kriegerwerkzeug, welches schon seit Jahrhunderten mehr geworden war als nur eine Waffe. Es war ein Statussymbol, wie es allein von den Hohen Herren dieses Landes getragen werden durfte. Im Angesicht der schlanken Klinge kroch Ringo ein Schauer den Nacken herauf, und auch wenn sie gewöhnlich ja nicht für diese Gedanken empfänglich war: In diesem Augenblick beneidete sie den Samurai um seine Stellung, so wie es zahllose junge Menschen taten, gleich welchen Geschlechts. Und einige davon waren natürlich auch hier an Bord.
Kurz wechselte Stimmung. Irgendwie... spürte Ringo es auch völlig ohne mittels Ki im Wellenspiel lesen zu müssen.
Nicht wenige Zuschauer wollten den Samurai mit dem Isketanier kämpfen sehen. Der Gaijin, wie man Ausländer gern abschätzig nannte, hatte sich nichts zu schulden kommen lassen... doch die Passagiere hätten nun gern gesehen, wie einer von ihnen dem Fremden etwas in Sachen Schwertkampf beibrachte.
Ringo hatte nur in wenigen Momenten ihres Lebens miterlebt, wie die Schranke der Stände auf diese Weise wegschwenkte.
Das letzte Mal... war in Kasai... auf dem Markt... oder?
Dann aber fuhr ein Schrei dazwischen, und sämtliche Blicke fuhren herum. Plötzlich war der Horizont nicht mehr leer. Ein schwarzes Segel winkte dem Handelsschiff zu.
„Der Kampf muss warten.“ Dieser Satz fiel als Erster nach dem großen Schweigen. Der Grauländer ließ ein knappes Lachen hören. Auch ohne Übersetzung hatte er verstanden, was sein Kampfpartner getan hatte.
Verschieben wir unseren Schwanzvergleich, sprach er mit gutturaler Stimme, auf nachher, wenn wir wieder unter uns sind.
Ringo schaute mit geschürzten Lippen aufs Meer. Oh je, seufzte sie. Am besten, ich begebe mich unter Deck und verteidige die Ladung. Nicht um der Ladung willen, sondern weils dort duster ist! Sie spürte, wie bei diesen Gedanken Ikon erwachte: Der Wasser-Oni in der Tinte ihrer Rücken-Tättowierung erfasste ihre Denkweise und war lang genug dabei, um zu wissen, dass dies seine Hilfe bedeutete.
„Was haltet ihr davon, dass ich Euer Leben verteidige, anstatt Geld für Eure Dienste zu bezahlen? Sollte dieses Schiff uns Kentern, seid ihr in meiner Gegenwart am sichersten. Ansonsten könnt ihr Euch gerne von den Klingen zerbohren lassen.“
Ringo zuckte beim Klang der Stimme zusammen. Der gibt mir das Kribbeln. Unter der Krempe ihres Strohhutes hinweg schaute sie zu dem Samurai auf. Eine Ehre wärs, Herr, erwiderte sie gesetzt und fügte nach einem Moment des Zögerns hinzu: Mag mich ungern durchbohren lassen, Herr. Hier überzog sie den katzbuckelnden Tonfall ein wenig ins Ironische, rein aus Spaß. Nicht übermütig werden, Ringo-chan...

Die Dschunke der Piraten kam mit vollen Segeln heran; das Handelsschiff war vollbeladen und entsprechend träger, ud da half es auch nicht, dass der Kapitän jeden Fetzen Segel hissen ließ, den seine Matrosen auftreiben konnten.
Die Wako des Verfolgerschiffes eröffneten das Feuer, nachdem sie in Reichweite kamen: Pfeilsalven erhoben sich vom feindlichen Schiff wie Schwärme wütender Vögel und plackerten auf Deck. Wer konnte, floh in die Laderäume; der Rest ging hinter dem eigenen Gepäck in Deckung. So wie Ringo etwa, die ihren Rucksack über den Kopf hievte und sich dazu dicht an der Reling hielt.
Und dann krachte auch noch eine Arkebuse, spie Rauch aus und schickte eine Ladung Eisen durch die Planken der Reling, keine zwei Meter von Ringo entfernt. Sie stieß einen vielleicht etwas zu spitzen, nicht ganz zur Verkleidung passenden Schrei aus.

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Out: In deinem Post darfst du durchaus schon schreiben, dass die Piraten aufs Schiff springen ^^
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Hokusai Tatsuhi am Sa Nov 14, 2015 9:44 am

Es gab nicht vieles vor was der Samurai Angst hatte. Piraten gehörten nicht dazu. Sie waren meisten raubeinige, ungehobelte Kämpfer, die keinerlei Ehre besaßen. Er sah es schon fast als seine Aufgabe an diese aus der Welt zu entfernen. Sein Angebot den jungen Übersetzer zu schützen, war nicht nur eine Geldfrage. Als Samurai war er ein angesehener Krieger und vertrat einen besonderen Status. All diejenigen die unter ihm standen, waren vielleicht etwas weniger Wert, aber sie gehörten auch zur dem Teil der Bevölkerung, die ein Handwerk nachging von dem die Oberschicht abhängig war. Sein Handwerk war des eines Kriegers. Natürlich erwähnte er diesen Gedankengang nicht. Es würde ein Bild von Sympathie um ihn stricken und ihn möglicherweise auf eine Ebene hinab setzen, die ihm nicht gefallen konnte. Er wollte nicht das man ihn freundlich anlächelte oder gar freundlich empfand. Also nickte er nur über die Worte des Übersetzers und ging ein paar Schritte von der Reling weg. Es würde ihm kein Vorteil verschaffen direkt dort vorne zu stehen. Zumal Schusswaffen in dem Bereich sehr viel präziser waren als wenn man weiter hinten stand. Er schob sich zunächst hinter ein paar Fässer und lauschte wie das Schiff sich an ihre Seite bewegte. Sekunden später prasselte der erste – gefolgt von einem zweiten – Angriff auf sie nieder. Tenzou blieb ruhig, wartete ab und vernahm dann einen Schrei. Er beugte sich leicht zu Seite und sah zu der Quelle des Schreis. Hatte man dem Burschen in die Eier getreten, dass er so schrill schrie? Über den Übersetzer hinweg schwang sich ein Pirat aufs Deck. Agil landete er auf seinen Füßen und stieß ein merkwürdiges Kampfgeräusch aus. Tenzou drückte sich aus der Deckung hervor, zog sein Katana langsam aus der Schwertscheide und richtete die Spitze direkt auf seinen Gegner. Eindeutig, dass er einlud zu einem Kampf. Dieser sprang wie ein wilder auf ihn zu, während sich die nächsten Piraten dazu besonnen aufs Schiff zu springen. Die Klinge von Tenzou stieß auf die des Gegners, wobei man ein beeindruckendes klirren hören konnte. Allein an diesem Geräusch konnte man bereits die gottgleiche Verarbeitung dieses Material vernehmen. Mit Leichtigkeit parierte er das Schwert seines Gegners, drehte sich und stieß sein eigenes Schwert direkt in den Bauch des Mannes. Die Klinge bohrte sich durch ihn hindurch. Es war noch kein Blut zu sehen. Erst als er sie wieder heraus zog, zeigte sich ein roter Schwall. Der Samurai bewegte sich auf den Übersetzer zu vor dem gerade ein weiterer Pirat auftauchte in der Hoffnung ihm wohl des Lebens zu berauben? Tenzou fackelte nicht lange und rammte dem Mann von hinten sein Schwert durch den Rücken. Die Klingenspitze blieb vor dem Übersetzer zum stehen, an dessen Seite Blut zu sehen war. Als er sie zurück zog, sank auch der Mann zu Boden. Er blickte mit einer merkwürdigen ruhigen Mimik dem jungen Burschen entgegen. „Euer erster Kampf? Wenn ihr wieder wie ein Mädchen schreit, wird man Euch als Weib halten und vermutlich nicht töten, sondern zum persönlichen Vergnügen mitnehmen wollen“, bemerkte er mit einem kleinen Funken von Gehässigkeit. Erneut ergoß sich eine Pfeilsalve auf sie hinab. Tenzou ging ein paar Schritte rückwärts, schlug mit seiner Klinge quer durch die Luft und erwischte damit gut drei Pfeile, die sich in ihre Richtung bewegt hatten. Ein vierter schlug jedoch direkt in seinem Mantel ein. Er ging zurück wirkte getroffen, riss aber nur den Pfeil aus dem Mantel hinaus und warf einen Blick rüber zu dem Schiff. Er griff sich die zweite Klinge und ließ Geräuschvoll seinen Nacken knacken. Sein Blick war so selbstbewusst, dass man ablesen konnte was er vor hatte. Er würde nicht warten das man auf sie weiter schoss, sondern direkt rüber auf das andere Schiff schwingen, um dort Angst und Schrecken zu verbreiten.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Sarutobi Ringo am Sa Nov 14, 2015 11:36 am

