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[Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

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[Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Alter Eremit am Fr Aug 14, 2015 1:28 pm

~ Das weitläufige Anwesen der Shuratoris, einer mächtigen Samurai-Familie in Kasai. Wie alle Behausungen der Adligen, so findet sich auch dieser Komplex aus mehreren Gebäuden und Gärten im Ring der Krieger. Mauern und Wasserläufe unterteilen das Anwesen und sorgen sowohl für Privatsphäre als auch eine gewisse Sicherheit. Hier leben nebst der Familienmitglieder selbst auch die Dienerschaft sowie natürlich die Mitglieder der Wachmannschaft.
Die Leibwache schiebt in dieser Nacht Sonderschichten, denn die Familie Shuratori empfängt Gäste. Die Feierlichkeit zu Ehren des erstgeborenen Sohnes findet überwiegend im Haupt-Garten statt. ~


------

Um eine gewisse Vorstellung von einem solchen Anwesen zu bekommen, bitte hier schauen:
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Haseiji Kaede am Fr Aug 14, 2015 2:13 pm

Vermutlich konnte man sich keinen erhabeneren Ort für eine Feier vorstellen. Eine weitläufige Palastanlage mit Gärten versehen, einem buntem Treiben und zahlreichen Gästen, welche gekommen waren. Selbstverständlich nur aus der oberen Schicht der Stadt und mit nichten einfacher Bauer, welcher die Ernte eintrieb oder dergleichen. Betont neutral ließ Kaede so seinen Blick durch die Räumlichkeiten schweifen und hielt sich in Anbetracht dessen mehr oder minder im Hintergrund. Noch nie hatte er es genossen, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen oder diese direkt für sich beanspruchen wollen. Er war lieber ein stiller Beobachter und Genießer – obgleich er das hier alles nicht als genießerisch zu bezeichnen vermochte. Zu eng war an manchen Stellen der Raum. Zu uninteressant manch anderes Gespräch – oder vielmehr viel zu klischeehaft. Warum er überhaupt hier war, war eine gute Frage, doch als junger Samurai geziemte es sich nicht wirklich eine solche Einladung auszuschlagen, wenn man jenem feierlichen Held dieser „Veranstaltungsgesellschaft“ auf offener Straße über den Weg gelaufen war. Vor allem nicht als Samurai, welcher seiner Familie Ehre machen sollte. Kaede war sich diesbezüglich bewusst, dass es mit Sicherheit größere Katastrophen gab, als eine solch ausgeschlagene Einladung, doch die seine eigene Erziehung und die Würde seiner Familie – sowohl lebende als auch verstorbene Mitglieder – hielten ihn davon ab. Ganz zu schweigen davon, dass er seinem Stiefvater noch nicht mehr „Schande“ bereiten wollte.
Offen trug der seine Waffen zur Schau, sodass alle um seine Berufung und seinen gesellschaftlichen Stand wussten. Was seine Erscheinung betraf, so war sie sauber und ordentlich. Nicht allzu feierlich. Letzteres eigentlich gar nicht. Kaede fragte sich flüchtig, ob man diese Bereiche wirklich so gut schützen konnte, wie es den Anschein machte. Sicherlich: Viele Ornamente und dergleichen sorgten für Privatssphäre, aber so manch eine Ecke war auch deshalb ein Schwachpunkt oder ein gutes Versteck. Mit Mühe unterdrückte er ein Seufzen. Sein Stiefvater würde ihn wieder belehren, dass ein stolzer Krieger sich immer dem Kampf stellte und nicht von hinten anschlich. Tja, wenn es nur so wäre. Kaede wusste, worauf sein Vater anspielte, aber bis heute bewunderte er jene Künstler im Schatten, welche dort lautlos ihr Werk taten. Hoffentlich wurde diese Feier kein Reinfall...
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Sarutobi Ringo am Fr Aug 14, 2015 2:58 pm

Lehrstunde war angesagt. Die Zeit brach an, das Gelernte einzusetzen und zu festigen, gleichsam Neues zu erfahren und den Kitzel der Gefahr zu spüren! Just in diesem Moment lernte Ringo, dass die Bewohner eines innerstädtischen Wasserlaufs keine Gegner waren im Vergleich zu den Schrecken eines lichtlosen Sees unter tausenden Tonnen von Stein. Kurzum: Koi-Karpfen waren echt pieselige Geschöpfe, die einer Kunoichi, die in den unterirdischen Gewässern des Kiyojin-Gebirges das Schwimmen gelernt hatte, nicht das Wasser reichen konnten.
Ringo nutzte ihr Suijutsu und durchtauchte den Kanal, ohne auch nur kleinste Wellenbewegungen zu erzeugen. Schade nur, dass sie keine Schilf-Schnorchel einsetzen konnte und so doch noch das eine oder andere Mal an die Oberfläche kommen musste, um Luft zu holen.
Immerhin war das Wasser nur mäßig kalt.
Sich am Klang der Musik orientierend, entschied sie sich schließlich für eine abgelegene Stelle und trieb zum Fuß der Mauer, sicherte einige Momente lang und klimmte schließlich aufwärts. Ihre Kleidung trug sie übrigens - und zwar in einem wasserdichten Sack, auf den Rücken geschnallt. So würde sie trocken sein, wenn sie erst einmal auf dem Gelände war. Entdeckte man sie genau jetzt, wäre es natürlich... nun ja. Was man genau sah, wäre dann ihr geringstes Problem.
Indem sie ihren Ki-Fluss einwärts fließen ließ, gen Mitte, wandte sie den Weg des Holzes an und trieb die Kraft im Inneren dazu an, ihren Körper anzuheben. So fiel das kurze Stück des Kletterns leichter und war auch ohne Hilfsmittel zu bewältigen. Ohne Schwierigkeiten erreichte sie die Mauerkrone, lugte in den Bereich dahinter und schliefte schließlich drüber weg. Plumpste auf der anderen Seite zu Boden, fiel wie eine Katze auf alle Viere und huschte in ein Gebüsch.
Dort zog sie sich erst einmal an. Ihre Tasche würde sie hier im Grün zurücklassen.

Infiltrierung: Erfolgreich! Das weckte den Unternehmergeist, nsbesondere nach dem kalten Bad im Kanal. Ringo zog den beigefarbenen Kimono an, wie ihn viele Diener dieses Haushaltes trugen, und band sich ein Kopftuch um, damit ihre Haarfarbe verschleiert wurde. Eigentlich galt ihr exotisches Aussehen ja als Trumpf, doch bei Operationen wie dieser hier war es eher hinderlich. Liefe sie mit ihren blonden Haaren umher, würde sich so mancher fragen, woher die Shuratoris so eine Dienerin holten.
Um die Verkleidung zu komplettieren, holte sie einige Packen von Asche aus ihrer Tasche. Schmierte sie sich ins Gesicht, auf die Hände, die Unterarme. Alles, um ihre bleiche Haut zu verbergen.
So trat sie in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit - ein kleiner Diener (denn man konnte sie durchaus für einen Jungen halten), über und über mit Asche verdreckt. Natürlich hatte auch der Kimono seine Ladung abgekriegt.
Derartig verdreckt starrten die wenigen Gäste, welche sie durch den Randbereich der Anlage tappern sahen, sie zwar einige Momente lang an, widmeten sich dann aber wieder schöneren Anblicken.
Eine Wache kam heran. Wie siehst du denn aus?
Wai hat den Ofen ausgekehrt, antwortete Ringo einsilbig, verneigte sich tief und trippelte hinfort, als wäre sie zu beschämt, um die Geschichte weiterzuerzählen.
Dann... dann geh wenigstens aus dem Fackellicht, Junge!, schnaubte der Ashigaru ihr noch nach, und folgsam duckte sie sich tiefer und verschwand im Schatten eines Nebengebäudes. Wasch dich! Erwische ich dich nochmal hier und finde nur einen einzigen Flecken Asche, prügele ich ihn dir vom Leibe!
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Haseiji Kaede am Fr Aug 14, 2015 3:35 pm

Kaede fuhr sich mit der Hand in den Nacken, als ihm ein aufmerksamer Diener einen Tee anbot, welche er mit einem schmalen und doch aufrichtigen Lächeln dankend annahm. Eine Tasse Tee war vielleicht nicht gerade das erfrischendste, aber er hatte die Erfahrung gemacht, dass sie eine gewisse innere Ruhe vermittelte. Was gab es schöneres, als an einem sonnigen oder auch regnerischen Tag mit einer kleinen Teeschale oder Teetasse unter einem Vordach zu sitzen und die Gedanken schweifen zu lassen? Was seinen Blick betraf, so schweifte er in diesem Moment an einer Situation vorbei, welche ihn die Stirn runzeln ließ:
Ein junger Diener stand vor einer Wache und wurde mehr oder weniger grundlos zusammengestaucht, dass er sich vermutlich bloß von der feinen Gesellschaft fernhalten sollte mit seinem dreckigen Antlitz. Natürlich. Was auch sonst? Kaede rümpfte die Nase und nahm einen Zug seines Tees. Es war selbstverständlich, dass die Bediensteten nicht in diesem Sinne Teil einer solchen Feier sein durften. Sicherleich gab es vieles, worauf sie sich eher konzentrieren mussten und ja, Kaede war vielleicht nicht so modern, dass er dies in Frage stellte. Dafür stellte er aber in Frage, ob man deshalb so mit ihnen umgehen und sie nur anschreien musste. Ob es ein Wiederholungstäter war konnte er nicht sagen, doch der Junge war in keinerlei Hinsicht negativ aufgefallen, sonst hätte es ein deutlich schlechtes Licht auf die Feier geworfen. Oder aber auf die anderen Personen in dieser Gesellschaft, die sich mit Sicherheit schon über einen in Vergangenheit "dümmlichen" Diener die Mäuler zerrissen hätten. Mit einem kleinen Schwenk im Handgelenk ließ Kaede den Tee fast überschwappen und legte den Kopf schief, als der Junge schließlich um die nächste Ecke verschwand. Die Wache schien sich nicht weiter darum zu kümmern und ihm selbst konnte es eigentlich auch egal sein, aber er fand diese Behandlung wie so oft einfach nicht richtig - und da er eh am Rande dieses ganzen Ereignisses stand und ihm niemand weitere Beachtung schenkte...
Einzig und allein ein paar Leute hatten ihm die standardmäßigen Fragen eines jungen Samurai gestellt, der durch die Welt reiste und aus der Hauptstadt stammte. Über das, was er erlebt hatte. Über Kämpfe, über die Schwertkunst. Geduldig und artig hatte Kaede sie beantwortet, aber sich schon lange zurückgezogen. Nun schritt er an einer der Mauern entlang in jene Richtung, in welche gerade der junge Bursche verschwunden war. Dort angekommen warf er einen Blick zurück - natürlich beobachtete sie niemand. Die Teetasse immer noch locker in der Hand, wandte er sich schließlich wieder um. "Nun, ein Bad könnte dir vermutlich wirklich nicht schaden, oder?" Kaede gönnte sich ein kleines Lächeln, welches seine Augen allerdings nicht erreichte. Er stellte seine Gefühle oder seine Gedanken nicht gerne der Welt zur Schau. "Darf ich raten, dass du mit diesem Ofen nicht nur eine kehrseitige Bekanntschaft gemacht hast?"
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Sarutobi Ringo am Fr Aug 14, 2015 4:11 pm

Gern hätte Ringo ja behauptet, es würde "alles nach Plan laufen" oder "alle Puzzleteile rutschen an die richtige Stelle, ganz wie ich es mir vorstellte". Doch eigentlich war die abendliche Entwicklung pures Glück. Der Zusammenschiss durch die Wache hatte nicht auf ihrer Liste gestanden. Ebenso wenig, dass ihre Zielperson es mitbekam und mit dem ihr eigenen Mitgefühl reagierte. Dass der junge Haseiji recht gut mit der Dienerschaft konnte, mauschelte man in seinem eigenen Heim oft genug; dies wußte Ringo längst, und so überraschte es sie nicht ganz sooo sehr, ausgerechnet ihn plötzlich hinter sich auftauchen zu sehen. Doch darauf gesetzt... hätte sie nicht.
Ursprünglich war vorgesehen, das Objekt Kaede in seiner natürlichen Umgebung zu beobachten. Mit welchen Leuten er sich unterhielt, mit wem sich diese wiederum unterhielten, im besten Fall noch das Worüber klären... Ringo hatte vorgehabt, die ganze Nacht um den Jungen herumzuspuken und soviele Dinge aus erster Hand mitzubekommen wie möglich.
Warum? Haseiji Kaede besaß, sofern Ringo ihren Chunin Kiobashi Mumon fragte, Potenzial. Potenzial, einmal zu einer spannenden Figur zu werden. Es wäre gut, ihn schon jetzt zu observieren, zu beschatten, auszuhorchen... Dass Mumon dies möglicherweise auch nur gesagt hatte, um Motivation bei seinem Schützling zu wecken, zog Ringo nicht in Betracht. Manchmal waren die Lehren der Shinobi in fieser Weise verpackt, doch sie hatte es bislang nie bereut, zu tun, was man von ihr verlangte. Somit war sie auf Befehlsausführung konditioniert, höchst motiviert und äußerst eigenständig aufgelegt. Welch eine erfolgsversprechende Mischung!
Und nun stand Objekt Kaede ihr also direkt gegenüber.
Ringo verneigte sich tief, wie es standesgemäß war, und behielt den Kopf unten. Nein, Herr, ein Bad würde nicht schaden, entgegnete sie artig.
"Darf ich raten, dass du mit diesem Ofen nicht nur eine kehrseitige Bekanntschaft gemacht hast?"
Ringo schielte ein wenig aufwärts, um Kaedes Gesicht sehen zu können. Ein Lächeln, ein Schmales. Doch immerhin mehr, als ein Diener meist bekam. Und die Art, wie er sie ansprach, deutete doch glatt Interesse an.
Chance, ging es ihr durch den Kopf. Nein, Herr, nicht nur kehrseitig, murmelte sie zur Antwort. Sie klang vorsichtig, als wähle sie jedes Wort mit Bedacht und prüfte es vor dem Aussprechen, ob es irgendetwas enthalten mochte, was Ärger einbringen konnte. Ich bin hineingefallen. Sie hob den Kopf noch ein klein wenig höher, den Blick auf die Teetasse in der Hand des jungen Samurai richtend. Genießt Ihr den Abend, Herr? Soll ich Euch noch Tee bringen, Herr?
Dabei glitt ihr Blick ein Stück zur Seite, als hätte sich dort irgendwas... bewegt. Hatte es? Nein, doch aus dem Augenwinkel heraus fielen ihr plötzlich feinste Kratzspuren am Putz des Gebäudes auf, in dessen Schatten sie beide standen.
Kletterspuren?, dachte sie bei sich. Von Shuko? Damit meinte sie die klassischen Kletterhilfen der Shinobi, welche im Grunde nur Lederbänder waren, die man mit Eisennägeln versah und um die Hände wickelte.
Im letzten Moment kam ihr der Geistesblitz. Es durchzuckte sie förmlich. Darf!, platzte es geradezu aus ihr heraus, und sie vergaß, die Stimme ordentlich anzupassen oder den Blick zu senken: Ich meinte, darf ich Euch noch Tee bringen! Herr!
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Haseiji Kaede am Fr Aug 14, 2015 5:34 pm