Warum bin  ich oben geblieben? Diese Frage kreiste in Peitschenhieben auf Ringos Geist herab. Ach ja. Ich setze mich diesem Hagelschlag aus Holz und Eisen aus, weil ich den Samurai in Bewegung sehen will.
Ein bäriges, bellendes Lachen kam aus Richtung der Isketanier, die sich in eine gemeinschaftliche Formation begeben hatten: Sie vereinten ihre hölzernen Rundschilde zu einem Dach, welches sie anschließend schräg kippten und so den Pfeilregen abschirmten. Gleichzeitig bildeten sie ein recht markantes Bollwerk an Deck.
Ringo erwog, ihren Rucksack wegzuwerfen und bei den Grauländern unterzukriechen. Ich würde bequem zwischen ihren Beinen herumrutschen können; sie würden mich nichtmals bemerken.
In diesem Moment kam das Schiff auf Enter-Nähe.
Mehrere Wako sprangen voller Heldenmut direkt gegenüber des grauländischen Bollwerks auf das Handelsschiff - und bekamen die Rechnung prompt, denn der rothaarige Anführer gab einen knappen und brüllenden Befehl, woraufhin die ganze Truppe zwei Schritte vorwärts tat. Einfach vorwärts, und dann gingen die Schilde eine Armlänge vorwärts. Es war kein Kampf, es war nur ein Schubsen, und die Piraten taumelten mit blutigen Nasen rückwärts, fielen über die Reling und ins Wasser zwischen den Schiffen.
Und zurück! Der Bärtige lachte. Zwei zurück! Lasst sie kommen! Bruhaha!
Es kamen keine mehr an dieser Stelle.
An anderer Stelle durchaus.
Über Ringo hinweg setzte ein Wako, ohne überhaupt Notiz von ihr zu nehmen. Er heulte ein Sterbt, Minkai-Maden! in seiner Muttersprache und stürzte sich viel zu übermütig auf Tenzou, der die Sache elegant kurz hielt: Parieren, Stoßen, Siegen. Auf die andere Seite übersetzt: Stoßen, Versaubeuteln, Sterben. Die Überzahl der Kämpfe, die ein Samurai - oder Krieger allgemein - ausfocht, war grausam kurz.
Ringo sah den entscheidenden Stoß, denn sie sah die Klinge aus dem Rücken des Piraten hervorsprießen wie eine metallisch schimmernde und leuchtend rote Blume aus einem Beet. Die Blüte zuckte in ihr Erdreich zurück, und der Mann ging nieder wie ein Sack Dünger.
Beunruhigende Effizienz.
Ringo hatte nicht viel Zeit, kühl zu betrachten, denn weitere Piraten hechteten und sprangen zum Handelsschiff hinüber und verwickelten die Überfallenen in Kämpfe. Zu ihrem gelinden Schrecken drehte sich einer der Wako zu ihr herum, das Wakizashi zum Schlag erhoben.
Im Reflex weckte Ringo ihren Metall-Oni, der ihr Ki sogleich in die einzige Richtung lenkte, die ihm möglich war: Westwärts! Ringo hätte mit ihrer gelinden Kampferfahrung selbst nicht sagen können, in welcher Richtung Norden lag, daher war es ein Glück, den Oni zu haben. Sie spürte die abrupte Zunahme von Körpergewicht - oder besser, Schwerkraft -, und ihre Haut wurde eisenhart. Unnötigerweise, denn erneut blühte diese stahlgraue und blutrote Blume auf, diesmal direkt aus der Brust des Piraten.
Ringo blinzelte in das Gesicht ihres Leibwächters.
„Euer erster Kampf? Wenn ihr wieder wie ein Mädchen schreit, wird man Euch als Weib halten und vermutlich nicht töten, sondern zum persönlichen Vergnügen mitnehmen wollen.“
Ringo biss die Zähne zusammen und grimmelte Nicht witzig, allerdings zu leise, um genau verstanden zu werden. Zum Einen bewunderte sie Kampfkraft, zum Anderen versetzte das Selbstbewusstsein des Samurai sie in Missstimmung. Sie löste die unnötige Eisenschwere-Kunst mit einem flüchtigen Gedanken auf, und das Stehen fiel leichter.
Ein unheilvolles Sirren und Schwirren kündigte weitere Pfeile an. Eine weitere Gelegenheit für Tenzou, der seine Reaktionsschnelle und Güte seines Mantels unter Beweis stellte, ehe er sein Wakizashi zur Hand nahm. Dann schwang er sich über die Reling, um den Kampf auf das andere Schiff zu verlagern.
Ringo schaute ihm nach. Hach, ich wär so gern... Nein, nein, nein! Ich kann auch was tun! Sie versicherte sich, dass die Aufmerksamkeit aller anderen in diesem Moment anderswo lag. Tenzou fokussierte sich derzeit ohnehin auf die Piraten auf dem anderen Schiff, und hier an Deck sorgten die schildstoßenden Isketanier für eine turbulente Schau.
Ringo ließ ihren Rucksack fallen, kurbelte ihr Ki an... und turnte kurzerhand über Bord.

Tenzou landete auf der gegnerischen Dschunke wie ein Tiger im Hundekäfig. Allerdings waren die metaphorischen Hunde auch keine Schoßtiere. Die Wako wichen vor dem stürmischen Samurai zurück, vor allem aus schlichter Überraschung heraus, und bildeten einen Kreis. Dem Hokusai standen vier Piraten gegenüber, die einander zunickten.
Im nächsten Moment stürzten alle vier in schnurgerader Linie vor.