Kaede nippte nochmals an einer Teetasse, welche er immer noch in seinen Händen hielt. Man könnte meinen, ihm wäre kalt, da er sie so umschlang, doch dabei mochte der junge Mann einfach nur die leicht raue Oberfläche des Gefäßes, über welches er seine Finger ab und an gleiten ließ. Wie der Tee selbst, beruhigte ihn das. Obgleich er selbst mit Berührungen und dergleichen nicht so gut klar kam. Nun, das könnte an so manchem liegen. Was den Diener vor sich betraf, so verneigte er sich tief wie es seinem Stand entsprach und behielt den Kopf unten, während er Kaedes ungestellte Fragen offenbar zu beantworten gedachte. Fast musste sich der Samurai ein kleines Lachen verkneifen, das vermutlich nicht ganz angebracht bezogen auf die Umstände war. Er konnte sich schon vorstellen, was man mit einem Diener von recht kleinem Wuchs so alles machte, wenn es darum ging, den Kamin zu kehren. Letzteres lag nicht nur daran, dass er eine lebhafte Vorstellung diesbezüglich hatte, sondern vielmehr auch daran, dass er selbst mit seinen 1,60 Metern kein Schrank von einem Mann war, wie so viele immer gern hinter vorgehaltener Hand sagten.
Schließlich schien er sich jedoch an den Grund seiner Anwesenheit zu erinnern und besann sich Kaede nach einer weiteren Tasse Tee zu fragen und ob er den Abend genoss. Merklich glitten die zuvor angehobenen Mundwinkel wieder nach unten, denn genießen konnte Kaede es nicht wirklich nennen. Es war ein Pflichtgefühl sich hier sehen zu lassen, mehr nicht – aber das konnte er schlecht der Dienerschaft sagen, nicht wahr? Ein wenig skeptisch wurde er, als die Person vor ihm sich mit bedeutend hellerer Stimme korrigierte und fragte, ob sie ihm einen neuen Tee bringen dürfe. Kaede zog fragend eine Augenbraue nach oben, als der Junge ihn dann auch noch ansah. Nein, das entsprach wahrlich nicht der Etikette und eigentlich hätte er nun einen guten Grund gehabt, ihn zurecht zu weisen. Weiterführend gab es schließlich auch noch zwei andere Möglichkeiten: Entweder der Junge hatte eine große Angst vor ihm und seine Stimme war deshalb in die Höhe geschnellt, oder... “Du musst nicht so schreien, ich verstehe dich wirklich ganz gut...“, entgegnete der Braunhaarige zunächst und trank schließlich den letzten Schluck seines Tees. Ihm war ihr seitlicher Blick aufgefallen, der folglich ebensowenig gesenkt war wie der jetzige. Fast beiläufig tat er es ihr gleich und wäre einer der Spuren nicht offensichtlicher gewesen, als die andere, hätte er sie als Nicht-Heimischer vermutlich glatt übersehen. “Du darfst mir einen Tee bringen.“ Kaede bedankte sich nicht, denn immerhin war es die Aufgabe des Dieners dies zu tun. Dafür war er hier vor Ort und deshalb mussten sie alle wie flinke Wiesel durch die Bediensteten rennen und hier und da Wünsche von den Augen ablesen, während sie noch unsichtbar blieben. Unsichtbar. Kaede blickte über die Schulter zurück auf die feierliche Gesellschaft und kräuselte die Augenbrauen. “Bevor du gehst: Wie viele sind hier heute eigentlich beschäftigt, Junge?“
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Sarutobi Ringo am Sa Aug 15, 2015 12:41 pm

Hatte sie wirklich geschrien? Hatte sie ihn dabei auch noch direkt angeblickt? Der Gedanke durchzuckte sie mit einem Prickeln, als wäre Ringo barfuß in eine Distel getreten. Der Blick raste förmlich wieder abwärts, und eine Stimme im Kopf zischte: Versaus nicht, Mensch...! Es war ihre Eigene.
“Du darfst mir einen Tee bringen.“
Nein, der junge Samurai bedankte sich nicht. Ringo wars, die Danke, Herr murmelte und sich schon in Bewegung setzte, auf Kaede zu und die Hände nach der Tasse ausstreckend.
“Bevor du gehst: Wie viele sind hier heute eigentlich beschäftigt, Junge?“
Ringo verhielt im Schritt. Verzeiht, das weiß ich nicht, entgegnete sie ohne Zögern. Die Feier ist ein ziemliches Ereignis, daher wurden noch zusätzliche Diener von den anderen Anwesen ausgeliehen. Und dies stimmte sogar. Damit nahm sie Kaede die Teetasse ab. Ich darf doch, Herr. Danke, Herr.
Rasch wuselte Ringo ums Eck, überblickte die Lage mit geübtem Blick, erfasste ihr Ziel und steuerte auf einen älteren Diener zu, der mit einer Teekanne umherlief. Dieser betrachtete Ringo zutiefst erschüttert, hielt sie jedoch gleichfalls für einen Teil der Kinderschar, die überall herumliefen und die Gäste bedienten.
Du solltest dich waschen, Kind. Hat Toki wieder versucht, mit den Dritten Ofen zu backen?
Ringo kniff die Lippen zu schmalen Strichen zusammen, hob die schmalen Schultern.
Oh, natürlich sollst du nicht drüber reden, jaja. Der Diener winkte leichthin ab, goss die Tasse voll und ließ die Kunoichi/den Dienerjungen wieder abtauchen.

In der Zwischenzeit mochte Kaede etwas hören, wenn er sich anstrengte: Irgendwo wurden Dachziegel sanft verschoben und verursachten dabei ein Scharren auf ihren Nachbarn.
Ein Shinobi kroch aus dem Dach jenes Gebäudes, in dessen Schatten Kaede sich aufhielt, und verschwand von dort, indem er einen weiten, k-unterstützten Sprung aufs nächste Dach tat. Dank des Zum Himmel strebenden Baumes landete er dort sogar lautlos und tauchte hinter dem Dachfirst ab.
Nur kurz darauf erschien Ringo wieder, den Kopf artig gesenkt und offenbar vollauf konzentriert, den Tee nicht zu verschütten. Tee, Herr, stellte sie fest und überreichte das Gewünschte. Dann faltete sie die Hände hinter dem Rücken.
Uuund... jetzt?
Bewunderung vorspielen vielleicht. Interesse zeigen. Ringo ließ ihren Blick folglich über die Bewaffnung des jungen Samurai gleiten, dabei ganz offen Neugierde signalisierend - und welcher Dienerjunge bekäme nicht sehnsüchtig glänzende Augen angesichts von hübschen Schwertern, die noch dazu von jemandem getragen wurden, der kaum älter sein mochte als er selbst? So machte Ringo fast schon Stielaugen, während sie ansonsten darauf wartete, ob sie noch mehr tun durfte. Dürfen, nicht müssen. Dran denken... Dürfen, nicht müssen...
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Haseiji Kaede am Mi Aug 19, 2015 8:20 pm

Natürlich. Es wurden immer Diener aus einem anderen Anwesen ausgeliehen, obgleich es niemand offen aussprechen wollte. Man sollte sich ja eigentlich genug Diener leisten können, wenn man eine solche Feier organisierte. Kaede selbst interessierte sich recht wenig dafür, aber die Kratzspuren an den Wänden machten ihn ein wenig stutzig. Er verstand nicht viel von dem baulichen Handwerk, aber fand er nicht, dass die Spuren verdächtig alt aussahen. Eher im Gegenteil: Als ob sie erst vor Kurzem dort angebracht worden waren. Ob es nun eine einfache Dienerschaft war, welche ein Tablett hatte fallen lassen, sei einmal dahingestellt. Nachdenklich verschränkte er abermals die Arme vor der Brust und legte den Kopf schief, nachdem der Junge ihm die Tasse abgenommen hatte. Sich davon machte. Unter Umständen war er selbst übervorsichtig – wer ihn ein wenig kannte, wusste, dass er oft als Feigling bezeichnet wurde. Und das nur, weil er lieber die natürliche Begebung einbezog in einen Kampf und nicht direkt vorauseilte. Sicher, er tötete niemanden aus dem Hinterhalt, aber er wusste, wann er sich zu einem Kampf stellen konnte und wann nicht. Oder vielmehr ahnte er es.
Ein schiefes Geräusch ließ ihn in seinen nostalgischen und unnachgiebigen Gedanken inne halten. Es war nicht viel gewesen, hörte sich jedoch nach Schiefer und Kacheln an. Folglich müsste es von über ihm kommen. Vom Dach? Nun, von der Mauer mit Sicherheit nicht. Kaede legte instinktiv die Hand an den Griff seiner Waffe, welcher er im Notfall schnell hervorziehen und den Kampf eröffnen könnte. Ja, Übervorsicht war ein gutes Stichpunkt. Und dennoch kam nach diesem Geräusch nichts weiter. Einen Schatten konnte er von seinem Standpunkt aus schlecht sehen – aber vielleicht... Der Dunkelhaarige blickte dem Jungen entgegen, welcher gerade wieder kam. Er hatte eine kurze Zeit lang selbst zum Sprung aufs Dach ansetzen wollen, aber da sie nur leicht abseits standen und man nie wusste, welches Augenpaar gerade auf einem lag... “Danke...“, murmelte er fast abwesend. Vermutlich entsprach es nicht dem allerüblichsten, wenn ein Samurai einen Dank an einen Diener aussprach, aber Kaede war gerade mit anderen Dingen beschäftigt. “Ist dir auf dem Weg hierher irgendetwas aufgefallen, Junge? Vielleicht irgendetwas, welches einer Klinge würdig wäre, die du gerade in Augenschein nimmst?“ Seine Stimme war nicht unfreundlich, hatte er doch den bewundernden Blick bemerkt und kannte diesen von sich selbst nur allzu gut; nur... wenn hier wirklich etwas im Busch war, dann wollte er nicht langeum en heißen Brei herumreden. [color=royalblue]"Mir kam gerade ein recht klägliches Geräusch in den Sinn - der Ursprung lag auf dem Dach. Na, haben deine Augen was gesehen oder schwelgst du in Unwissenheit?"
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Sarutobi Ringo am Fr Aug 21, 2015 4:59 pm

Das "Danke" rief in der Tat ein klein wenig Verwunderung hervor; Ringo hob neugierig eine ihrer feinen, verrußten Augenbrauen und wagte es, den Körper des jungen Mannes näher zu betrachten. Ihn so anzuschauen, wie man es bei einem Gegner zu tun pflegte. Sie erblickte eine Art katzenhafter Anspannung, welche sie sogleich erkannte: So sah jemand aus, der jeden Augenblick vorwärts schießen konnte. Dabei in einem glänzenden Halbmond blankziehend...
“Ist dir auf dem Weg hierher irgendetwas aufgefallen, Junge? Vielleicht irgendetwas, welches einer Klinge würdig wäre, die du gerade in Augenschein nimmst?“
Ringos Antlitz starrte noch immer vor Asche und Dreck, doch ihre Gesichtsmimik strahlte und schimmerte förmlich vor sauberer Unschuld. Verzeihung, Herr, murmelte sie die formelhafte Antwort, mischte noch einen ertappten Ausdruck hinzu, wie man sie bei Jungen sah, die dabei erwischt worden waren, ins Frauenbad gelinst zu haben. Zu der gelinden Überraschung der Kunoichi prahlte der junge Samurai nun jedoch nicht mit seinem Schwerterpaar, sondern blieb beim Thema.
"Mir kam gerade ein recht klägliches Geräusch in den Sinn - der Ursprung lag auf dem Dach. Na, haben deine Augen was gesehen oder schwelgst du in Unwissenheit?"
Schwelgen, Herr?, tat Ringo, als wäre dieses Wort zu hoch für ihren Wortschatz. Hab auf Euren Tee geachtet, Herr. Damit ich nicht pempel damit. Bin heute ein wenig ungeschickt, Herr, verzeiht, Herr.
Und während dieser ganzen Kette von wenig sagenden Unterwürfigkeiten rasten ihre Gedanken. Hat er etwa wirklich was gesehen? Die Kletterspuren am Haus. Noch mehr Shinobi am Platze? Wenn sies so bedachte, wars nicht unmöglich. Sie war schließlich nur eine einfache Genin, welche keinerlei tiefere Einsicht in Chunin-Geschäfte erhielt. Was wäre nur, wenn? Was wäre nur, wenn? Wars schlecht? Wars gut? Es würde ihre eigene Arbeit stören, so lautete ihr Rückschluss. Mindestens, wenn sie nicht in Erfahrung bringen konnte, was gespielt wurde.
Dann ist der Fall klar.
Ringo tat, als müsse sie als kleiner Dienerjunge zunächst gewaltig viel Mut ansammeln, ehe sie Kaede wieder anblickte. Dabei zeigte sie sehr offen ihre blauen Augen, doch es half halt nichts - und wie man an Kaede selbst sehen konnte, war dieses Merkmal allein in dieser abendlichen Gesellschaft keine absolute Ausnahme. Nachschauen, Herr?, flüsterte sie nun und gab ihrer Stimme einen aufgeregten Unterton. Als könne sie sich nichts Spannenderes vorstellen als zusehen zu dürfen, während Kaede einem stümperhaften Einbrecher seine Klingen zeigte. Wir gehen und sehen uns das Dach an, wenn Ihr möchtet.
Ringo spielte auf Risiko. Sie wußte nicht, was für ein Gebäude dies war - letztlich aber würde niemand etwas dagegen haben, wenn Kaede hinein wollte.
Es handelte sich übrigens um eins der Wohnhäuser des Gesindes - und auf dem Dachboden stand ein kleines Fässchen voller explosiver Chemikalien. Nicht zu vergessen die Lunte, welche zur Wand und dort durch ein frisch gebohrtes Loch nach draußen verlief. Die pechgetränkte Schnur lugte nur wenige Handbreit nach draußen, sodass es kaum auffiel. Mit einem "Blick aus Flint" konnte man solche Lunten jedoch leicht anzünden...

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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Haseiji Kaede am Fr Aug 28, 2015 10:10 am

Nachdem Kaede in seinen Gedanken verhangen war, hatte er wohl selbst sein eigenes Wort nur am Rande wahrgenommen – wenn überhaupt. Folglich hatte er sich also nicht Ringo zugewandt oder den musternden Blick bemerkt. Zu sehr war er damit beschäftigt, über das Gesehene nachzudenken und derm Jungen schließlich eine Antwort zu entlocken, weshalb er sich immerhin an ihn gewandt hatte. Was dabei jedoch herauskam, bescherte dem getreuen Bediensteten des Anwesens ein deutliches Stirnrunzeln seitens Kaede. Schwelgen, Herr? Nun, man konnte nicht erwarten, dass einfache Leute jedes vielleicht etwas gehobenere Wort kannten, aber so schwer war das auch nicht. Andererseits hatte ein jeder schon ganz andere Begebenheiten mit dem Personal erlebt und er selbst war dabei keine Ausnahme. Immerhin schien der Junge ihn zu verstehen und zumindest in der Hinsicht nicht schwer von Begriff zu sein, da er daraufhin bereitwillig antwortete.
Das wiederum bescherte ihm nun ein Seufzen. Bin heute ein wenig ungeschickt, Herr, verzeiht, Herr.. Also auch hier keine Hilfe zu erwarten. Natürlich hatte sein Gegenüber nur auf den Tee geachtet, wenn er schon zuvor gescholten wurde. Es war eigentlich nur verständlich – und dennoch ärgerlich. Nur konnte man daran eben nichts ändern. “Es ist in Ordnung, Junge... Es ist schon richtig, dass du auf deine Arbeit achtest.“ War ein wenig Sarkasmus zu erkennen? Wenn man genau hinhörte, so war die Antwort „Ja“. Dabei meinte Kaede es nicht einmal böse, er empfand diese ganze Sache nur als ziemlich... un-hilfreich.
Immerhin hatte er jedoch seine Unternehmungslust oder Neugierde geweckt. Ja, immerhin etwas. Obgleich es fraglich war, inwieweit es nun nützlich wäre, den Jungen da mit hinein zu ziehen. Sicherlich hatte er anderes zu tun – wobei das andere aber auch wieder auf Schelten und diverser solcher Unannehmlichkeiten zurückgeführt werden konnte. Alleine die Idee dieses „Detektivspieles“ - was es wohl für ein Kind wäre -, schien den Jungen nun regelrecht zu begeistern. Kaede fielen die blauen Augen auf und machte für sich am Rande eine Notiz. Hätte er selbst keine gehabt, wäre er unter Umständen skeptischer gewesen. Jaja, die Launen der Natur. “Ich habe Bedingungen, Bursche: Erstens, falls wir etwas finden sollten, verhälst du dich ruhig. Und mit Ruhig meine ich, dass du nicht in Panik gerätst oder losschreist oder wegrennst. Damit wären wir auch schon bei Zweitens: Du bleibst hinter mir und weichst nicht von meiner Seite. Drittens: Keine eigenen Aktionen. Viertens: Du darfst mich führen.“ Kaede hatte die „Bedingungen“ an der Hand mit je einem Finger abgezählt, sodass er dem Bediensteten diese nun direkt vors Gesicht halten konnte. Widerrede zwecklos. Entweder er entschied sich dafür, ihm Folge zu leisten oder er leistete sich nun wiederum einen Abgang, wie man sie bei frechen Dienern ab und an sah – wobei... Kaede glaubte nicht, dass dieser Dienstherr hier sonderlich... nunja... einfühlsam mit Fehlern umging. Nachdem er seine Punkte verdeutlicht hatte, legte Kaede eine Hand an sein Heft und gab dem Jungen ein Zeichen. Sie würden mit Sicherheit etwas finden – das sagte ihm eine leise Vorahnung. Es wäre so typisch zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Und an diesem Ort hier wären so viele Würdenträger versammelt. Man konnte ordentlich „Radau“ machen.
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Sarutobi Ringo am Fr Aug 28, 2015 6:38 pm

Ein klein wenig grantelig klang er, der junge Herr. Ringo legte den Kopf ein wenig schief, als wäre sie sich nicht sicher, ob man ihr gerade einen Rüffel oder ein Lob gegeben hatte. Dabei rutschte offenbar ein Gedanke etwas lose, hüppelte durch ihren Geist: Sarkasmus... süß. Der Gedanke hielt sich nicht lang. Glücklicherweise. Er verbuddelte sich selbst wieder, wie eine Krabbe im Schlick. Denn die als Diener getarnte Kunoichi hatte nun anderes zu tun. Sie spielte eifrig die Rolle eines unbedarften und zugleich abenteuersüchtigen Jungen, der es wohl schon aufregend empfand, in der Nähe eines Samurai zu sein. Als Kaede seine Bedingungen nannte und die Hand hob, spannte sie sich durch wie eine Bogensehne.
“Ich habe Bedingungen, Bursche: Erstens, falls wir etwas finden sollten, verhälst du dich ruhig. Und mit Ruhig meine ich, dass du nicht in Panik gerätst oder losschreist oder wegrennst."
Ein Finger hob sich. Ringos Blick nagelte sich an dem Finger fest und blieb sogar daran fest, als sie entschieden und bedächtig nickte. Ja, Herr.
"Damit wären wir auch schon bei Zweitens: Du bleibst hinter mir und weichst nicht von meiner Seite."
Ja, Herr. Erneutes Nicken. Der bohrende Blick glitt auf den zweiten Finger herüber.
"Drittens: Keine eigenen Aktionen."
Niemals, Herr. Ringo starrte hypnotisch auf die feinen Rillen im dritten Finger.
"Viertens: Du darfst mich führen.“
Der vierte Finger wurde angestarrt. Ringo schwieg einen Moment lang, presste die Lippen aufeinander. Verfolgte, wie die Hand sich auf das Heft des Schwertes senkte, und wagte den Blick aufwärts. Von hinten, Herr?, fragte sie, so arglos und höflich, wies ging. In ihren Augen leuchtete förmlich der Schalk - und das Wissen, dass dies Dünnes Eis war. Sie zog sogar den Kopf ein wenig ein, als fürchte sie einen Nackenschlag. Nur ganz fein zeigten sich ihre Zähne, ließ sich das Grinsen sehen.
Auf einen Versuch lasse ichs ankommen.
Der junge Haseiji besaß den Ruf eines ungemein freundlichen Gemüts; wäre dieses Wissen nicht in Ringos Besitz gewesen, hätte die Kunoichi es nie gewagt, bereits beim ersten Kontakt einen solchen Schritt auf ihn zu zu machen.
Rasch senkte sie unter vorgetäuschter Schüchternheit den Blick, als hätte der eigene Mut den Diener-Jungen erschrocken. Ja, Herr. Gehen wir, Herr. Dort ums Eck. Den Eingang finden wir auf der anderen Seite des Hauses.

Die Tür war auf. Natürlich, was auch sonst. Einige Gäste bekamen mit, wie Kaede und der verrußte Junge zusammen umhergingen, was auch sonst. Ungewöhnlich war beides nicht. Das Haus beherbergte Diener und war deswegen nicht verschlossen; was mochte das Gesinde auch besitzen, das sich zu stehlen lohnte. Und was Ringo anging, so war sie im Schatten des Samurai geradezu unsichtbar. Jeder, der das ungleiche Paar sah, musste vermuten, dass Kaede einen der umherwieselnden Diener angesprochen und einen Befehl ereilt hatte, ihm zu folgen. Daher sprach sie auch niemand anders an; es gehörte sich nicht, den Diener auszuleihen, der schon von jemand anders beansprucht wurde.
Ringo glitt aus dem Windschatten des jungen Mannes an dessen Seite, als sie vor der Tür standen. Sie öffnete die Tür, hielt sie dem Samurai auf und folgte dann wieder hinterdrein. Kurz wurde es duster.
Licht, wisperte Ringo, holte ihren eisernen Ring aus einer verborgenen Tasche ihres Kimono. Der Feuer-Oni darin reagierte, gebrauchte den Weg des Feuers - genauer, Drachenauge - und ließ den Ring in sanftem, gelbem Kerzenlicht aufglühen.
Ringo hielt den schmucklosen kleinen Reif wie ein Kleinod. Als wäre es etwas unglaublich Wertvolles.
Ein Leuchtring, Herr, hauchte sie ehrfürchtig und rieb den Ring zwischen den Fingern. Wir dürfen sie tragen, wenn wir den Ofen sauber machen müssen.
Ob dies stimmte, wußte Ringo nicht. Natürlich würde Kaede sofort "Drachenauge" erkennen, die Fertigkeit eines jeden Feuer-Oni. Vielleicht wunderte es ihn auch, dass ein solches Wesen im Besitz eines Dienerjungen war. Andererseits... wars wohl nicht zu sehr aus der Luft gegriffen, wenn es sich um einen schwachen Oni handelte.
Im Raum gab es mehrere Bettlager aus Stroh sowie jeweils eine Kiste pro Bewohner.
Ringo deutete auf eine Leiter am anderen Ende des Raumes. Dort geht es hinauf, sprach Ringo das offensichtliche aus, Herr.

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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Haseiji Kaede am Di Sep 01, 2015 1:36 pm

“Ja, Herr““Ja, Herr““Niemals, Herr“. Es waren einsilbige Antworten mit einer Höflichkeitsanekdote, welche vermittelte, dass der Aussprechende dem Angesprochenen Dienerschaft und Gehorsam schuldete. So einfach war das immer und immer wieder aufs neue gab es etwas daran, das Kaede ein wenig abschreckte. Der blinde Gehorsam – in ausufernden Fällen auch über Leichen hinweg -, hatte etwas dunkles an sich. Menschen, welche nicht für sich selbst denken konnten (oder es nicht durften), waren am gefährlichsten. Schon oft hatte der Braunhaarige sich daher gefragt, wie lange so etwas wirklich gut gehen würde und wie lange man(n) Herablassungen wie das tägliche Leben noch ertrug. Eine wirklich gute Frage, eigentlich. Allerdings besaß sie wenig Wert in einer Situation wie diesen, in welcher eine Bedrohung sie unter Umständen alle gefährdete. Folglich hätte der Junge wahrlich einen besseren Zeitpunkt wählen können, um seinen Humor spielen zu lassen. Ja, unter Umständen hätte Kaede sogar gelacht, wären sie hier nicht gerade vielleicht dabei, hier etwas aufzudecken. Nun entlockte es ihm jedoch nur einen leicht zuckenden Mundwinkel und ein für seine sonst hellere Stimme, doch recht tiefes Brummen. Ob es nun letzteres war oder die eigene Realisierung, welche den Jungen nun den Blick senken ließ, sei dahingestellt. “Na dann los, Junge.“
Insgeheim musste er sich doch ein Lächeln verkneifen.

Ein paar Blicke lagen auf ihnen, als er über das Gelände hin zu seinem Ziel geführt wurde, doch Kaede nahm es kaum wahr. In seinem Kopf machten sich nämlich Szenarion über mögliche Überfälle breit, welche sich hier ereignen könnten. Ein einfacher Raub oder gar ein Mordkomplott auf eine hier anewesende Person? Oder gar ein ganzes Massaker? Gut, letzteres fand er aktuell zu weit gegriffen, denn es wäre mit Sicherheit sehr gewagt. Andererseits: Wie viele Männer könnte er ausschalten? Alleine? Sein Blick glitt über die Schulter kurz auf den Jungen, welcher ihn begleitete. Große oder kleine Hilfe? Vermutlich würde er ihn eher wegschicken, anstatt ihn im Kampf auszunutzen. So war das nun einmal mit der Ehre und der Verteidigung der Schwachen. Ohne sie wäre alles wahrscheinlich leichter – aber eben auch düsterer.
Apropos duster: Das war der richtige Eindruck, als sie in die Behausung schritten. Kaede war natürlich nicht verwundert gewesen, dass kein Schloss vorzufinden war. Letzteres war in den Unterkünften der Dienerschaft selten der Fall. Seine eigene Familie hatte es ebenfalls dergleichen praktiziert, obgleich eben jene Unterkünfte vielleicht mit einem weicheren Kissen an der Schlafstatt ausgestattet waren.
Es tat Kaedes Augen gut, als endlich wortwörtlich Licht ins Dunkel kam und der Raum erhellt wurde. An eine Quelle war schnell gedacht, wenn man sich nur zu dem Diener umdrehte, welcher ein allzu offensichtliches Werkzeug in den Händen hielt. Die Augenbrauen des jungen Samurai kräuselten sich, seine Miene wurde kurz hart – er mochte keine Oni. Allesamt nicht. Er hielt sie für schreckliche Kreaturen, welche anderen nur Leid zufügen wollten. Kreaturen, welche nur Tod und Blut und Gewalt kannten und mit welchen man sich nicht einlassen sollte. Kreaturen, welche keine Bemühungen um sie wert waren, sollte man sie doch lieber vernichten. Doch all das sagte er natürlich nicht, sondern nahm es wie so oft stoisch hin und nickte scheinbar für sich selbst. “Gewiss doch.“ Eine Kerze hätte es vielleicht auch getan, aber die wollte man unter Umständen nicht für so etwas verschwenden. Oni waren da die zweifelsohne billigere Methode. Kaede nickte dem Jungen zu und schritt zur Leiter hinüber. Federleicht setze er seinen Fuß daraufhin an die erste Sprosse, konzentrierte sich auf den leichtfüßigen Mittelpunkt seines Körpers in Mitten des Ki. “So leise, wie du kannst, verstanden?“, flüsterte er und machte sich daran, die Leiter zu erklimmen. Ob ihn oben jemand erwartete? Alles war möglich.
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Sarutobi Ringo am Do Sep 03, 2015 10:56 am

Man musste schon sehr genau hinschauen und -hören, um eine deutbare Reaktion wahrnehmen zu können. Ringo besaß diese Fähigkeiten, wenn sie auch noch wenig geschliffen waren. Der Junge, den sie verkörperte, besaß diese Eigneschaften nicht, daher erstickte sie ein Mundwinkelzucken Ihrerseits völlig, sagte sich in Gedanken "Ich bin ein Stein, ein Baum, ein Grashalm" und ließ ihre Miene metaphorisch versteinern. Schweigend folgte sie nach.
Und verbuchte den ersten Punkt für sich.
Schmal war der Steg zwischen den Klüften, grob und geländerlos war die Brücke zwischen den Kasten. Und steil, denn gewöhnlich rollten lediglich Befehle wie Felsbrocken diese Rampe herunter, und von unten herauf kam so gut wie nie etwas. Diesen Weg zu meistern, ihn zu erklettern, dauerte. Ringo aber fühlte allein durch die Winzigkeit eines Muskelzuckens - und vor allem das Ausbleiben von Schelte - einen Absatz, auf den sie ihren Fuß stellen konnte.
Umsichtig musste man sein, wenn man es zur Meisterschaft im Aufbau eines Netzwerkes aus Vertrauensleuten schaffen wollte. "Vertrauen", das bedeutete dabei nicht unbedingt Freundschaft, aber dafür eine starke Verbindung auf geschäftsmäßiger Basis. Shinobi schlossen diese Bünde überall. Sie befreundeten einfache Herumtreiber in den Gassen, Bauern auf den Feldern, kleine und unzufriedene Diener eines Hohen Herren. Was man verlangen konnte, hing vom Geben ab. Und Shinobi konnten viel geben.
Höchste Disziplin war jedoch das Befreunden von Angehörigen der Kriegerkaste. Und genau daran versuchte sich Ringo gerade. Schon die ersten Kletterversuche an der steilen Kluft zwischen den Kasten bestätigte alle Warnungen: Hier wehten scharfe Winde. Ein Fehlgriff, und die Wand würde beben, alle Haltepunkte zerstören und den Kletterer selbst womöglich in den Tod schicken.
In Ringo Sarutobi bebten Spannung und Vorfreude und ein Hauch von Panik.