Ringo landete unterdessen im Wasser. Im Meer zu schwimmen war kein Kinderspiel, doch Ringo war talentiert und geübt, und so schaffte sie es, rasch zum feindlichen Schiff herüber zu gelangen. Sie legte Hand an eine Planke, wirkte den Weg des Holzes und verformte das Holz unter ihren Fingern zu einem Griff. Zunächst jedenfalls, denn sie packte auch mit der anderen Hand zu, presste Ki in die Planke, zog und zerrte. Wo bescheidene Körperkraft nichts nützte, tat Ki umso mehr Arbeit und öffnete einen Riss in den Planken.
Ringos Zungenspitze erschien im Mundwinkel, während sie sich konzentrierte. Komm. Komm. Komm. Komm. Komm! Ziehen, ziehen, ziehen, ziehen, ziehen...
Das Loch klaffte auf, bis unter den Wasserstand, und das Meer rauschte freudig herein.
Ringo lachte leise und triumphierend. Zunächst. Dann aber erfasste der Zug des einfließenden Wassers sie und sog sie ein wie ein Abflussrohr ein Entenküken. Sie gab einen empörten Aufschrei von sich, dann verschwand sie im Inneren des Schiffes. Kam in der Bilge wieder auf die Füße, triefend nass und zutiefst beleidigt, während sich der Raum um sie herum flutete.
Anfängerfehler, den Sog nicht zu bedenken. Dies war immerhin das erste Mal, dass sie ein Schiff aufriss.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Hokusai Tatsuhi am Di Dez 08, 2015 6:09 pm

Piraten. Für den Hokusai waren solche Menschen die unterste Schicht. Das hieß sie standen bei ihm noch unter den Shinobi und Bauern. Sie ergaunerten sich ihr Geld in dem sie Menschen ausnahmen und Leid verbreiteten. Normalerweise gehörte es nicht zu seiner Aufgabe solche Abtrünnigen zu richten, aber sein Leben und auch sein eignes Vermögen hingen nun davon ab. Er konnte seinem Vater ansonsten nicht mehr gegenübertreten, wenn er von solchem stumpfen Volk ausgenommen werden würde oder gar sogar sein Leben verlor. Das er nebenbei  noch dem Übersetzer den Arsch retten wollte, lag eher daran das er nicht gerne in der Schuld von jemand anderes stand. Wie so oft brodelte daraufhin in seinem Inneren der Kampfesgeist und auch der Oni seiner Klinge, meldete sich inzwischen zu Wort.
"Sterben sollen Sie für diese Frechheit", zischelte der alte Oni mit spitzer Stimme, während Tenzou den Weg auf das andere Schiff fand. Aufgrund der schwere seines Mantels wirkte er etwas ungelenkt als er auf das Deck des Piratenschiffs schlug. Er erhob sich langsam und war sofort von einigen rauffreudigen Piraten umzingelt. Es vermochte nicht die klügste Idee gewesen sein sich direkt in die Menge zu stürzen, aber Tenzou besaß schon immer ein großes Ego als das er sich von solchen Sorgen verunsichern ließ. Der Mann erhob die Klinge und ließ dann gemächlich seinen Blick umher schweifen. Zuerst schien die Verunsicherung groß, dann stellte man jedoch fest das er alleine war und schien ihn nicht als Gefahr abzustempeln. Das sie hier mit einem wirklich großen Kämpfer zu tun hatten, vermochte keiner zu wissen. Sie würden es aber spätestens dann mitbekommen, wenn das erste Gesindelich starb. Bevor der Hokusai zu einem Angriff überging, lief sein eines Auge umher. Er merkte sich die Position der anderen und deren Kampfhaltung. Es war nur ein Sekundenbruchteil in dem er seine Stellung als Beobachter direkt wechselte und zum kämpfenden wurde. Vier Männer kamen auf ihn zu. Wild und Ungetüm. Der Samurai war glücklicherweise nicht übermütig genug, um es gleichzeitig mit vier Männern aufnehmen zu wollen. Stattdessen sprang er zurück auf die Reling und balancierte sein Gewicht kurz aus. Gleich danach lief er dort ein paar Schritte nach rechts und stieß einen Mann um, der gerade mit Pfeil und Bogen dazu ansetzte auf die Gegenseite schießen zu wollen. Tenzou versenkte das Katana in dessen Hals, ließ die Klinge stecken und packte den Mann am Saum des Kragens um ihn Richtung der Angreifer zu stoßen. Er folgte dem  geworfenen Mann, der drei der vier Angreifer daran hinderte weiter vorzustoßen und ging mit der kürzeren Klinge auf den Mann zu, der übrig blieb. Metall schlug auf Metall. Ein helles Klirren ertönte über den allgemeinem Tumult der schon herrschte. Sein Gegner stellte sich als besser heraus als er anfänglich dachte, sodass er ihm ein etwas unsportlichen Stoß mit dem Knie versetzt und dann Richtung Reling schob. Er gab dem Kampf nach, ließ seine Klinge fallen und packte den Mann mit beiden Händen fest am Kragen. Gleich danach warf er ihn über Board. In der selben Bewegung drehte er sich, griff das Wakazishi wieder und stürtzte sich in den Kampf zurück.
Als sein Gegner glorreich nach seinem Katana greifen wollte, wie ein Elster nach einem glänzenden Stück Reichtum, wog es plötzlich Tonnenschwer in dessen Händen. Er bekam es nicht herumgerissen, sodass Tenzou die Gunst der Stunde nutzte und auch dessen Leben beendete.
Erneut nahm er sich seinem Katana wieder an. "Frechheit...", erkündete der alte Oni des Schwertes.
"Wie kannst du mich einfach hier liegen lassen?" Der Alte neigte gerne dazu, zu übertreiben. Tenzou schnaubte leise. "Sei still", knurrte er forsch und hob seine Klinge zum nächsten Schlag. Daraufhin spürte er, wie sie plötzlich Tonnen schwer wurde. Tenzou spürte, wie die Spitze dumpf in den Boden krachte und er leicht nach vorne gerissen wurde. Ein merkwürdiges Bild was sich damit bot. Der Hokusai verzog verärgert sein Gesicht und bekam einen Stoß in den Rücken, wodurch er zu Boden geworfen wurde. "Rache ist süß!" Seit dem der Oni sein Gedächtnis verloren hatte, schien er völlig von der Rolle zu sein und sich regelmäßig auf die Füße getreten zu fühlen.
Irgendetwas traf die Schulter des Mannes und versuchte sich mit erschreckender Kraft durch seinen Mantel zu bohren. Ein heißer, stechender Schmerz pulsierte kurz durch den Rücken des Samurai. Er stieß ein furchterregendes Brüllen hervor.
Nicht aus Schmerz, sondern mehr des Kampfes wegen. Ein weiterer Stoß erfasste seine Schulter und versuchte sich durch den Stoff des Mantels in die metallernen Ketten dort drunter zu bohren. Seine Hand angelte nach seinem Katana, dass er mit der Hand  zu sich zog. Nachdem er kurz spürte wie der Mann hinter ihm offensichtlich erneut ansetzte auzustoßen, drehte sich Tenzou auf dem Rücken und stieß ihm die Klinge entgegen.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Sarutobi Ringo am Sa Dez 26, 2015 11:20 am