Im Inneren des Hauses kam ein Moment des Missmutes. Kaede schien es nicht zu behagen, was Ringo tat. Das Ninja-Mädchen duckte sich wieder leicht zusammen in Imitierung der klassischen Demutsgeste. Vielleicht gefiel es ihm nicht, Diener mit Oni umherlaufen zu sehen. Ihr lag bereits eine Erwiderung auf der Zunge, etwas wie "Der Oni wird gut gefüttert, der Herr kümmert sich drum. Er wird sich artig an alles halten und keine Spielchen treiben" oder so.
Doch Kaede nickte knapp und ließ die Sache auf sich beruhen.
“So leise, wie du kannst, verstanden?“
Ringo presste die Lippen aufeinander, schaute nach oben, die Leiter hinauf. Ja, erwiderte sie im gleichen Tonfall, wie sie zuvor um Licht gebeten hatte. Folgte dem jungen Samurai mit fliegenden Füßen, glich die ki-gegebene Leichtfüßigkeit ihres Gefährten durch Kletterfertigkeiten und Geschicklichkeit aus, setzte die Zehen nur außen auf die Sproßen und nicht auf die knarrende Mitte, hielt den Ring dabei so, dass das Licht nicht durch die Luke nach oben drang, und dimmte es zu diesem Zweck noch zusätzlich.
Hätte jemand speziell auf sie gewartet, hätte man sie wohl trotzdem wahrgenommen. Doch völlig ohne Licht konnte man eben nicht arbeiten - zumindest diese beiden jungen Vertreter ihrer jeweiligen Klassen konnten es noch nicht. Noch dazu verbarg eine Partei ihre Kräfte vor der Anderen und blieb auf Sparflamme. Zu einem schlagkräftigen Duo fehlte noch ein Endchen.
Doch damit musste man leben.
Niemand war dort oben. Kein Geschöpf regte sich auf dem Dachboden, und Ringo ließ nach einigen Momenten das Licht wieder heller werden, sodass es für einen potenziellen Gegner mit an Dunkelheit gewöhnten Augen geradezu blendend sein musste. Doch niemand reagierte.
Stattdessen konnte Kaede ein Geräusch hören. Ein zischelndes Einsaugen von Luft, ein geradezu schnarrendes Wittern durch geblähte Nasenflügel... und Ringo war der Urheber. Die junge Kunoichi zog Duft durch die Nase, hatte sogar den Mund leicht geöffnet und die Zungenspitze außen gegen die Oberlippe gedrückt, als schmecke sie die Luft.
Scharf, murmelte sie, ... und bitter... Als hätte ihr jemand eine aufgeschnittene Zitrone mitten ins Gesicht gedrückt, verzog sie die Nase, hielt sie mit der freien Hand zu. Uh... Faule Eier, ´err..., nuschelte sie.
So zumindest umschrieb sie, was für ein Gestank in der Luft hing: Stark riechendes Schießpulver, daher wohl eher von der minderwertigen Sorte, in einem offenen Behälter. Unten war der Geruch noch nicht gewesen. Keine Zeit zum Ausbreiten. Frisch aufgestellt.
Ein kleines Fässchen stand unschuldig und stinkend in einer Ecke des Dachbodens, und eine pechgetränkte Lunte führte von dort zur Wand und ragte durch ein gebohrtes Loch nach draußen. Um von dort aus mit "Blick aus Flint" gezündet zu werden.
Es gab überraschenderweise auch Licht. Oder zumindest war es, selbst ohne den Leuchtring, nicht vollauf duster. Denn durch einen Spalt fiel Mondlicht wie ein Schleier, und dieser Spalt war entstanden, weil ein Dachziegel nicht wieder exakt an seinen Platz gerückt worden war.

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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Haseiji Kaede am Do Sep 10, 2015 7:59 pm

Wenn ihn ein starker Gegner erwartete, würde er sterben. Kaede versuchte so oft wie möglich, diesen kindlichen Gedanken, zu verdrängen. Oft war er als Kind unsicher gewesen, hatte kein Selbstvertrauen – ein ewiger Zweifler. Vor allem, als er diesen Hass auf Oni entwickelt und am eigenen Leib erfahren hatte, dass manche Lehrmeister nicht schwach anfingen, um langsam die Treppen auf die nächste Ebene zu legen. Nein, manche verstanden es viel eher, diese Treppe einzureißen und spitze Steine oder Makibishi in den Weg zu setzen. Nur, damit mans ich die Füße blutig daran kratzte und es umso schwerer wurde. Einerseits ein guter Weg zu soliden Kriegern... manche verschrien es auch als unmenschlich. Zumindest manche Methoden. Kaede hatte nie gewusst, was er seinem Onkel getan hatte, doch er war ihm auf eine kranke Art und Weise sehr dankbar für die schweren Lehrjahre. Immerhin brachte ein solch schwächendes Gefühl offene Augen mit sich. Nur nicht auf einen übermächtigen Gegner treffen – oder darauf achten, nicht auf ihn zu treffen und sich dann die Chancen gut zurechtlegen.
Man merkte, dass der junge Mann angespannt war, als sie die nächste Ebene erreichten. Wie vor einem Kampf, atmete er lautlos und lange aus; als ob er sich erst sammeln müsste. Dann machte er den letzten Schritt, bis er mehr oder minder aufrecht stand – vergaß dabei allerdings nicht, sich genau auf seine Umgebung zu orientieren. Einen Tötungswillen, um genau zu sein. Um ihn herum. Wenn sie jemand sah, der nicht ertappt werden und sie lieber umbringen wollte, so würde er sich vermutlich nun erkenntlich zeigen. Es war nämlich am einfachsten. Doch nichts geschah. Der junge Diener hinter ihm, war schlau genug gewesen, das Licht zu verdunkeln, was er ihm zu gute hielt. Nun aber erstrahlte es langsam aber mehr wieder intensiver in dem bescheidenen Raum über den Gemächern der Dienstboten. Gemächer – man hätte darüber kichern können. Über dieses seltsame Wort, welches irgendwo Komfort verhieß. Erneut sandte Kaede seinen Aufmerksamkeit aus – wieder nichts. Waren sie wirklich alleine? War hier--
Das Katana aus der Pfandleihe war halb aus der Scheide gezogen, als er herumgefahren war. Das Geräusch hinter sich wahrgenommen hatte. Mochte er auch auf den ersten Blick Ruhe ausgestrahlt haben. Mochte man diese Spannung nicht bemerkt haben... nun tat man es. Der Junge würde in diesem Moment in überraschte und unruhige Sturmsehen blicken, welche Kaedes Augen bildeten. Nur langsam ließ er die Klinge zurück in die Scheide fahren und schüttelte über sich selbst den Kopf, langte sich an die Nasenbrücke. “Schwach...“, murmelte er. Mehr als Tadel zu sich selbst, als an irgendjemanden gewandt. Dann untersuchte er den Raum erneut beim helleren Licht und legte den Kopf schief. Seine Augenlider verengten sich beträchtlich, als er das fast schon aufgebahrte Fässchen sah, welches ungeahnte Verheißungen für Sprengstoffmeister darstellte. Eine glatte Verführung für letztere – daher also auch der Geruch, welchen der Junge hinter ihm schilderte. “Dann sollten wir dafür Sorge tragen, dass sich nicht auch der Geruch von verbranntem Fleisch dazu gesellt, nicht wahr?“, wandte er sich über die Schulter an den Begleiter.
Mit wenigen Schritten war er bei verräterischen Szene und sorgte mit einem Schwertstreich dafür, dass keine Lunte mehr etwas entfachen würde. Zumindest dieses Fass. Was ihn auf den nächsten Gedanke brachte. “Weshalb die Behausung der Dienerschaft in die Luft sprengen? Das ergibt doch keinen Sinn...“ Der junge Samurai bemerkte erst im Nachhinein, dass er laut gesprochen hatte und wandte sich an den Jungen, den er immer noch für einen Jungen hielt. Zumindest vorerst. “Sicherlich wäre es ein Schock, aber wir wissen, wie die Gesellschaft gestimmt ist. Die Mehrheit von Meinesgleichen würde Deinesgleichen nie lange bedauern, so grausam es auch klingt. Ein Ereignis wie das heute Abend ist doch eine schiere Einladung, zu mehr als... dem dort Kaede deutete mit der Schwertscheide, in welcher das Schwert nun wieder steckte, auf das kleine Fässchen und runzelte die Stirn. Sein Blick glitt zur Seite, wo jener Dachziegel ins Auge fiel. “Schnell. Wo würdest du eine Bombe verstecken auf diesem Anwesen, Junge.“ Er kannte sich hier immerhin nicht so gut aus und der Junge... das war offenkundig eine andere Geschichte, doch gerade war er wirklich auf Hilfe angewiesen – oder war es vielleicht schon zu spät und sie würden einen Knall hören?
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Sarutobi Ringo am Di Sep 15, 2015 9:25 pm

Um ein Haar den Kopf verloren. Zunächst hatte Ringo aufgrund des durchdringenden Gestanks das Gesicht verzogen, nun weiteten sich ihre Augen erschrocken angesichts Kaedes beinahe ausrutschender Schwerthand. Erneut zog sie den Kopf ein. Und hielt diesmal lieber gleich den Mund, die Lippen fest zusammengepresst. Wie erleichtert sie war, als der junge Samurai sie von sich aus wieder ansprach.
“Dann sollten wir dafür Sorge tragen, dass sich nicht auch der Geruch von verbranntem Fleisch dazu gesellt, nicht wahr?“
Ihr Mund war trocken. Ja, Herr. Ein wolliges Schäfchen saß ihr im Bauch, kugelte darin herum und schubberte sich an den Wänden, dass es richtig schön und mächtig juckte. Die Lage war schlecht. Zum Schäfchen gesellte sich ein Bleigewicht. Vielleicht lag es an Ringos Vertrautheit mit Schwarzpulver, dass ihre erste Reaktion eher Ekel als Furcht gewesen war. Nun aber kroch die Erkenntnis in ihren Dickschädel. Hier waren Kajutsuka am Werke. Andere Shinobi. Sie saß mittendrin, in einem metaphorischen Raum voller Vorhänge, und jederzeit mochte eine versteckte Klinge hervorschießen und ihr den Kopf von den Schultern sensen. Einfach, weil sie im Weg sein konnte. Schlecht. Schlecht. Schleeecht. Arbeitete man in Gruppen, war Abstimmung das Wichtigste. Als Brandstifterin in Ausbildung wußte die Sarutobi dies umso besser! Schließlich war sie für Explosionen zuständig, und da teilte man eben vorher feste Bereiche aus, die einfach tabu waren. Tabu! Nicht begehbar!! Welche Orte aber hatte diese Mannschaft, die hier am Werk war, als tabu gekennzeichnet!!!
Ganz ruhig. Ganz ruhig.
Ringo ließ den Leuchtring in ihren Händen verschwinden, beendete das Licht und bat den Oni darin stattdessen um das Schüren des Seelenfeuers, um "Flammendes Herz" zum Anheizen ihrer Gelassenheit. Den Wegfall des Lichtes mochte Kaede hoffentlich auf Unerfahrenheit und mangelnde Kontrolle schieben. Wenn er es denn überhaupt bewusst wahrnahm. Nun war der Streifen Mondlichtschleier die einzige Lichtquelle.
“Weshalb die Behausung der Dienerschaft in die Luft sprengen? Das ergibt doch keinen Sinn...“
Ringo fühlte Wärme in der Brust, aus dem Unterbauch kommend und in ihre Glieder fließend. Die aufkommende Panik schwelte ab.
“Sicherlich wäre es ein Schock, aber wir wissen, wie die Gesellschaft gestimmt ist. Die Mehrheit von Meinesgleichen würde Deinesgleichen nie lange bedauern, so grausam es auch klingt. Ein Ereignis wie das heute Abend ist doch eine schiere Einladung, zu mehr als... dem dort.“
Nicken. Klingt grausam, ist aber so, erwiderte sie achtsam und leise. Wir kennen alle unsere Rolle. In mehrfacher Hinsicht galt dies für sie.
In Kaede war nun wieder Leben gefahren. “Schnell. Wo würdest du eine Bombe verstecken auf diesem Anwesen, Junge.“
Ringos Augen wurden groß. Oh Kami. Was? Ich... Ich weiß von sowas nichts! Ich darf davon nichts wissen! Ich... Ich bin nicht von hier, ich bin ausgeliehen, ich bin ein Diener, ich bin nur ein Diener, ich bin NUR ein DIENER! Iiich... Ich bin ein Junge.

WOM.
Laut. Es war laut.
Klack. Klack. Klacklack. Klacklacklacklacklacklacklacklack........
Die Dachziegel erzitterten. Unter der Schallwelle, der Druckwelle, der Hitzewelle, als das Nachbarsgebäude in die Luft ging. So wie auch das Haus der beiden Jugendlichen hätte in roter Blume aufblühen sollen.

Mehrere Ziegel schepperten auf dem Dachboden nieder; Ringo fuhr aus der Schreckstarre auf. Nun kam das Licht in dicken Flecken und scharfen Schnitten, orangerot flackernd und ihre Gesichter erhellend. Als die Hitze ihre Wangen traf, überkam sie noch ein Schuss Panik, diesmal jedoch zusammen mit einem Motivationsschub: Es brachte sie zum Handeln!
Ringo schob sich den Ring auf den Finger, um die Hände frei zu haben, packte das Oberteil ihres Kimono und riss ihn sich förmlich herunter, warf ihn über das Fass mit dem Schießpulver und schirmte den Inhalt damit vor der Hitze ab.
Weitere Ziegel donnerten nun abwärts, legten eine Hälfte des Daches völlig frei und offenbarten den Blick auf den Garten.

Das Nachbarsgebäude brannte lichterloh, eine riesige Kerze. Gäste hatten sich erschrocken von dem Feuer zurückgezogen, auf den Vorplatz des Hauptgebäudes. Die Wachen liefen mit gezogenen Klingen umher, einige wenige kommandierten bereits erschrockene Diener.
"Wasser! Holt Wasser!" "Eimer nehmen und löschen, los!"
Der Brand erhellte den riesigen Garten. Am Rande dieses Fackelscheins jedoch bewegten sich Gestalten in dunkler Kleidung, in den nachtgrauen Ninniku Yoroi der Shinobi. Sie sammelten sich, zogen im Feuerschein leuchtende Wakizashi. Einige schauten auf das Gebäude, in dem Kaede und Ringo ihren Logenplatz gefunden hatten, und staunten offenbar darüber, dass es nicht ebenfalls explodiert war.
Dieses kurze Zögern nutzte ein alter Mann mit schlohweißem Haar, um zwischen den Wachen hindurchzutreten. Sein Schnauzbart verlief in zwei Strängen bis zum Gürtel, und an diesem Obi trug er das unvermeidliche Schwerterpaar eines Samurai. In seinen Händen aber hielt er eine Tetasse. Wer, sprach er milde empört, stört mein Fest? Der Hausherr setzte die Teetasse an die Lippen.
Ein Shinobi schnellte vor. Rasende Shillouette, scharfer Schattenschnitt im Schlepp, zuckend im Takt des Brandes.
Der Alte spie den Tee aus. Der kein Tee sein konnte, denn der Inhalt ging in Flammen auf, brauste als Feuerwolke dem Angreifer entgegen, blendete ihn und brachte ihn aus dem Tritt. Es folgte die Tasse, die an seinem Schädel zerplatzte, und dann erprobte ein ausgewachsenes Katana die Härte des Kopfes und befand sie für unzureichend.

Ringo betrachtete das Schauspiel. Dem Umstand, oben ohne vor dem Fässchen zu knieen, wenig Aufmerksamkeit schenkend.
Das... ist... ein dämlicher Plan. Tröpfchenweise ging ihr Verstand vorwärts. Unnötige Häuser, unnötiger Angriff, unnötiger Tod. Das ist kein Shinobi-Handwerk. Das ist so... das riecht wie...
Das ist nie und nimmer alles, raunte sie.