Eigentlich hatte sie nicht geplant, im Bauch eines Piratenschiffes zu ertrinken wie eine der Ratten, die gerade panisch quiekend vor ihr davonliefen. Oder besser, zusammen mit ihr durch die Dunkelheit liefen, denn sie rannten allesamt gleichermaßen vor dem Wasser fort, das ins Schiff gurgelte.
Ringo hatte zunächst nicht viele Sorgen gehabt. Sicherlich hatte es sie verdrossen, wie ein Papierschiffchen in einen Abwasserkanal gerissen zu werden, doch gleichzeitig hatte sie angenommen, das seie halt so, und man müsse damit leben, wenn man Schiffe ordentlich versenken wollte. Also hatte sie das Loch noch verbreitert, aufgesperrt wie ein klaffendes Maul, das gierig Salzwasser schlürfte. Und geplant, nun wieder nach draußen zu springen.
Da war ihr die heimische Tierwelt dazwischen gekommen. Nein, nicht die Ratten. Der Hai.
Der Hai, der sich gerade durch das dämliche Loch zwängte! Warum kam er hier rein! Gab es draußen nicht genug Ertrinkende mit Stich- und Schnittwunden?!
Das unterste Deck der Dschunke war ein einziger, riesiger Lagerraum. Und so gut wie leer, daher konnte Ringo bequem - so bequem, wie es nunmal mit Ratten und Haien war - von einem Ende zum anderen rennen. Leider war es gleichzeitig auch dunkel. Hinten, da war Licht durch das Loch gekommen, nun aber orientierte sie sich durch Ki! Sie kehrte ihren Ki-Strom nordwärts, der Richtung des Wassers zu, und nahm die Leben der Tiere um sie herum wahr: Sie waren wie kleine, glühende Kohlen, die anzeigten, wo man hingehen konnte und wo eine Wand sein musste.
Über ihnen tat irgendwer einen markerschütternden Schrei; sie schreckte zusammen. Der Hai ploppte hinter ihr ins Innere und kam näher, in einer schrägen Mischung aus Schwimmen und Robben.

Oben richtete ein einzelner Samurai Tod und Schrecken unter der Piraten-Mannschaft an. Er entledigte sich seiner Gegner in effizienter und eindrücklicher Weise.
Haltet euch endlich fern von ihm!, rief der Kapitän erbost auf tian, als ein weiterer seiner besseren Kämpfer der Klinge des Samurai zum Opfer fiel. Erschießt ihn schon!
Während Tenzou seinen nächsten Feind fällte, legten drei Musketen-Schützen auf ihn an.
Keiner kam zu einem guten Schuss, denn als sie abdrückten und sich die brennenden Lunten in die Pulverlöcher senkten, krankte das Schiff außergewöhnlich heftig. Als hätten sie Leck geschlagen.
Die Schuß-Salve ging folglich wild los. Höchstens blankes Glück würde für einen Treffer sorgen können.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Hokusai Tatsuhi am Do Jan 14, 2016 9:28 pm

Es war ein Unterschied ob Tenzou einen Kampf zur Show führte oder einen Kampf gegen wirkliche Gegner hatte. Bei ersteren gab er sich viel mehr Mühe vor allem eindrucksvoll zu wirken bei letzteren hingegen beschränkte sich seine Konzentration darauf so viel Schaden wie möglich anzurichten. Ein Gegner nach den anderen wurde von seinem Katana durchbohrt und bewies damit nicht nur gute Schmiedekunst, sondern einen exzellenten Schwertkämpfer. Hier stand viel auf dem Spiel. Nicht nur sein Leben. Vermutlich auch seine Ehre als Samurai und die kam vor seinem Leben. Denn wenn man eins wusste, so war ein beschmutzter Ruf fast schon ein Todesurteil. Tenzou wollte gerade weil seine Familie für ihn das allerwichtigste war keine Dummheiten anstellen. Als er den Brüller eines Mannes hörte, wandte sich seine Aufmerksamkeit kurzweilig auf diese Person. Er musterte ihn in flüchtigen Zügen, musste aber gleichermaßen erst einmal in Deckung geben als mehrere Männer ihre Gewehre auf ihn richteten. Um eine Meute am besten zu erledigen, musste man ihre Führung niederreißen. Der Samurai hatte inzwischen den Anführer also ausgemacht und würde im nächsten Zuge versuchen in dessen Nähe zu kommen. Wenn nicht dort noch ein weiteres Hindernis auftauchte. Das Schiff fing an sich zu bewegen und brachte seinen sonst so unerschütterlichen Stand mächtig ins Schwanken. Er strauchelte ein paar Schritte zu Seite und musste sich an der Reling festhalten, damit er nicht über Board ging. Blinzelnd sah er sich um und versuchte zu erkennen, warum das Schiff plötzlich solch ein Verhalten an den Tag legte. Erkennen konnte er allerdings relativ wenig. Er mühte sich also ab, wieder einen stabilen Fuß zu fassen und taumelte keine paar Schritte später weiter und fluchte innerlich. Eindeutig gehörte die Seetauglichkeit nicht zu seinen Stärken. Ein Grund warum er recht ruckartig sein Katana heben musste als ein Mann ihm sein Gewehr entgegen stieß und ihm wohl eine große Ladung entgegen schießen wollte. Er verpasste ihm ein Faustschlag und stieß dann das Katana in das Holz unter sich, damit er sich dort auf Position festhalten konnte. Die Klinge fuhr durch die Planken. Blöderweise etwas zu tief und zu fest. Als er nämlich wieder einigermaßen stabil stand, hatte er Schwierigkeiten die Klinge wieder aus dem Boden zu zerren. Mit gewaltiger Kraft riss er dann den halben Planken mit ab und hielt sein Katana dem nächsten Angreifer entgegen. Dieser blieb stehen und wirkte kurz verunsichert. Tenzou riss das Brett von seinem Schwert ab und warf es nach seinem Gegner. Sein Blick fiel in das schwarze Loch in dem man kaum etwas erkennen konnte. Wasser schlug umher. Er hob eine Augenbraue. Deswegen schwankte das Schiff also? Genau in diesem Augenblick spürte er wieder, wie das Schiff zu Seite ruderte und gegen das andere stieß, sodass es nicht sofort untergehen konnte. Erneut rutschte Tenzou leicht über den Untergrund und versuchte zu verhindern seine Haltung zu verlieren in dem ihn irgendjemand angriff. Er schloss für einen Moment die Augen, atmete leise durch die Nase und lenkte seinen Ki-Fluss in eine andere Richtung. Es war reine Gewonheit - etwas das er schon 100 Mal gemacht hatte. Sein Körpergewicht erhöhte sich um einiges mehr und er spürte, dass er schwerer über den Boden rutschte. Dafür ertönte etwas anderes. Ein lautes Geräusch von knarrenden Holz unter seinen Füßen. Möglicherweise zu viel des guten? Als Tenzou seinen Blick hinab wandte, war es bereits zu spät. Ein lautes Geräusch ertönte und wenige Augenblicke später krachte er durch die Planken des Schiffes. Ein weiteres Krachen war zu hören als der schwere Körper so halb auf etwas drauf fiel. Tenzou wusste nicht was es war - es fühlte sich nur hart an. "Verdammt!", stieß er verärgert vor und ruderte umständlich umher, damit er wieder in eine aufrechte Position kam. Wo zum Teufel war er nun?
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Sarutobi Ringo am So Jan 17, 2016 12:09 pm

Ihre Lage war ungewöhnlich. In einem kränkenden und sinkenden Schiff. Mit einem Hai. Und einem Samurai. Letzterer kam ebenso uneingeladen wie Ersterer, platzte einfach durchs Deck hindurch wie ein Katapultstein. Ringo fühlte den Aufschlag des Mannes mit ihren nackten Sohlen durch die Bohlen rollen.
Das Gefluche war aufschlussreich genug.
Er muss Eisenschwere gewirkt haben, dachte Ringo bei sich. Und ist deswegen durch die Decke gekracht. Für Samurai soll Metall ja nicht ungewöhnlich sei-
Da kam der Hai, mehr robbend als schwimmend.
Ringo zog gerade noch das Bein weg, trat nutzlos gegen die Schnauze des Tieres und hüpfte auf eine große Holzkiste.
Sie räusperte sich. Zeit für das Sprachtalent. Ringo war eine Dakko-Nin. Sie verstand zahlreiche Dialekte, und wenn sie wollte, konnte sie diese auch verwenden. So wie jetzt. Sie wählte einen derben Akzent aus dem westlichen Oda; einfach, weil er sich mit seinen kehligen Lauten und verschluckten Silben recht gut von ihrer gewöhnlichen Sprachweise unterschied.
Ey, Samurai!, blaffte sie aus der Dunkelheit, Ma´ di´ we´ hier! Is nass hier und fis´i´! Großer Karpfen auf der Wasserfall-Treppe. Dieser Dialekt ist einfach Igitt! Unt es wirt no´ wiel nasser unt fis´i´er! Bood sin´t!
Oh, ja, das Boot sank. Es kränkte, wie es sich für ein Schiff seiner Bauart nicht gehörte. Die Planken wurden belastet, wie sie niemals belastet werden sollten, und was ohnehin keine wahre Meisterarbeit war, zerlegte sich nun stückweise selbst. Risse und Sprünge taten sich da und dort auf, schlitzten mit Klingen aus Tageslicht durch das Dunkel.
Ringo zögerte kurz, wählte zwischen dem Wehe des Kriegers vor ihr und dem Wehe des Meeresraubtiers hinter ihr. Ja, es war im Grunde ein Verbündeter vor ihr, doch wenn sie ihm hier unter die Augen trat, konnte er sie genauso gut für einen Feind halten und niedermähen.
Da wählte sie lieber den Hai. Griff in eine winzige Geheimtasche, holte ein Röllchen Leder hervor und schluckte den bitteren Inhalt. Es waren pralle, fleischige Blätter von Kappa-Kamelien. Damit würde sie länger tauchen können, falls nötig.
Sie sprang ab, flog über den Hai hinweg ins Wasser und schwamm los.
Hoffentlich entschied sich auch Tenzou dafür, rasch auf das Handelsschiff zurückzuwechseln...

Auf dem Handelsschiff schmetterten die Grauländer fröhlich Schlachtgesänge, formierten kleine Schwildwälle und stießen ihre Gegner einfach umher wie mit Holz verkleidete Stiere.
Als das Piratenschiff in Schräglage zu gehen begann, spannten sich die Taue, mit denen beide Schiffe verbunden waren. Gleichzeitig verdoppelten die Piraten ihre Bemühungen, auf das Handelsschiff zu kommen - denn plötzlich war eine ganz ungute Todesangst im Spiel.

Ringo zwängte sich durch das Loch heraus, welches inzwischen mehr nach unten als zur Seite zeigte. Mit großen Augen starrte sie lotrecht in die Tiefe wie ein Bergsteiger von einer himmelhohen Klippe.
Der gerade entdeckte, dass er Höhenangst hatte.
Das Meer war blau. Hell oben, doch je tiefer, umso dunkler. Bis in die Schwärze. Die sich irgendwie zu nähern schien.

Der Hai hatte Ringo zwar bemerkt, jedoch auch Tenzou. Und den größeren Happen erkannt. Er wählte seine Beute neu, auch wenn er sich dazu weiterhin durch flaches Wasser quälen musste. Irgendwie spürte er, dass diese Umgebung ohnehin bald sein Jagdrevier werden würde...
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Hokusai Tatsuhi am So Jan 17, 2016 12:46 pm

Die Dunkelheit lag um den Samurai, wie ein Mantel der ihn zu ersticken drohte. Er konnte rein gar nichts erkennen und fühlte sich merkwürdig angreifbar. Erst als seine Augen sich langsam an die Umgebung gewöhnten, konnte er blasse Schemen erkennen. Ein rhytmisches Platschen war in der Nähe zu hören und das leise Rasseln von Fässern, die in dem Wasser aneinander schlugen. Dann erhob sich eine Stimme, wie aus dem nichts und Tenzou blickte leicht verärgert - eher unbewusst - in Richtung der Person. Der Dialekt war alles andere als verständlich und der Samurai verstand aller höchstens, dass man ihn als einen ehrenwerten Krieger erkannte, aber die drauffolgende Aufforderung war wirklich mehr schlecht als recht zu verstehen. Tenzou ließ seine Hand durch das Wasser gleiten und umschloss daraufhin sein Katana wieder. Das Wasser stand ihm knapp bis zur Hüfte und durchweichte seine kostbare Kleidung.
"Ich habe kein Wort verstanden", stellte er fest und erkannte das Objekt, welches sich durch das Wasser bewegte oder besser gesagt voran krauchte. Automatisch machte er ein paar Schritte zurück und ließ seinen Blick zu dem klaffenden Loch wandern, dass über ihn war. Er hätte möglicherweise besser aufpassen sollen, wo er seine Metallschwere anwandte. Erneut klang ein platschendes Geräusch und gleich daraufhin war nur noch der Hai zuhören, der sich plötzlich in seine Richtung wandte. Keine Frage. Tenzuo würde auch gegen so ein Wesen antreten, nur fehlte ihm die Lust seine Zeit damit zu verschwenden gegen etwas zu kämpfen, was dazu führen konnte unter zu gehen. Mit einem Fuß rollte er ein Fass zu der Öffnung. Dann griff er danach und stellte es auf. Als er noch einmal über die Schulter sah, wurde ihm bewusst, dass die andere Person schon wieder verschwunden war. Für Sekunden glaubte er, dass er beim Sturz einen Schlag an den Kopf bekommen haben musste und somit möglicherweise schon Stimmen hörte. Mit einem Kopfschütteln kletterte er auf das Fass zurück. Er schob seine Klinge in die Halterung zurück und sprang dann nach oben an den Lochrand. Dann zog er sich nach oben und kletterte raus.
Draußen angekommen sah man bereits die panischen Piraten auf das andere Deck springen. An ihm vorbei rollte ein Faß, dass durch die Planke brach und dabei zwei Männer mit riss. Das Schiff war wohl mehr oder weniger am sinken. Tenzou entschloss sich, dass es besser wäre Land zu gewinnen und lief zu der Reling zurück. Sein Blick ging auf das andere Bord. Er nahm Anlauf und sprang zurück auf das Deck. Diesmal deutlich eleganter. Als er drüben ankam, überblickte er zunächst die Umgebung - entschloss sich jedoch zuerst einmal zu schauen, ob ihr eignes Schiff ebenso Sinken könnte. Er steuerte durch die kämpfenden Männer und suchte zuerst einmal den Kapitän. Der Übersetzer war leider Gottes nirgends zu sehen, sodass er davon ausging, dass er vermutlich nicht mehr lebte - blöd gelaufen!
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Sarutobi Ringo am Mo Jan 18, 2016 10:09 pm