Auf dem Platz eilten Wachen an die Seite des Shuratori-Oberhauptes. Die Angreifer indes zogen sich schrittweise zurück, als habe die routinierte Entschlossenheit der Soldaten ihre Moral direkt getroffen. Da und dort warfen Männer Shuriken, die jedoch allesamt auf umherzuckende Katana trafen und wirkungslos davonflogen. Shuratori selbst traf eins so heftig, dass es bis zu den Werfern zurückflog und um ein Haar eine Nase gespickt hätte.

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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Haseiji Kaede am Mi Sep 16, 2015 6:34 pm

“Klingt grausam, ist aber so, Wir kennen alle unsere Rolle.“ Eine gesunde Ansicht, wenn die Welt manchmal oder so gut wie immer alles andere als fair zu sein schien. Es war der letzte Gedanke, welchen Kaede in aller Ruhe vor sich hindenken konnte – mal ganz abgesehen von seinen Befürchtungen. Im nächsten Moment geschahen nämlich mehrere Dinge gleichzeitig: Plötzlich sprengte sich hinter ihm irgendetwas oder irgendwer in die Luft. Man hörte einen lauten Knall, der in den Ohren weh tat. Kaede stolperte nach vorn und krachte mit den Knien auf die Holzdielen, wobei er voller Willenskraft mit der Hand das geliehene Katana aus der Pfandleihe umklammerte – nichts war schlimmer für einen Samurai, als seine Waffe aus der Hand gleiten zu lassen. Ein dumpfer Schmerz fuhr seine Knie hindurch, während er den Hall vom „Ich-Stottern“ des Jungen vernahm. In seiner Erinnerung. Der Junge.
Kaede blickte auf – und sah das flackernde Licht. Feuer und Feuer und überall Flammen und nein, da war kein Feuer. Doch, da war Feuer. Verwirrt blickte er sich um, schien im ersten Moment nichts zu realisieren. Aus dem Augenwinkel nahm er grob war, wie ein Oberteil über das Schießpulver geworfen wurde. Eine Stimme in seinem Hinterkopf gratulierte dem Jungen für seine Geistesgegenwärtigkeit. “Ich schlage nicht mit brutaler Gewalt zu. Betrachte ein Schwert als einen verlängerten Arm.“ - “Aber ich mag meine Arme so, wie sie sind. Wieso müssen die länger werden?“ Feuer. Sein Vater. Erinnerungen. Yuuma, der Dämon. Das Schwert. Die Versiegelung. Der Feuerdämon. Sein Vater. Besessen. In der Falle. Stopp. Halt. Er hatte kein Trauma. Er war stark genug hierfür... Nein, das war kein Trauma. Keine Angst. Er war kein kleiner Junge. Nicht mehr. Körperlich vielleicht, aber nicht geistig. Hustend auf Grund des eindringenden Rauchs hielt der junge Samurai sich einen Ärmel vor den Mund. In seinen Augen brannte es gefährlich, während jegliche Farbe aus dem noch nicht ganz erwachsenen Gesicht gewichen war. Komm schon... reiß dich zusammen... Das ist Feuer. Das ist nicht Yuuma. Das ist Feuer. Ein Anschlag. Die Menschen brauchen vielleicht Hilfe...“ Von unten klangen Kampfgeräusche in die Höhe, sowie as Knistern von Holzbalken im Feuer. Holz. Kaede hustete in den beruflich praktischen Stoff, welchen er trug. Der Junge. Er musste den Jungen hier heraus bekommen! Wo war er? Fast fiebrig suchte er den Raum ab und wischte sich kurz mit dem Handrücken über die ziehenden Augen. Es dauerte einen Moment, bis er eine hockende Gestalt erkannte. Kniend vielmehr. Vor dem Pulverfass, welches man abgedeckt hatte. Abgedeckt mit--
“Junge, wir müssen-- Junge?“ Kaede hatte die ersten Worte bereits gesprochen, als er realisierte, dass dieser eigentlich männliche Körper – jedenfalls hatte er gedacht, dass er männlich sein sollte – deutliche weibliche Wölbungen aufwies. Zu deutlich. In Anbtracht der Umstände hätte man daraufhin kaum glauben können, dass der Dunkelhaarige errötete... Doch er tat es. Denn wenige Meter vor ihm, saß ein Dienstmädchen, welches etwas raunte, was jedoch wie Wind durch ihn hindurch zog. Stattdessen der „Angeraunte“ den Jung- das Mädchen an, bis er sich dessen nach ein paar Augenblicken gewahr wurde. Daraufhin raschelte es im Stoff, er erhob sich. Erneut ein Rascheln. Fluchend bemerkte er, dass seine Hand raschelte, als er selbst den blauen Haori ablegte. Zitternd. Feuer. Immer noch war er trotz der Röte um seine Nase bleich. Vermutlich sah er nicht gut aus. Ruhig atmen. Atmen. Es versuchen. Praktisch denken. Feuer. Das Mädchen hatte Recht. Das war nie und nimmer alles. Es wäre zu wenig... Schaden...
Idiot. Kaede schmiss den Haori auf die blanken Schultern des Mädchens und umklammerte sein Katana wieder fester, wobei sein Blick unruhig zwischen den spielenden Schatten und den Flammen nebenan umherspielte. Der Griff um die Waffe wurde fester. Wäre sie nicht da gewesen, hätten sich seine Fingernägel vermutlich in die Haut gegruben. Aber daran durfte er nicht denken. Nicht an seinen Vater. Nicht an den Mönch. Nicht an den Dämon. Yuuma. Er war nicht hier. Er konnte ihm nichts tun. Trocken schluckte er seine eigene Panik hinunter und reichte dem Mädchen die Hand. Nun wurde ihm etwas ein wenig klarer. “Steh auf und sitz nicht rum! Wir müssen hier raus! Wenn das wirklich alles war, dann kannst du mich aufhängen....“ Kurz hielt er inne, ehe er den missbilligend den Kopf schüttelte. “Darüber, wie man Leute hinters Licht führt, können wir später sprechen... Mädchen. Los. Steh auf. Wir müssen hier raus und das Gelände absuchen.“ Kaede hielt eine Hand hin, während das Katana in den Flammen aufblitzte, als ob es nach einem Kampf schrie. Die Augen des jungen Samurai waren jedoch leicht geweitet. Man könnte meinen, ein unruhiger Sturm tobte in ihnen.
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Sarutobi Ringo am Sa Sep 19, 2015 2:20 pm

Das Geschehen auf dem freien Platz besaß eine bannende Wirkung. Ringo verfolgte das sich entfaltende Gefecht und vergaß darüber sogar für einen Moment, wozu sie hier war und mit wem. Es fiel ihr wieder ein, als sich Stoff auf ihre Schultern und ihren Rücken senkte - weicher, leichter Stoff, und trotzdem zuckte sie zusammen, als bestünde er aus Dornengestrüpp!
Heh? Sie blickte auf, in das bleiche Gesicht des Samurai. Gedankengänge stießen einander in Bewegung, und mit einem Male wurde ihr klar, wie anfängerisch sie sich gerade benommen hatte. Und dass sie damit alles riskiert hatte. Noch immer riskierte!
Ihr Geist erfasste dutzende Einzelheiten zugleich. Eine davon war die zurückgehaltene Panik im Blick Kaedes, eine andere war das gepackte Schwert, welches ihr die Nackenhäärchen aufstellte. Doch die am schärfsten einschlagende Einzelheit war die vorgestreckte Hand.
"Steh auf und sitz nicht rum! Wir müssen hier raus! Wenn das wirklich alles war, dann kannst du mich aufhängen....“
Blinzeln. Was? Fassungslosigkeit brandete aus ihrer nunmehr völlig unverstellten Stimme hervor. Ich - Ich kann das hier doch nicht... Sie fasste den Saum des Haori, als wolle sie ihn herunterreißen. Ich kann das doch nicht tragen... Dieser letzte Satz kam mit völliger Ratlosigkeit hervor. Sie mochte ein kluges Köpfchen haben, doch in diesem Moment fluteten Eindrücke und unvorhergesehene Geschehnisse ihre Wahrnehmung. Kaede verhielt sich dabei am stärksten unberechenbar - er befahl ihr, die Hand zu ergreifen. Wobei er allerdings immerhin irgendetwas befahl, was wiederum im Rahmen war.
Körperkontakt war kein kleines Ding im Reich dieses sehr reservierten Menschenschlages. Insbesondere unter Fremden, selbst unter flüchtigen Bekannten.
Egal. Durch Ringos Geist schälte sich ein treibendes Messer, auf dessen Klinge die Lösung stand. Egal! Ignorier die Etikette! Er gibt dir eine Order, also tu es!
Sie fasste zu. Daran, artig den Blick zu senken, dachte sie in diesem Moment am wenigsten. Mit großen Augen starrte sie Kaede an, der sich doch tatsächlich um sie scherte, sie nicht einfach daließ und sich seinen waffentragenden Kameraden anschloß. Der junge Samurai schüttelte den Kopf. “Darüber, wie man Leute hinters Licht führt, können wir später sprechen... Mädchen. Los. Steh auf. Wir müssen hier raus und das Gelände absuchen.“
Die Kunoichi ließ sich auf die Beine helfen, in einen höchst unsicheren Stand. Und mit nach wie vor offenem Haori. J-... Jawohl! Hektisch schloss sie das Kleidungsstück, als ihr der freie Blick auffiel, den Kaede haben musste. Herr!, schob sie mit überschlagender Stimme noch nach.
Und er hielt sie weiter fest. Und sie wehrte sich nichtmals dagegen. Sondern ließ sich mitziehen, tapperte ihm nach wie ein Hündchen an der Leine. Mit einem Male benahm sich Kaede so sehr außerhalb der Norm, dass es eine geradezu lähmende Wirkung auf die Kunoichi ausübte. Zumindest für kurze Zeit. Bis sie den Dachboden, durchsetzt mit feurigen Lichtflecken, völlig durchschritten und die Leiter erreicht hatten, fasste sie sich wieder.
Das Gelände, wisperte sie und wiederholte dann lauter, während sie diesmal laufend die Leiter herunter eilten: Nicht alles. Nein, nicht alles, das... ich muss draußen schauen!
Das war, was sie taten: Ins Erdgeschoss des zwar angeschlagenen, aber immerhin nicht völlig zerstörten Gebäudes und dann zur Tür hinaus ging es.
Draußen warf Ringo einen hektischen Blick auf das Geschehen: Inzwischen waren weitere vermummte Gestalten aufgetaucht, weitere Angreifer in Ninniku Yoroi, die über die äußere Mauer liefen und Shuriken warfen oder aus dem Schatten der Gebäude heraus mit ihren kurzen Schwertern angriffen. Sowohl Wachmannschaft als auch bewaffnete Gäste beantworteten die Attacken gleichermaßen wild - und wo es zum Nahkampf kam, stand der Sieger rasch fest. Das Getümmel mochte wirken wie eine Schlacht, doch letztlich obsiegte die Kampferfahrung der Samurai, wo auch immer die Shinobi dreist genug waren, sich wirklich auf Katana-Länge zu nähern.
Dies taten sie jedoch eher selten. Ringo erfasste dieses Detail rasch, und sie erkannte auch, dass die Anzahl des Feindes groß wirkte, dies jedoch überwiegend wegen der Dunkelheit und des stetigen Abtauchens in die Schatten so war. Hier wurde ein Großangriff vorgetäuscht, in Wirklichkeit aber war es überwiegend laute Augenwischerei.
Ringo reflektierte nicht, dass sie nach wie vor Kaedes Hand hielt. Und nun kein aschebedecktes Kimono-Oberteil mehr trug, sondern den feinen Haori des Samurai. Im Gegenzug achtete auch niemand auf sie, was man als Segen der Kami werten konnte. Kommt mit, Herr. Sie fühlte sich plötzlich wieder wohl, nun, da sie ihr gelerntes Wissen wieder zum Einsatz bringen konnte. Die ganze Situation hatte gerade eine fassbare Form angenommen. Damit konnte sie arbeiten! Das hier, das ist alles Schauspiel... Das wirkliche Spiel wird anderswo gespielt. Sie deutete auf das Hauptgebäude. Dort drin. Ein Sprengexperte würde dort seine Bomben ablegen und das Haus hochjagen, wenn sich letztlich alle Menschen vom Garten ins Gebäude zurückziehen.
Was ohne Zweifel geschehen würde - nach dem Kampf würde zum Einen niemand mehr zwischen Leichen und Blut betulich Tee und Sake schlürfen, und zum Anderen führte der Weg aus dem Anwesen hinaus durch das besagte Hauptgebäude.
Ringo wandte sich Kaede direkt zu. habt Ihr Gefolge hier, Herr?
Was sie meinte, waren natürlich Soldaten aus dem Haseiji-Haushalt. Jemanden, den Kaede kommandieren konnte. Schließlich hatte er keine echte Befehlsgewalt über die Wachen dieses Anwesens.

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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Haseiji Kaede am Sa Sep 26, 2015 5:24 pm

Man konnte natürlich sagen, dass die Etikette ziemlich wichtig war. Man konnte das Samurai auch in den Schulen beibringen, auf welche sie geschickt wurden – und vermutlich konnte man damit noch viel mehr tun. Zumindest dann, wenn man in allen Fällen etwas darauf hielt. Was Kaede betraf, so hatte er schon immer ein wenig abseits des Großen und Ganzen gedacht. Für ihn war die Etikette zwar wichtig, denn sie vermittelte Respekt, aber das hieß nicht, dass dies auf jede Lebenssituation zugeschnitten wurde. Würde man einen Sklaven auspeitschen, weil er falsch gehandelt hatte? Oder einen Diener? Menschen machten Fehler und Kaede hatte es selbst am eigenen Leib erfahren. Dennoch sah er keinen Sinn darin, sich selbst aufzuopfern und anderen grundlos Leid zuzufügen. Klar, man mochte ihn als merkwürdig und Dienerfreund bezeichnen, doch Kaede brauchte keine Etikette, um zu wissen was Würde und Ehre war. In diesem Sinne hielt er also dem – entpuppten – Mädchen seine Hand hin. Wartete darauf, dass sie diese annahm und bemühte sich, nicht komplett in flammende Panik auszubrechen. Es war nicht so, dass er schreckliche Angst vor dem Feuer hatte... es war vielmehr... ein unheimliches Gefühl, in ihm eingeschlossen zu sein.
Kaede riss sich zusammen und zog die junge Frau auf die Beine. “Mir ist es völlig gleich, was du im Augenblick trägst. Wir haben wichtigere Dinge, um die wir uns kümmern müssen...“ Der Dunkelhaarige biss sich auf die Lippen und atmete tief durch. Es brachte nichts, wenn er sich aufregte oder lauter wurde. Einzig und allein ein kühler Kopf würde hier helfen. Was seine Begleitung betraf, so schien sie jedoch in diesem Moment wieder klar denken zu können und wehrte sich auch nicht dagegen, dass er noch ihre Hand hielt. Unter normalen Umständen wäre es aus beiderlei Sicht ein Unding gewesen, aber wie erwähnt scherte er sich eher weniger darum. Allem voran in dieser Situation. Immerhin dachte sie nun endlich daran, den zu großen Haori um ihren Körper zu schlingen. Gewiss, manch ein Schneider hätte nun gequält aufgeheult, doch auch hier mussten sie Nägel mit Köpfen machen. Praktisch denken. Für alles andere war im Nachhinein immer noch Zeit. Wenn.... Kaede schüttelte den Kopf. So glitten sie also zwischen den Flammen auf die Leiter hinzu. Die Frau schien irgendetwas vor sich hin zu murmeln, doch ihre Worte drangen vollkommen an ihm vorbei. Zu sehr war er damit beschäftigt, den Schweiß auf seiner Stirn zu ignorieren und den Schal über seine Gesichtshälfte zu ziehen, damit der Rauch ihm nicht gar so viel ausmachte. Der Stoff war nicht teuer und in der hier vorhandenen Gesellschaft wohl gerade noch akzeptabel. Er wirkte wettergegerbt, als ob er schon zu viel durch gemacht hatte – aber in gewisser Hinsicht war er ein Glücksbringer.
Diesbezüglich konnte man nun denken was man wollte, doch immerhin kamen sie unbeschadet am Boden an und konnten hinaus auf das Gelände schreiten. Das erste, was ihm einfiel war Chaos. Blankes, entsetzliches Chaos inmitten von Flammen. Kämpfende Samurai. Shuriken,welche durch die Luft flogen und sich tödlich in Körper bohren würden, würde man sie nicht gekonnt mit der Klinge abwehren. Kaede erbleichte, als er sah, wie in der Nähe jemand ein solches Projektil in den Arm bekam und dieser wenig später schlaff hinunter hing. Kommt mit, Herr. Das hier, das ist alles Schauspiel... Das wirkliche Spiel wird anderswo gespielt. Mehr unbewusst als bewusst nickte der junge Samurai und folgte dem Fingerdeut der... ja, was? Sie schien nicht entsetzt. Schien sich nicht wie andere Diener verstecken zu wollen. Was war diese Frau? Egal. Genug. Zu viel zum Nachdenken würde ihn in diesem Moment nur behindern. Mit einem Schritt setzten sie sich also in Bewegung des Hauptgebäudes, während es um sie herum knisterte. Sprengstoffexperten. Bombe. Haus hochjagen. Das klang so, als ob man keine Ablenkung gebrauchen könnte. Und was? Schauspiel? Weshalb? Nun blickte der junge Mann sich doch um – und konnte aus dem Augenwinkel gerade noch etwas aufblitzen sehen, ehe er gekonnt sein Schwert zog und zwei Shuriken abwehrte, welche ihn sonst wohl nicht ganz so angenehm getroffen hätten. Der befindliche Schatten zog sich sofort wieder zurück und Kaede biss sich auf die Lippen. Nun gut. Die Klinge war er nicht gewohnt, aber er war ein in den letzten Jahren zumindest ansehnlicher Schüler gewesen. Während Ringo sich zu ihm wandte, strich Kaedes Schwert nochmals durch die Luft und dieses Mal glaubte er sogar, jemanden erwischt zu haben, der sich wieder hatte zurückziehen wollen. Die blauen Augen verengten sich wie die einer hungrigen Raubkatze – nur mit dem Unterschied, dass in ihnen keine Mordlust stand. Stattdessen sah man darin Skepsis, Schmerz und anklagende Zweifel – und das alles würde die Frau nun genau sehen, da er sich grimmig zu ihr umdrehte. “Du kennst dich gut aus. Wenn ich herausfinde, dass du Teil an diesem... Inferno hast, dann sind deine ruhigen Tage gezählt“, zischte er. Wer wusste schon, wie viele am Morgen noch leben würden? Überhaupt jemand? Gewiss nicht, wenn sie sich nicht um diese Sprengmeister kümmerten. Kaede wollte sich gerade zu jenem Gebäude in Bewegung setzen, als er ruckartig nochmals inne halten musste. Das Mädchen fragte nach seinem Gefolge. In seiner Brust breitete sich bei diesen Worten ein alter Schmerz aus und im gleichen Atemzug verzog er entsprechend das Gesicht. Nur die Flammen mochten erlauben, dass man im feurigen Schattenspiel eben dieses in Augenschein nehmen konnte. “Mund halten“, blaffte er die junge Frau an und zog im gleichen Moment ein kürzeres Schwert aus der Scheide. Ein Wakizashi. Als Antwort auf die Frage hob er dann eine Augenbraue. “Mitkommen.“ Und dann drehte er sich um und lief los – bereit alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Mehr oder weniger jedenfalls.
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Sarutobi Ringo am So Sep 27, 2015 10:06 am

Zusehends wurde die Sache unangenehmer. Nun befand sich Ringo also nicht nur in direktem Kontakt mit einem Samurai, nein, dieser Samurai hatte auch noch seine Klinge gezogen und schlug damit nach fliegenden Metallstücken und Menschen.
Ob ich das Kuji-In Ryo versuchen sollte? Ringos Blick irrte ein wenig umher auf der Suche nach einem Shinobi, der sich in den Schatten verbergen mochte. Wenn sie ihm das Drachenzeichen zeigen konnte, würde der Ninja sie als Kameradin erkennen - vorausgesetzt, er gehörte zu Ihaigakure oder Namigakure. Und dann wäre sie hier schneller raus, als ein Beamter bis zehn zählen konnte.
Wenn ich wollte, käme ich hier raus..
Die Versuchung war groß. Ihr eigener Plan weitestgehend zerstört. Das alles hier ging ihr zu hektisch und chaotisch zu. Kein Wunder, wenn man keinen Plan vom Plan hatte!
Einen Moment später erblickte sie einen Schatten, der aus dem Dunkel hervor zischte. Zeitgleich mit Kaede, der mit dem Katana nach dem Feind schlug und diesen damit zum Zurückziehen brachte.
Die Gedanken ans Flüchten wurden in einem Sturzbach kalter Angst hinweggespült.
“Du kennst dich gut aus. Wenn ich herausfinde, dass du Teil an diesem... Inferno hast, dann sind deine ruhigen Tage gezählt.“
Nur die ruhigen Tage?, ging es ihr durch den Kopf. Wie zuvor auch, machte Ringo sich klein. Hielt diesmal allerdings Blickkontakt aufrecht. Ich schaue hin und sage, was ich denke, erwiderte sie einfach. Und sogar ehrlich. Im Angesicht der Klinge war es gar nicht so einfach, flüssig zu sprechen...
Sich zusammenreißend, stellte sie die Frage nach Gefolge - und bekam einen Anraunzer zur Antwort. Das war nicht halb so wild wie der grimmige Blick in Kombination mit blankem Schwert, andererseits aber auch unerwartet barsch - immerhin hatte diese Frage nichts mit Verdächtigungen und dergleichen zu tun, sondern rollte auf einer anderen Ebene umher.
Da gibt es wohl Dinge, die ich noch nicht weiß, ging es Ringo durch den Kopf.
“Mitkommen.“
He... Nein, ich soll den Mund halten. Sie verschluckte die Befehlsempfänger-Floskel und lief hinterdrein.

Die Türen zum Hauptgebäude standen offen - natürlich. Schließlich betraten die Gäste von hier aus den Garten und huschten die Diener ein und aus.
Nun aber herrschte hier eine ungewöhnliche Leere. Mehrere Leichen lagen in ihren eigenen Blutlachen im Hauptflur. Bei zwei Toten handelte es sich um Mitglieder der Wachmannschaft, während die fünf anderen Körper Shinobi gehörten.
Ringo überblickte das kleine Schlachtfeld. Keine Diener unter den Toten, murmelte sie halblaut. Wo sind die Diener an sich? Versteckt vermutlich. Irgendwo in Deckung gegangen, als der Trubel losbrach, und in der Küche und sonstwo untergetaucht, um nicht in den Weg zu geraten. Klug. Hätte ich auch tun sollen.
Und nun? Ringo kannte das Gebäude nicht. Zumindest hatte sie das Gelände nicht mit dem Gedanken aufgeklärt, es in die Luft zu jagen. Wo legte man hier am besten die Sprengladung?
Tragende Säulen, Brennmaterial, Abgeschiedenheit...
Während ihr diese Gedanken durch den Kopf huschten, stellte sich ihnen ein Problem. Genauer, es waren zwei Probleme!
Ein Paar von dunkelgrau gekleideten Shinobi trat in den großen Hauptflur, ein Mann und eine Frau, mit maskierten Gesichtern und gezogenen Waffen.
Die Kunoichi wandte sich sehr zu Ringos Überraschung direkt an das Mädchen. Kleine, komm zu mir. Weg von dem Bastard!
Der Shinobi ging derweil auf Kaede los. Die Zeit der Unterdrückung endet, sprach er wie eine Art von Siegelsformel, Ab heute! Aus seinem linken Ärmel fiel ein sternförmiges Shuriken, welches er schwungvoll auf den Weg schickte, um anschließend in den Nahkampf zu wechseln. Sterbt, Herr! Der Angreifer verwendete das Wort geradezu als Beleidigung...

-----

Zur Aufrischung die Werte der Gegner:

Spoiler:
Fertigkeiten der Shinobi:
Körperkraft: 2
Geschicklichkeit: 3
Ausdauer: 2
Intelligenz: 2

Waffenkampf [Nitou Kogatana]: [6/20]
Shurikenjutsu: [4/20]
Kajutsu (Feuerkunde)
Ki-Fluss: [2/20]
Zur Sonne strebender Baum: [1/20]
Blick aus Flint: [2/20]

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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Haseiji Kaede am Sa Okt 03, 2015 2:27 pm

Kaede blickte sich auf dem Gelände um, auf welchem Samurai wie Shinobi um das Überleben kämpften – oder vielmehr nur die Samurai, denn er glaubte nicht, dass die Shinobi so dumm wären, sich in einen offenen Kampf gegen die geschulten Nahkämpfer zu stürzen. Es war nicht so, dass Kaede ihre Fähigkeiten unterschätzte, aber für ihn selbst waren diese Menschen eher Geschöpfe der Schatten anstatt bei Sonne einen blutigen Weg zu beschreiten. Oder im Flackern des Feuers. Ich schaue hin und sage, was ich denke Seine Sehnen waren angespannt. Seine Gelenke waren bereit, sich zu drehen und einen Satz zu machen, sollte es der Fall sein. Dennoch wusste er, dass er schlecht alles gleichzeitig im Auge behalten konnte und das führte dazu, dass er sich auf die Lippen biss in die Augen zu Schlitzen verengte. Nun, selbst das Mädchen könnte ihn nun verraten und ihn überlisten. Auf welcher Seite sie wohl stand? Naja, sie hatte die Explosion verhindert, wobei das in Anbetracht der Umstände auch der Schutz des eigenen Lebens hätte sein können. Vielleicht stand sie auf der anderen Seite, war vom Plan abgewichen und hatte zur falschen Zeit am falschen Ort gestanden. Vielleicht war das Ziel ja auch erreicht. Vielleicht genügte die andere Zerstörung. Kaede blickte zwischen den Rauchsäulen hin und her, welche hier und da entstanden waren. Unter Umständen...
Immerhin hörte sie auf zu reden, zumindest bis sie das Hauptgebäude erreichten. Kaedes Gesichtsausdruck war finster und bleich zugleich, als er die Leichen erblickte. “Immer dieses sinnlose Blutvergießen...“ Es war nur ein leises Murmeln in seinen Schal und doch so halblaut, dass man es durchaus verstehen konnte. Die blauen Augen blickten über die Shinobi und Samurai, welche am Boden lagen – sahen sich dann jedoch um. Dass keine Diener unter den Toten waren, konnte auch einen anderen Ton haben. “Nun, du bist auch nicht unter den Toten und warst nicht das, für was du dich ausgegeben hast“, konterte er nüchtern und man konnte einen Verdruss und eine unterdrückte Spitze, sowie Gehässigkeit in der Stimme heraushören. Misstrauen schwang ebenfalls darin mit, doch Kaede ärgerte sich vielmehr um die an diesem Tag ausgehauchten Leben. Sprengstoffe. Tragende Säulen kamen auch ihm in den Sinn. Dachgerüst. Das konnte auch sein, oder? Zumindest war es in der Unterkunft der Dienerschaft so gewesen. Während er also nach oben blickte, lief ihm bei der Vorstellung des Hereinbrechens ein kalter Schauer über den Rücken – und kurz darauf noch einer.
Kaede fuhr auf dem Absatz herum und positionierte in einer nicht so fließenden Bewegung – wie man es durch jahrelange Übung bei älteren Samurai kannte – seine Waffe vor dem Oberkörper. Er ging in Abwehrhaltung und senkte seinen Blick auf die beiden Menschen vor sich. Eine Frau und ein Mann. Offensichtlich Shinobi, wie es schien, denn sie sahen nicht gerade freundlich aus. Offensichtlich Freunde von... Sein Kiefer spannte sich an. Er sah das Mädchen zu seiner Linken nicht an, aber wenn sie irgendeine Möglichkeit hätte, dieses Gefühl zu erspüren welches von ihm ausging, so würde es sich wohl wie eine schallende Ohrfeige anfühlen. Die Augen des jungen Samurai verengten sich gefährlich zu Schlitzen. Ein anderer Samurai hätte nun mit Sicherheit seinen Oni gerufen und mit den beiden kurzen Prozess gemacht... Tja. Dumm nur, dass der liebe Haseiji Kaede in diesem Sinne kein vollkommener Samurai war.
“Ein Bastard mag ich sein, doch ein Mörder bin ich nicht. Ein System mit verbrannten Menschenleben zu erschüttern stellt Euch noch in eine viel niedere Nische als mich selbst.“ Sein Tonfall war eisig und doch höflich. Nur blieb der Kunoichi oder auch dem Mann nicht viel Zeit, darauf einzugehen – denn letzterer stürmte nun auf den Braunhaarigen los. Das Shurien schlug Kaede mit der Waffe beiseite, fand sich dann jedoch in einen Nahkampf verwickelt. Ein Nahkampf, der sogar gegen einen Shinobi nicht wirklich fruchtbar war. Zwar war Kaede unter Umständen besser mit der Waffe ausgebildet, doch der Mann strotzte im Gegensatz zu Kaede vor Körperkraft. Er würde ihn nicht besiegen können. Nicht auf diese Art – der Gedanke schoss ihm durch den Kopf, wie der Befehl seines Gehirns seine Wirbelsäule hinunter in seine Beine. Der junge Samurai konzentrierte sein Ki in den Füßen und benutzte dann den zur Sonne strebenden Baum um einen hohen Satz zu machen und sich im Sprung so zu drehen, sodass er dem Mann unter Umständen zumindest den Arm mit dem Wakizashi aufschlitzte. Technik würde ihn hier eher retten als rohe Kraft. Sollte er nicht treffen, würde er zumindest auf den Boden landen – und dann dort mit größerer Anstrengung eine Diele herausbrechen, die sich verformen würde wie ein Knüppel und dem Shinobi an die Knie schlagen sollte, wenn er wider in den Angriff über ging. Dann könnte er ihn mit einem Schwung des Katana niederstrecken – und hätte nur noch die Frau vor sich... Hoffentlich.
Spoiler:

Name: Zur Sonne strebender Baum
Typ: Ki-Fertigkeit [Weg des Holzes]
Steigerbar: Ja
Stats: [2/20]

Name: Stäbchen zum Speer
Typ: Ki-Fertigkeit [Weg des Holzes]
Steigerbar: Nein
Kosten: Einmalig 3 Punkte
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Sarutobi Ringo am Sa Okt 10, 2015 12:01 pm