Du bewegst dich im Wasser elegant wie eine Robbe an Land! So sprach ihr Sensei dereinst gern, und just in diesem Moment erinnerte sich Ringo der Worte Mumons umso mehr. Auch wenn sie inzwischen etwas besser schwimmen konnte. Schwimmen, Tauchen und Waten - so wichtig wie Rennen, Springen und Gehen! Warum? Wasser ist überall, kleine Langnase, das wirst du früh genug sehen. Die Welt ist voller Seen und Flüssen und Kanälen. Und weißt du, wovon die Welt noch wimmelt? Nichtschwimmern. Folgere, kleine Langnase, folgere. Bewerte das Schwimmen, das Suijutsu. Ist es wichtiger, dein großes Näschen in Schwarzpulver zu stecken, Sprachen zu lernen oder dich gegen deine eigenen Gifte abzuhärten? Ich mag nicht mindern, was du sonst so tust, doch es täte dir gut, meinem Schwimmunterricht mindestens genausoviel Aufmerksamkeit zu widmen.
Und wohin hatte sie dies gebracht?
Druck auf den Ohren, Salz in den Augen, bitteres Blattzeug im Mund, unterdrückter Atemreflex. Und ein Hai am Hintern. Ringo fühlte sich hilflos wie ein Robbenbaby. Oder ein Adlerküken vielleicht, das aus seinem Nest herausschaute und in die Tiefe blickte.
Die höchsten Berge, die tiefsten Meere. In einem Punkt waren sie sich einig: Sie boten einen nackenhaaraufstellenden Ausblick.
Half alles nichts. Sie zwängte sich raus. Blieb mit ihrem Hemd am Holz hängen, riss sich hektisch los, paddelte. Abwärts, abwärts, abwärts... Halt! Aufwärts! Zwei Geister krakeelten in ihrem Kopf, Feuer-Oni Akon hasste das alles und Wasser-Oni Ikon liebte das alles. Der Eine prasselte wie eine glühend heiße Pfanne voller Hundekacke, der Andere plätscherte wie ein Gebirgsbächlein.
Ringo löste sich aus dem Schatten des sinkenden Piratenschiffes, tauchte dafür in den Schatten des Handelsseglers ein. Sie glitt unter dem mit Muscheln bestückten Kiel hindurch und auf die andere Seite. Dabei warf sie, obwohl sie eigentlich nicht wollte, noch einen Blick gen Meeresboden. Nicht sichtbar, die Tiefsee verschluckte den Grund mit Finsternis.
Bewegte sich dort unten etwas? Schälte sich aus der Tinten-Ebene hervor, selbst schwarz wie ein Rabe?
Mörderwal?, ging es Ringo durch den Kopf. Als wäre der Hai noch nicht schlimm genug. Der Raubfisch war inzwischen wieder auf ihrer Spur. Hatte er wohl den Samurai gefressen?
Ich sollte mir mehr Sorgen um mich selbst machen, dachte sie bei sich. Drehte sich um die eigene Achse, presste die Hände auf die Bohlen des Schiffes. Wirkte Holzweg, schuf Griffe zum Steigen und begann mit Klettern.

Oben ging der Trubel noch munter weiter.
Ulfbert winkte mit Schwert und Schild, als Tenzou an Deck zurückkehrte. Da ist er wieder! Der Samurai-Kerl ist von seinem Ausflug zurück!
Die verfluchte Wako-Nussschale geht unter, rief ein Matrose des Handelsschiffes. Seile kappen, sonst ziehts uns noch auf die Seite!
Die Wako begannen inzwischen, das Kämpfen einzustellen. Sie verfielen auf eine andere Taktik, und ergaben sich.
Einer der Piraten warf sein Wakizashi Tenzou vor die Füße. Ich ergebe mich!, rief er auf tian, Sperrt mich zu den Ziegen, näht mich in einen Sack und schichtet mich zum Reis, aber werft mich nicht über Bord!
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Hokusai Tatsuhi am Mi Feb 10, 2016 5:23 pm

Der Kampf zwischen Handelsschiff und Piraten war so gut wie zu Ende. Tenzou brauchte dafür kein erfahrenes Auge, um zu wissen das sie gewonnen hatten. Allein schon als er sah, dass das Schiff der Piraten zu sinken anfing. Ein Matrose verkündete diesen mehr als offensichtlichen Umstand noch einmal, wodurch der Samurai ein leises Schnauben hören ließ. Er trat ein paar Schritte zurück, grüßte Ulfbert nur mit einem knappen, aber deutlichen Kopfnicken und betrachtete das Bild welches sich ihm hier bot mit einem winzigen, sadistischen Lächeln. Der Kampf war für ihn gut verlaufen, auch wenn er ein paar Blessuren davon getragen hatte. Keine, die ihm etwas ausmachten.
In der Zeit, wo das Schiff sank, kamen die ersten Schiffsflüchtigen nach drüben gesprungen. Nicht nur Leute von ihrerseits. Ein Großteil war Piratenpack. Tenzou konnte nur erneut feststellen, dass er dieses Volk nicht ausstehen konnte. Am Anfang hatten sie sich wie die Aßfresser über das Handelsschiff hergemacht und jetzt, wo sich das Blatt wendete, schienen sie Fahnenflüchtig zu werden. Ihre Loyalität war so brüchig wie dünnes Eis. Die meisten Piraten, die sich ergaben, stießen jedoch auf etwas zahmere Männer oder Matrosen. Sie entwaffneten diejenigen und fesselten sie.
Auch vor Tenzous Füßen schlidderte ein Schwert, wodurch er seinen Blick nach unten richtete. Er hob einen Fuß und hielt die Klinge davon ab, weiter zu rutschen. Für Sekunden sah er wie sich seine Gestalt in der Klinge wiederspiegelte an dem etwas Blut zu kleben schien. Noch vor wenigen Minuten hatte er damit versucht einem unschuldigen die Kehle aufzuschlitzen und jetzt, wo sie verloren, ergab er sich. Es war für den Mann wohl Pech, dass er sich ausgerechnet einem Samurai gegenüber ergeben wollte. Einem Samurai der von Loyalität, Ehre und Gerechtigkeit sehr viel hielt. Wenn er diesen Mann festnahm, würde er womöglich irgendwann wieder freikommen nur um wieder zu morden oder zu rauben. Er bekam vielleicht nicht einmal eine Gerichtsverhandlung, weil er eine so mindere Gestalt darstelte. Tenzou trat wortlos auf ihn zu.
Dann griff er nach seinem Katana und zog die Klinge mit rascher, tödlicher Präzision direkt unterhalb des Halses des Gegners entlang. Die Klinge war scharf, so scharf das sie ohne Probleme Haut, Sehnen und Muskeln durchtrennen konnten. Nachdem der Samurai in der Bewegung wieder verharrte, ließ er seine Klinge langsam in seine Scheide zurück sinken. Mit dem Fuß trat er dem Piraten gegen den Brustkorb und beförderte ihn somit auf den Rücken. Blut trat aus einer Halswunde hervor - zuerst nur wenig aber dann wie ein heiß fließender Bach.
"Schmorr in der Hölle für deine Sünden. Du bist es nicht Wert nur ein Fünkchen Gnade walten zu lassen." Sein Blick richtete sich nach oben. Eine Ausstrahlung wie schwarzes Feuer, dass nicht mehr aufhörte zu brennen. Er sah zu den Piraten, die sich ergaben. Keiner davon kam mehr in seiner Richtung um sich zu ergeben.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Sarutobi Ringo am Sa Feb 13, 2016 10:49 am