Soviel zum Befreunden von Samurai. Ein bitterer Geschmack breitete sich in Ringos Mundraum aus wie schlechter Tee, kalt serviert. Hab ich mich nun wirklich zu weit vorgewagt? Dabei hatte sie sich so wohl gefühlt in diesem Becken voller Haifische. War elegant hineingeglitten und drin herumgepaddelt, hatte sich einen kleinen Hai ausgesucht... und hatte in einer ganz und gar bescheuerten Situation nach dessen Rückenflosse zu fassen versucht.
Richtig.
Zu dem bitteren Tee gesellte sich eine Löffelspitze Drachenpfeffer. War es ihre ahnenverfluchte Schuld? War sie es etwa gewesen, die buchstäblich Blut und Fisch-Eingeweide ins Becken kippte?
Diese Seidenrüstung von Schutzgedanke half nur bedingt gegen das Stechen des Misstrauens, welches Kaede austeilte. Wenn auch eher im Nebenbei, nicht fokussiert. Er hatte sich immerhin noch nicht entschieden, sich Ihrer auf simple Art zu entledigen.
Nun ja. Noch häng ich an der Rückenflosse. Und gerate ihm damit nicht völlig vor die Zähne.
Wie sagte Happosai-sensei: Pferd, Pferd, Tiger, Tiger. Ein Sprichwort, das sich irgendwie aus einer Geschichte herauskristallisiert hatte, in der es um einen pferdelosen Samurai und einen Tiger ging. Es bedeutete "Geht so". Man saß auf dem Rücken des Tigers, immerhin aber saß man ihm nicht vor dem Maul.
Es war wohl bezeichnend, dass sich Ringo nur wenig von den Leichen schrecken ließ und stattdessen mehr mit dem fehlgeschlagenen Annäherungsversuch haderte. Allzu viel Blut hatte sie zwar noch nicht an den Händen, doch ein bisschen gehörte einfach schon dazu, und sie war früh abgebrüht worden. Ausbildung war eben alles. Und letztlich unterschieden sich Lebewesen im Inneren kaum... Sie sind alle voller Blut... Rotes Wasser, das aus Wunden und in Ritzen sickerte.
Egal. Ringo konterte nicht, sondern hielt sich, metaphorisch, einfach nur fest.
Auch wenn die Chance zum Abseilen alsbald kam. Zwei Shinobi traten auf und zogen die Aufmerksamkeit völlig auf sich. Kaede hatte nun andere Probleme. Sollte sie sich lösen? Da streckte sich schließlich eine helfende Hand ins Becken, auch wenn gerade diese Hand ganz offen mit Fischködern verschmiert war. Oder, um die Metapher zu wechseln: Diese Hand hatte die verfluchten Tiger aufgeweckt, während Ringo versucht hatte, ein Junges anzufüttern!
Wenn es Ihai-Nin oder Nami-Nin sind, nun gut, dann verzieh ich mich auf meinen Platz. Doch was für einen Mist lasst ihr ab, ihr zwei.
Ringo wußte, was zu tun war. Ich zeig ihnen den Drachen.

Kaede war kämpferisch. “Ein Bastard mag ich sein, doch ein Mörder bin ich nicht. Ein System mit verbrannten Menschenleben zu erschüttern stellt Euch noch in eine viel niedere Nische als mich selbst.“
Mag sein. Der Shinobi kniff die Augen zusammen, erbost von den Widerworten, doch offenbar hatte er sich eine Antwort bereits zurechtgelegt. Oder sie war ihm eingetrichtert worden, bereit zum Hervorkommen. Doch manchmal muss der Befreiungsschlag von unten kommen!
Shuriken: Abgewehrt. Abprallend. In eine Wand fliegend. Das Papier durchstoßend und weitersirrend. Aus den Augen, aus dem Sinn. Der Shinobi machte die Lücke zu, mit kurzen Klingen, Sturmschritt mit Kraft, Schwung mit Wucht, Welle gegen polierte Technik. Nitou Kogatana machte Boden, indem es den Raum regelrecht auffraß: Duellierten sich Shinobi im Doppel-Schwert-Stil ihrer Klasse, taten sie dies auf engster Fläche. Das Ziel war Rein Rein Rein. Rein in den Bereich des Gegners, rein in seinen Schlagbogen, rein mit dem Stahl in seinen Körper.
Rein!
Kaede war kein Fels in der Brandung, er war eher eine Möwe, die aufflog, wenn die Welle hereinkam. Er sprang in die Höhe, ließ sich vom Holz-Ki tragen.

Ringo hatte sich in dem Moment gelöst, da das Shuriken geflogen war - sie huschte vorwärts, spürte den Abpraller des Wurfmessers als flüsternden Hauch, als das Ding haarscharf vor ihrer Nasenspitze entlangsirrte. Hielt nicht inne, sondern eilte wie befohlen an der Kunoichi vorbei. Ihr dabei das Kuji-In Ryo zeigend.
Die Frau schaute hin. Verwunderung in den Augen. Den Blick jedoch nach vorn richtend, als die Klingen des jungen Samurai sich mit den Schwertern ihres Kameraden maßen.
Falsche Reaktion. Drache frisst Eidechse.
Ringo hob nur eine Handvoll Herzschläge nach Kaede vom Boden ab. Anstatt wie der Samurai das Ki im Kreis zu drehen, ließ Ringo ihre Energie jedoch nach Westen fließen.
Die Elemente waren an Himmelsrichtungen gebunden. Vom Holz abgesehen, das im Zentrum wirbelte, floß jedes Element einer Richtung entgegen.
Im Süden brütet der Phönix des Feuers. Im Norden taucht die Schildkröte des Wassers. Im Osten liegt der Drache der Erde, im Westen lauert der Tiger im Metall. Im Zentrum der Welt tanzt der Drache im Holz.
Was zählte Philosophie. Letztlich rief Ringo den Weg des Metalls an, wirkte Eisenschwere und verdoppelte ihr Gewicht, als sie der Frau von der Seite her in die Flanke fiel.

Kaede tanzte an der Decke, fiel herunter, dabei zuschlagend. Sein Gegner parierte im Reflex, doch eine Schwertschule machte sich letztlich eben doch bemerkbar, und das Wakizashi des Samurai glitt über das Tanto des Shinobi hinweg, nur leicht abgelenkt, und biss in den Arm, blutig rot. Der Mann zischte zur Antwort, wirbelte jedoch herum, auf der unversehrten Seite. Sein Tanto blockte die Holzplanke.
Was fing er mit dem Katana an? Er bediente sich selbst ebenfalls des Holzes und federte rückwärts, aus dem Bereich des Langschwertes.
Emi! Je- Er hielt inne.

Emi konnte nicht. Emi hatte die Finger einer "echten" Kunoichi in ihrer Flanke. Ein kurzzeitiges Gewicht von über zweihundert Pfund hatte sie auf dem falschen Fuß erwischt, buchstäblich. Ringo war ihr auf die Zehen getreten und hatte ihr dann die Finger wie ein Messer in die Achselhöhle gejagt.
Das ist eine fiese Stelle, murmelte sie, mit einem Hauch Vergnügen. Zumindest unter den Stellen, die Kinder erreichen können. Ringos Dim-Mak war höchstens fundamental. Einen schmerzhaften Knotenpunkt hatte sie dennoch zu fassen gekriegt. Es reichte aus, die Frau sekundenkurz in der Bewegung festzunageln. Weit offen, falsches Schwesterchen. Da war jemand schlampig in der Ausbildung. Weil es sich anbot, setzte sie den freien Mittelfinger noch auf den Bauchnabel der Frau, drückte vor und zugleich nach oben. Hallo, Hase-Kranich-Meridian...

Dem Katana mit fliegenden Füßen gerade so entkommen, stand der Shinobi nun trotzdem allein. Verkleidete Wa- egal! Er warf eins seiner Messer direkt auf Kaede, doch mehr aus Ablenkug als aus echtem Angriffswillen. Er nutzte die frei gewordene Hand gleich wieder für einen Griff in seine Oberbekleidung, holte ein Shuriken hervor und warf es an Kaede vorbei Richtung Ringo.
Er wußte ziemlich genau, dass zahlenmäßige Überlegenheit nötig war, um diesen Knoten schnell zum Platzen zu bringen.

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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Haseiji Kaede am Mi Okt 21, 2015 12:52 pm

Ein Befreiungsschlag von unten – war es das, was sie hier taten? Einfach auf diese brennende Art und Weise zurückschlagen für all die Dinge, welche die obere Kaste ihnen angetan hatte? Und dabei das Wohl so vieler Menschen zu riskieren, obwohl sie auch nicht mehr für ihre Geburt konnten, als jeder andere? Es erschütterte Kaede innerlich auf eine grausame Art und Weise. Vielleicht war die Sache gegen Unterdrücker gerecht, aber manche Menschen waren sich dessen nicht bewusst. Manche Menschen und auch manche Samurai behandelten die Menschen ihnen gegenüber nicht mit Herablassung, nur weil sie mehr Glück in ihrer Geburt hatten. Sie behandelten sie mit Respekt – aber auch das schien hier egal zu sein. So lange man Geld hatte oder einen gewissen Ruf, ein Vorrecht in der Gesellschaft – wenn man so wollte -, wurde man hier niedergemacht. Die Person an sich interessierte nicht. Sie war nur ein kleines Individuum in einer großen, grauen Masse, welche es zu vernichten galt. Weil diese Masse böse war. Allesamt. Ohne Ausnahme.
Kaede spürte durch seinen Schwertarm hindurch, wie die nicht allzu feine Klinge durch das menschliche Fleisch fuhr. Es war keine große Wunde oder lebensbedrohlich, aber für eine Behinderung immer zu haben. Beispielsweise konnte ein verwunderter Arm nicht so viel Gewichte stemmen oder aber es brannte einfach nur und lenkte ab. Es sei denn man betäubte den Schmerz darin. Der junge Samurai hatte allerdings auch nicht die Absicht, sein Gegenüber in Stücke zu schneiden – selbst, wenn er es mit ihm selbst gerne tun würde. Es sollte eigentlich ein ehrenhafter Kampf sein. Kaede glaubte nicht daran, dass seine Seele schlechter war, als die andere – aber das hier war vermutlich nicht der beste Augenblick, das groß kund zu tun. Ohnehin war der Mann blind vor eigener Überzeugung. Dumm nur, dass er nicht auch blind gegenüber Kaedes nächsten Zug war und sich mit einem eigenen hölzernen Sprung aus der Reichweite des nächsten Angriffes brachte. Er rief nach seiner Begleiterin – welche der Braunhaarige bislang ausgeblendet hatte.
Bislang. Das war ein gutes Stichwort. Kaedes Augen weiteten sich leicht, als er sah, wie Ringo sich der Frau „annahm“ - und nicht zu fein. Stattdessen benutzte sie den Weg des Metalls, um ihre Widersacherin zu „versorgen“. So konnte Kaede nun endlich die Gewissheit erlangen, dass das Mädchen alles andere als eine harmlose Dienerin war, welche sich als Junge verkleidet hatte. Alles andere und noch viel mehr. Offenkundig war sie nämlich eine Kunoichi. Oder hatte einfach bei solchen zu kämpfen gelernt. Es hätte eigentlich nicht so viele Möglichkeiten gegeben, doch heute schloss er lieber über nichts mehr eine Wette ab, denn es eskalierte sowieso alles. Folglich biss er sich auf die Lippen und widmete sich wieder seinem Widersacher, welcher wohl genauso wenig begeistert über die Entwicklung war, wie Kaede selbst. Letzterer würde im Nachhinein mit Sicherheit noch etwas zu erledigen haben.
“Du könntest einfach aufgeben und verschwinden. Darin seid ihr doch alle so gut, nicht wahr? Ein Unheil anrichten und dann wieder verschwinden.“ Der junge Samurai umklammerte den Griff seines Katana mit finsterer Miene fester. “Ihr bleibt nicht, um anzusehen, was ihr angerichtet habt und wirkt nur im Schatten. Es ist ehrlos und deshalb werdet ihr auch nicht geachtet. Weil ihr nicht dafür einsteht – oder willst du mir vormachen, dass diese Leben dich etwas angehen und du nicht über Leichen gehst?“ Kaede hätte noch viel länger darauf eingehen und sich ein Wortgefecht mit diesem Shinobi liefern können, doch es hätte wohl wenig Sinn gehabt. Als auch, dass nun keine Möglichkeit mehr darin bestand. Ganz einfach, weil er wieder in den Kampf übergehen musste. Mit einem kleinen Schwung holte der Mann aus. Er wusste, dass sich die Gruppe der zwei Frauen hinter ihm befand und biss sich auf die Lippen. Dann hielt er wenige Herzschläge lang den Atem an, stürmte dann auf den Mann mit kurzen schnellen Schritten zu. Das Messer, welches er warf fing er mit seinem Körper ab.
Mit einem Mal erfüllte seine Schulter ein grässlicher Schmerz und er atmete gepeinigt aus. Dennoch zog der unverletzte Arm das Wakizashi durch die Luft und warf das kleinere der Schwerter dadurch gen Shuriken, wo es hoffentlich traf – wobei es natürlich auch sein konnte, dass er es verfehlte, denn immerhin war er auf den Nahkampf ausgebildet. Bestenfalls hatte er jedoch nicht mit einem kompletten Treffer gerechnet, sondern eher mit einem Kratzer und abkommen der Flugbahn. Kaede stemmte beim nächsten Auftritt seinen Fuß fast in den Boden und sprang gefedert vom Weg des Holzes ab. Machte einen Satz nach vorn. Stieß einen Kampfschrei aus und hielt die Klinge das Katana beidhändig vor seinen Körper – und hoffte in den, des Samurai zu rammen.
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Sarutobi Ringo am Sa Okt 24, 2015 5:03 pm

Grimmige Freude kochte in Ringos Magen, blubberte hoch bis unter die Schädeldecke. Die Genugtuung, dieser Möchtegern-Kunoichi in den Nervenbahnen herumzustochern und ihr einen Eisenschwere-Stand auf die Zehen zu hämmern, linderte ein klein wenig den Selbsthass über die ganze Situation. Ein wenig nur, leider. Nicht viel. Eigentlich... kaum.
Emi lehnte halb an der Wand, durch den groben Ansturm Ringos aus dem Tritt gebracht, des Gleichgewichts beraubt und dank des Zehentreters und der Dim Mak-Griffe auch nicht in der Lage, sich wieder aufzurichten. Sie gab ein schmerzerfülltes Keuchen von sich, während Ringos Fingernägel in ihre Bauchdecke gruben.
Wer ist dein Chunin?, zischte Ringo ihr ins Gesicht. Sag es! Scharf, leise, drängend, drohend. Los. Sag wer. Ringo bewegte die Hand, deren Finger um Emis Bauchnabel lagen, als schraube sie ein Glas auf. Die Augen der Frau traten förmlich aus ihren Höhlen. Sie starrte ihrer viel harmloser wirkenden Gegnerin ins Gesicht, pures Unverständnis leuchtete der Sarutobi entgegen.
Ringo bleckte die Zähne. Ihai? Nami? Sag was. Irgendwas!
Der Blick der Frau flog fort von ihr, hin zu ihrem Partner. Am Rande ihres Sichtfeldes erkannte Ringo die Absicht des Mannes, der sich messerwerfend in den Kampf zurückbrachte. Und ein Wurfgeschoss flog auf sie zu.