Zumindest in ihrer Vorstellung hing Ringo der Tiefsee-Schatten im Nacken. Das Bild der schwarzen Masse, die sich aus dem Dunkel des Meeres stülpte, jagte sie förmlich die Planken des Schiffes hinauf. Schwimmen hatte ihr nie wirklich Angst gemacht. Doch nun breitete sich ein flaues Gefühl in ihren Innereien aus.
Ihre Hand erreichte die Kante der Reling, und sie zog sich triefend vor Salzwasser soweit hoch, dass sie gerade so auf Deck spähen konnte. Genau dann tat sies, als das Flehen eines Mannes nicht erhört wurde.
Die Kunoichi verspürte keine Kameradschaft mit dem Mann, aus dessen Hals es nun rot pumpte. Piraten waren nichts anderes als Banditen, und auch wenn manche Leute Shinobi als Strauchdiebe sahen, betrachteten sich die Shinobi aus Ihaigakure doch stets als Verteidiger des Reiches Minkai. Es war ihr Land, auch wenn es bevölkert war mit einer ganzen Kaste, die ihnen mit Misstrauen und Eisen begegnete.
Trotzdem verspürte Ringo Unwohlsein, bei dieser Exekution zuzuschauen. Und sie fragte sich, ob dieser Tian-Pirat einen leichten Tod erlitt. So sprach man doch, von leichten und schweren Toden und der sanften Art zu sterben und der Grausamkeit von lebendigem Verbrennen und so weiter. Einmal hatte Ringo einen Mann gesehen, der stramm auf zugespitzten Bambus gebunden war. Bambus wuchs täglich einige Handbreit.
Wie war es wohl, von einem Wal gefressen zu werden?
Dieser Gedanke war wie ein Piekser, ein Bambus-Piekser, in ihrem Hintern. Sie musste völlig aufs Schiff zurück! Und so ließ sie Ki fließen, gen Süden strömen und rief ihren Wasser-Oni um Hilfe. Ikon jubelte, was wie das Plätschern eines kleinen Garten-Wasserfalls klang. Nebeldieb. Sie schuf Dunst aus dem Wasser um sie herum. Ki-Kräfte waren an den Körper des Anwenders gebunden, doch sie reagierten auch auf die Umgebung. Für Ringo bedeutete dies: Je mehr Wasser, umso besser! Auch wenn Meerwasser voller Salz war, was wiederum der Erde zugerechnet werden konnte, und Erde war ein Feind - egal!
Eine Dunstwolke flackte über die Reling, zeitlich abgestimmt auf den Moment, da eine Welle auf das Schiff traf, und so wirkte es wohl wie eine Masse von Gischt und Wassertropfen, als Ringo im Schutz ihrer Wolke an Bord gelangte, geduckt an den Menschen vorbei rannte und unter Deck flüchtete.
Dort saßen die Passagiere, die nicht kämpfen konnten, im Dunkeln. Ringo spürte sie durch Lesen im Wellenspiel, sie spürte ihre Leben und schwach auch ihre Todesangst.
Es ist alles gut, sprach sie betont ruhig. Oben ist alles in Ordnung. Die negativen Gefühle um sie herum schwollen ein wenig ab. Gut. Sie trat ins Dunkel, verschmolz förmlich mit den Schatten und warf ihre nassen Kleider beiseite. Schlich heimlich zur Box ihrer Ziege und holte einen Ersatz-Kimono aus der Satteltasche.
Warum sie derartig pitschnass war, mochten sich die Leute wohl fragen. Doch sie würden nicht nachhaken. Sie waren allesamt artige Diener-Schäfchen.

Oben spuckte Ulfbert Wasser aus. Bwah! Blöder Brecher! Er meinte natürlich die Welle, die so hübsch schäumend über Deck gespritzt war. Was eigentlich keine Welle gewesen war. Seine Leute sowie einige Minkais hackten mit wildem Eifer auf die Seile ein, welche die Schiffe verbanden, und schnitten sich davon los. Durch das Händlerschiff lief ein geradezu erleichtert wirkendes Zittern, als es endlich frei kam und den Piratensegler im Kielwasser zurücklassen konnte.
Ulfbert trat an Tenzou heran. Guter Kampf! Lockert alles ein wenig auf. Harte Leute seid ihr hier, fast so hart wie wir. Er lachte laut und ungeachtet des Toten zu Tenzous Füßen.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Hokusai Tatsuhi am Do Mai 12, 2016 8:19 pm

Der Mann erlitt vermutlich ein schnellen Tod, der jedoch in den Sekunden in den er eintrat, keinesfalls angenehm war. Blut floß über das Deck hinweg und auf die Schuhe von Tenzou zu. Dieser trat ein paar Schritte nach hinten, verzog das Gesicht zu einer Grimasse und wirkte nicht minder weniger grimmig. Dann ging er ein paar Schritte zurück als ein Zittern durch das Schiff glitt, weil es frei geschnitten wurde. Ein winziges Lächeln trat auf seine Lippen und er wirkte zufrieden über den Ausgang des Kampfes. An seine Seite trat Ulfbert, der ein paar Wortfetzen sprach. Tenzou wandte sich dem Mann zu und nickte knapp.
"Sehr wohl. Ein guter Kampf. Es lohnt sich jedoch nicht diese Männer am Leben zu lassen", sagte er in der gebrochenen Fremdsprache, die sein gegenüber sprach. Sein Übersetzter war ja leider abhanden gekommen. Tenzou fragte sich, ob der Mann draufgegangen war und ließ seinen Blick umherwandern, um möglicherweise eine Leiche zu erblicken. Es war jedoch keine in der Nähe, die er hätte ansehen können.
"Sagt - habt ihr verluste zu begklagen?", erkundigte sich der Samurai dann. Nicht, weil er Mitgefühl besaß, sondern, weil es ihn interessierte, wie hart die Burschen wirklich waren. Solche Männer konnte man gut als Leibwächter gebrauchen oder als Kämpfer an einer Seite.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Sarutobi Ringo am Mo Mai 16, 2016 10:33 am

Ringo fuhr sich durch das triefendnasse Haar und schüttelte die Hände aus, warf die nassen Sachen über eine Wand der Viehbox und zog einen trockenen Kimono aus der Satteltasche über. Ihre Ziege schaute gleichmütig zu.
So, was jetzt? Zum Einen war Ringo stolz auf sich, zum Andern mächtig befangen von dem Tauchgang. Das Meer war furchteinflößend. Nicht nur mit seinen Bewohnern, sondern auch mit seiner Tiefe und Weite und lichtfressenden Schwärze. Sie dachte mit einem Frösteln an die Heldentat des Einen und Einzigen Shinobi, der vor Zeiten diese ganze spiegelglatte Fläche, die sie umgab, überquert hatte. Ohne Schiff.
Ich habe mir einen wunderbaren Helden zum Nacheifern ausgesucht. Ihre eigene Heldentat wollte sie an Land begehen. Auch wenn die Worte ihres Sensei ihr im Ohr klangen: "Der wahre Feind wird stets jenseits eines Meeres liegen."
Mumon glaubte nicht, dass die Provinzstreitigkeiten und Clan-Scharmützel die wahre Bewährungsprobe für die Shinobi sein würden. Für ihn war Tianjing die schwarze Wolkenfront am Horizont. Und Stürme bildeten sich nunmal stets auf dem Meer.
Ringo schnappte sich einen Strohhut, gab der Ziege einen Klapps und marschierte wieder nach oben.
Oben ist es frostig, wandte sie sich noch rasch an die Passagiere, welche den Überfall der Piraten im Laderaum ausgesessen hatten. Bleibt noch etwas hier.
Damit spielte sie auf Sakki an. Sakki bedeutete soviel wie Frost, gleichsam nannte man so aber auch die seichte Mordlust, die von Kriegern ausging, wenn sie in Kampflaune waren. In ernsthafter Laune. Diesen Frost konnte man spüren, wenn man bei Duellen auf Leben und Tod zusah, und so wußten selbst einfache Bauern, was mit Frost gemeint war.
In solchen Momenten gingen die meisten einfachen Leute der Kriegerkaste besser aus dem Weg.
Einige Passagiere, mit mehr Selbstvertrauen, kamen trotzdem mit nach oben an Deck.

Oben hatte sich der Isketanier zu seinem potenziellen Kunden gesellt. Auch wenn der kleine Übersetzer nicht zugegen war, wandte er sich dennoch an den einheimischen Schwertkämpfer und versuchte es mal mit bedächtig-langsamer Redeweise.
"Sehr wohl. Ein guter Kampf. Es lohnt sich jedoch nicht diese Männer am Leben zu lassen."
Ulfbert machte eine lässige Handbewegung in Richtung der Leiche. Um Hasenherzen lohnt es sich nicht einmal, darüber nachzudenken, was sie wert sind und was nicht.
"Sagt - habt ihr verluste zu beklagen?"
Ney. Ulfbert winkte ab. Gute Leute. Er grinste zahnlückig. Gute Waffen. Ein kleiner Fingerzeig, dass seine Schwerter ihren Preis absolut wert waren.

Derweil versank das Piratenschiff. Es war beeindruckend, wie lang sich ein effektiv zerstörtes Gefährt noch an der Oberfläche halten konnte. Einige Mitglieder der Piraten-Besatzung hielten sich auf den Trümmern trocken, solang es ging.
Der Wind drehte sich, kam nun von Norden.
Einige Seeleute schauten missmutig drein; nicht weil sie möglicherweise Mitleid mit ihren Zunftkameraden auf dem Piratensegler hatten. Nordwind war kein gutes Omen. Man sagte, mit dem Nordwind kamen die Haie.
Und da kam er schon!
Direkt neben dem sinkenden Schiff der Piraten wuchtete sich plötzlich eine Schwanzflosse aus den Wellen. So groß wie die eines Wals, aber senkrecht, nicht horizontal. Die Fluke glich einem Schwert mit breiter, sehr breiter Klinge.
Plötzlich wurde aus Missmut echte Besorgnis, gar Panik. Leute, die zuvor eisern ruhig geblieben waren, als Piraten das Deck gestürmt hatten, schrien nun auf.
"Ayakashi!"
"Isonade!"

Die Flosse klatschte gegen das Wrack, schwer wie ein riesiges, nasses Segel. Es war eine ruhige, fast zärtliche Bewegung; doch die Flosse glitt nicht einfach wieder ab, sondern hing fest! Zahlreiche kleine Haken und Dornen griffen ins Holz des Schiffs und zerrten mit dumpfem Reißen und Krachen daran herunter wie Sandpapier! Ein Pirat blieb ebenfalls daran hängen; es riss ihn unter Wasser.
Hoah! Ulfbert machte große Augen. Ja was! Gibt es Kraken hier?! Der Isketanier benutzte das minkaische Wort für einen stinknormalen Tintenfisch für "Kraken".
"Isonade!"
Ringo tauchte wieder bei ihren beiden Gesprächspartnern auf. Samurai-san, grüßte sie ihn und wollte sich gerade verbeugen, stutzte dann jedoch und starrte auf das Schauspiel des ungewöhnlichen Hai-Angriffs.
Isonade, eh? Was heißt Isonade oder Ayakashi?
Ayakashi? Meermonster. Isonade? Sand... Strand... Schläger. Strandbrecher oder -schläger.
Der Kapitän des handelsschiffs gab derweil Kommando, möglichst rasch gen Osten zu fahren. Obwohl sie noch ein Stück Fahrt hatten, welches am besten auf offener See geschafft wurde.
Wir sehen zu, dass wir in flacheres Wasser kommen!

-------

Out: Isonade findet sich noch nicht im Monster-Guide. Anbei ein Bild.

Spoiler:


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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

Beitrag von Hokusai Tatsuhi am Sa Mai 28, 2016 2:40 pm

Zu Tenzou gesellte sich der massige Isketanier, der den Kampf recht gut überstanden hatte. Er wirkte keinesfalls verstimmt von der Situation und beantwortete auch seine Frage über Verluste mit Lässigkeit. Offensichtlich kämpften die Männer gut. Der Samurai nickte etwas und wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Händler zu, der von seinen Waffen wieder sprach. Gerade als er den Mund aufmachte, um erneut ein Angebot zu unterbreiten, schrie irgendjemand in der direkten Umgebung auf. Der Samurai wandte seinen Kopf herum, seine Mimik zu einem grimmigen Gesichtszug verzogen. Was war nur heute los? Hatte er gerade wirklich Isonade gehört? In dem Augenblick traf das Schiff fast sanft eine Floße. Tenzou griff automatisch mit seiner Hand nach seinem Katanagriff.
"Kein Tintenfisch", sagte er ernst und ging ein paar Schritte zurück in die Mitte des Schiffes, um nicht in Reichweite der Floße zu sein. Dort angekommen rammte er sein Katana in die Planke und hielt sich daran fest. Falls das Schiff in die Seitenlage geriet, würde er somit hoffentlich nicht weg rutschen. Der Blondschopf tauchte wieder bei ihnen auf. Er musterte ihn kurz von oben bis unten.
"Ihr lebt noch", stellte er fest und das klang fast schon überrascht. "Ich dachte ihr wärt Tod. Immerhin wart ihr plötzlich weg." Nachdenklich wog er den Kopf zu Seite und blickte dann wieder auf den Mann zurück, der gerade über Bord gezogen wurden. Doch der Angriff des Seemonsters blieb nicht bei diesem einen Mal. Die Floße traf sie erneut und gab dem Schiff eine sanfte Schaukelbewegung. Tenzou verengte seine Augen und beobachtete, wie die Floße wieder über Deck gezogen wurde. Noch immer rauschte das Adrenalin in seinen Adern und er bekam das Gefühl nicht los, dass er diesem Fisch den Schwanz abhacken wollte. Als die Floße wieder versank, schnaubte er.
"Wie wärs, wenn wir ihm die Floße abhacken?", fragte er und wandte seinen Blick Ulfbert zu. Der Mann, der wohl am meisten Eier von allen besaß. Einen besseren Kämpfer hätte er sich n seiner Seite gerade nicht wünschen können. Wenn Ulfbert dabei wäre, wäre Tenzou der nächste, der sich seitlich an die Floß wenden würde, um sie mit seinen Katana präzise anzuhacken.
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Re: [Xidao-Meer] Die Gewässer von Xidao

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