“Ihr bleibt nicht, um anzusehen, was ihr angerichtet habt und wirkt nur im Schatten. Es ist ehrlos und deshalb werdet ihr auch nicht geachtet. Weil ihr nicht dafür einsteht – oder willst du mir vormachen, dass diese Leben dich etwas angehen und du nicht über Leichen gehst?“
Der Attentäter knirschte mit den Zähnen, sichtlich wütend über die barschen Worte des jungen Samurai. Es handelte sich bei ihm nicht um einen vollblütigen Shinobi, der diese Worte mit einem Achselzucken abgeschüttelt hätte. Nein, Shinobi wurden in der Tat nicht geachtet, sie waren ja kaum geduldet. Doch ein echter Shinobi lebte damit eben.
Dieser Mann hier jedoch... sah sich als Freiheitskämpfer. Seine Gruppierung nutzte die Mittel der Shinobi, doch mit der Wirkung konfrontiert, traf es ihn hart in den Magen.
Du... du... du... Er wollte etwas hervorspeien, das den Jungen zum Schweigen brachte. Doch was? Seine Auftraggeber hatten sie alle nicht darauf vorbereitet, wie sie ihre Sache rhetorisch vor Samurai verteidigten. Man hatte sie das Kämpfen und Brandstiften gelehrt, dafür waren sie hier!
Darum griff er nun auch einfach an. Um einen Schlagabtausch mit Worten durch Stahl und Eisen zu brechen. Er schickte zwei Wurfgeschosse auf die Reise, eins auf den eigenen Gegner, eins auf die verkleidete Wache oder was auch immer seine Partnerin im Ringkampf verstrickte.
Zu seiner Überraschung nahm Kaede das Messer in Kauf.

Zu Ringos Überraschung wehrte Kaede das Messer, welches für sie bestimmt war, ab. Er steckte den blutigen Biss "seines" Messers ein und warf mit der unversehrten Hand das Wakizashi, welches die Flugbahn des Shuriken streifte und nach oben hin ableitete. Das Wakizashi knallte gegen den Rahmen einer Papierwand. Das Shuriken schwirrte aufwärts und schlug ins Gebälk.
War das Absicht? Hat er sich die Klinge freiwillig eingefangen? Durch Ringos Geist schepperte Erkenntnis. Anstatt für sich zu blocken, blockte er für mich... Sie biss die Zähne aufeinander. Nun bin ich auch noch für seine Verletzung verantwortlich.
Es packte sie von innen. Wut. Es war egal. Es war egal, woher diese Frau kam und in welchem Namen sie handelte. Ringo selbst handelte nun!
Die Kunoichi löste die Hand, die um den Bauchnabel der Frau krallte, ballte die Faust und schlug zu, dreimal in rascher Folge. Ihre Gegnerin knickte vorn ein, und die Hand flog hoch, legte sich um ihren Nacken. Zog den Kopf runter. Ihr Knie ging aufwärts, kam der Nase der Frau entgegen, mit Schwung!

Kaede flog seinem Gegner entgegen, die Klinge vorwärts stoßend. Den Feind überraschend. Dessen Blickfeld verdichtete sich auf seltsam unwirkliche Weise auf die Spitze des Katana. In schnell eingeprügeltem Reflex führte er einen Block mit den bloßen Unterarmen. Das Katana biss ihm dennoch in den Rücken, von vorn.

Zwei landeten, zwei fielen.
Mit dem befriedigenden Klang brechender Knochen kam Ringo auf den Fußboden zurück, während Emi hintenüber stürzte wie der sprichwörtliche Sack Reis, den der Windstoß eines Schmetterlings traf.
Haaah... Der Laut war halb triumphierend, halb schmerzerfüllt. Ringos Knie tat weh, wo die Frau - unabsichtlich - hineingebissen hatte. Das Treffen der beiden Körperteile war jedoch entschieden zugunsten der "echten" Kunoichi ausgegangen.
Ringo vergewisserte sich, dass ihre Gegnerin auch wirklich liegen blieb, und drehte sich um. Dem Samurai dabei offen ins Gesicht schauend, mt großen, weit aufgerissenen Augen.
Sie haben alles ruiniert. Die Worte perlten in die kurze Stille, bitter wie kalter Tee. Alles. Einfach alles. Den ganzen Abend. Tiefer, verzweifelter Ärger klang hindurch. Was... was jetzt. Was jetzt? Ich wollte das alles so nicht, ich gehöre nicht zu diesen... diesen... Leuten! Ringo deutete auf die zwei leblosen Körper, als verlange sie von ihnen, sich zu erheben und ihre Aussage zu bestätigen. Stümper, Hundesöhne. Wie steh ich jetzt...
Verstummen. Ringo schloss den Mund, riss den eigenen Wortfluss damit ab. Und fiel nach vorn, auf die Knie, presste die Stirn auf den Boden.
Ich gehöre nicht zu diesen Leuten, Herr. Nun kamen die Worte gefestigter. Als helfe es, sich förmlich am Boden festzuhalten. Ich kam heute nacht einfach nur, um Euch zuzusehen. Ich wollte sehen, wie Ihr Euch benehmt, wie Ihr unter Euresgleichen redet, wie Ihr seid! Ein Atemzug, der einen Hauch weit wie von einem Schniefer gechüttelt klang.
Ich wollte Euch nur kennenlernen. Und was... ist passiert?
Darauf antwortete sie nicht mehr, sondern rutschte einfach mit den Knien rückwärts, sodass sie nun nicht mehr nur kniete, sondern lang ausgestreckt lag, die Stirn weiterhin auf die Holzdielen gepresst.

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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Haseiji Kaede am Do Okt 29, 2015 10:08 pm

Kaede biss die Zähne zusammen, als seine Klinge durch die schützenden Arme des Gegners in dessen Körper eindrang. Beißend. Scharren. Sicherlich schmerzend. Gar tötend. Er umklammerte den Griff des Katana – wollte und durfte nicht loslassen, obgleich eine leise Stimme in seinem Kopf ihm erklärte, dass dieser Mann ein Mörder war und keinen ehrbaren Tod im Kampf verdient hatte. Andererseits war er aber auch ein Mensch und Kaede hätte es verabscheut die Klinge aus dem Körper zu ziehen und den Mann grausam verbluten zu lassen. Gewiss hätte es den feindlichen Taten entsprochen, wenn man sich dieses Chaos anrichtete, doch der Braunhaarige war nicht von grausamen Gemüt. Stattdessen besann er sich auf jedes einzelne Leben, welches an diesem Abend bereits ausgelöscht worden war und befand, dass er es nicht unnötig in die Länge ziehen sollte.
Der junge Samurai stemmte sich mit einem in den Boden, holte Schwung und ließ seinen eigenen Oberkörper letztendlich in den seines Feindes prallen, wodurch die Klinge wenig später nach einem hässlichen „Ratschen“ blutig aus dem fremden Rücken prangte. “Du hast für deine Überzeugung gekämpft. Das erkenne ich an. Aber du hast deine Sache vollkommen überzogen und das rechte Maß, sowie das Recht selbst, aus den Augen verloren.“ Kaede hatte die Augen geschlossen und mit einer schnellen Abfolge riss er den Griff herum. Wieder ertönte der hässliche Laut, den eine Klinge nun einmal in menschlichem Fleisch von sich gab. Der Braunhaarige zog mit einer fließenden Geste seinen eigenen Körper zurück und ließ gleichzeitig die Klinge aus dem Fremden gleiten. Das geschah ein wenig ruppiger, als beabsichtigt. Allerdings lag der Mann wenige Sekunden später auf dem Boden. Leblos. Tot. Vermutlich.
Mit dem Handrücken wusch er sich über die Schulter – und bemerkte erst später, dass eben dieser blutig war. Verärgert fluchte er leise, benutzte jedoch dann den Stoff, der seinen Arm umhüllte, um sich zu säubern. Zumindest Hände und Gesicht – vom Rest war nicht mehr viel zu retten. Er tötete nicht gerne. Hatte es noch nie gemocht. Eigentlich hatte er auch kaum jemals getötet. Übungskämpfe. Ernstere Kämpfe, sicher. Aber es war nie zum äußersten gekommen – vor allem zwischen seiner Familie und ihm nicht, obgleich es die letzten Jahre doch öfter Differenzen gegeben hatte. Also stand er nun da und sah hinunter auf den Leichnam. Kaede wusste, er hatte nichts falsches getan. Eigentlich hatte er das nicht. Dieser Mann hatte sein Leben gewiss mehr als einmal geschuldet – dennoch fand er es unangenehm sich als Richter über dergleichen aufzuspielen. Allerdings konnte man ihm einfach auch eine weiche Ader nachsagen, die viel zu schwächlich war für einen Samurai. Allen voran wollte Kaede jedoch eigentlich mehr ein Leben schützen, als es auszulöschen, da er fand, dass es der edlere Weg war und eines Samurai würdig. Letztere Überzeugung war jedoch so schwer zu vertreten. In die Tat umzusetzen. Vor allem deshalb, weil er ja selbst Hand an diesen Mann gelegt hatte und ihn hatte büßen lassen wollen. Immerhin hatte er es kurz und schmerzlos gemacht.

Sie haben alles ruiniert. Fast hätte er sich selbst samt dem Katana herumgerissen und wäre in Abwehrstellung gegangen. Erst im letzten Moment besann er sich und biss sich auf die Unterlippe. Mit Mühe konnte er seine eigenen Augen dazu bewegen, nicht mehr so schreckgeweitet dreinzublicken, wie die des Mädchens es taten. Letztere schien sich entweder Vorwürfe zu machen oder einfach nur zu versuchen, eine kaum zu bändigende innere Wut in Schach zu halten und sich nicht gehen zu lassen. Kaede konnte es nicht zu recht einordnen, doch sah er hinunter auf den Körper zu ihren Füßen. Der Frau, die ebenso leblos dalag, wie ihr Kamerad. Mit einem beinah resignierendem Seufzen steckte Kaede die Klinge wieder in die Scheide, nachdem er sie kurz abgewischt hatte. Er würde sie später gründlicher säubern müssen. Nach außen hin schien er sie gar nicht wahrzunehmen. Erst, als er das plötzliche Abreisen einer Stimme vernahm, nahm er sie wirklich wieder war. Drehte sich zu ihr um und blinzelte mehrmals abwesend. Verwirrt. Als sie vor ihm auf dem Boden war und ihre Stirn auf eben diesen drückte. Sie gehöre nicht zu diesen Leuten. Sie kam einfach nur, um...
Kaede riss die Augen leicht auf und sah ein wenig ungläubig auf sie hinab. Sie wollte ihn beobachten und schließlich kennenlernen? Weshalb? Warum? Zu welchem Grund? Was bezweckte sie damit? Hatte sie ihn als Werkzeug benutzen wollen? Obgleich sie beteuerte, nicht zu diesen Menschen zu gehören? Kaede fragte sich flüchtig, ob er wirklich sein Schwert hatte wegstecken sollen. Immerhin hatte er damit unterschwellig kund getan, dass er keine Feinde mehr in diesem Raum sah. Obgleich sich das Mädchen noch hier befand – und schniefte. Der junge Samurai verzog die Mundwinkel und wollte es ihr eigentlich nicht leicht machen. Weil sie ihn getäuscht hatte – aber doch irgendwie auf seiner Seite gestanden hatte. Oder vielmehr an seiner Seite, denn immerhin hatten sie gemeinsam gekämpft.
Er räusperte sich.
“Und warum? Ich kenne weder deinen Grund, noch deinen Namen. Du hast mich getäuscht, führtest Waffen gegen diese Menschen und scheinst einer der ihren zu sein – obwohl du nun behauptest, dass genau das nicht der Fall ist.“ Fast müde fuhr er sich über die Wange, ehe er seufzte und sich einfach in den Schneidersitz vor sie sinken ließ. Seine Unterarme stützte er hierbei fast meditierend auf seine Knie, während er das Mädchen nicht aus den Augen ließ. “Es bringt nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Zumindest nicht jetzt. Im ersten Moment zählt für mich, dass du mir geholfen hast. Nicht nur im Dienstbotenhaus, sondern auch hier. Von daher sehe ich einmal darüber hinweg. Unter der Bedingung, dass du mir sagst, was es mit dir und dieser Maskerade auf sich hat.“ Er klang vermutlich nicht nur selbstsicherer, als er sich fühlte, sondern auch härter, als es gemeint war. Dabei war er eigentlich eher erschöpft. “Und danach solltest du vermutlich verschwinden, junge Kunoichi. Altgediente Würdenträger neigen dazu, Leute wie dich für etwas verantwortlich zu machen; nur damit sie nicht selbst den Kopf hinhalten müssen. Erkläre dich. Denn momentan spielt ein Teil von mir vielleicht doch mit dem Gedanken, dich auszuliefern.“
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Re: [Ring der Krieger] Anwesen der Shuratoris

Beitrag von Sarutobi Ringo am Sa Okt 31, 2015 5:36 pm

Da lag sie nun. Eine tiefere Unterwerfungsgeste hätte sie nur vollbringen können, hätte Ringo eine Schaufel zur Hand. Oder in diesem speziellen Fall eine Säge. Es war, als zöge die Geste selbst die Kraft aus ihr und nagelte sie am Boden fest, so wie ein gebeugter Gang trübe Gedanken schürte und ein stolz gehobene Schultern Selbstbewusstsein anfachten.
Räuspern. Ringos schmaler Körper rührte sich kaum merklich. Soviel Macht immerhin hatte die Stimme Kaedes. Und seine Worte vollbrachten noch mehr.
"Du hast mich getäuscht, führtest Waffen gegen diese Menschen und scheinst einer der ihren zu sein – obwohl du nun behauptest, dass genau das nicht der Fall ist.“
Ringo hob den Kopf, legte anstelle der Stirn das Kinn auf den Boden. Eine Spur von Widerstand, ein Faden Aufbegehren, ein Eisensplitter des Nicht-einer-Meinung-seins lag in ihrem Blick, und Worte lauerten auf ihrer Zunge, doch sie schwieg. Betrachtete stattdessen einfach den Samurai, der sich gleichfalls in eine tiefere Position begab. Nicht ganz so tief wie Ringo selbst immerhin; das hätte ziemlich lächerlich ausgesehen.
Beider Hände waren nun offen und ohne Zweifel ohne Waffen. Die Handflächen von Samurai und Kunoichi zeigten nach oben.
“Es bringt nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Zumindest nicht jetzt. Im ersten Moment zählt für mich, dass du mir geholfen hast. Nicht nur im Dienstbotenhaus, sondern auch hier. Von daher sehe ich einmal darüber hinweg. Unter der Bedingung, dass du mir sagst, was es mit dir und dieser Maskerade auf sich hat.
Und danach solltest du vermutlich verschwinden, junge Kunoichi. Altgediente Würdenträger neigen dazu, Leute wie dich für etwas verantwortlich zu machen; nur damit sie nicht selbst den Kopf hinhalten müssen. Erkläre dich. Denn momentan spielt ein Teil von mir vielleicht doch mit dem Gedanken, dich auszuliefern.“
Ringo schniefte nochmals, zog die Nase hoch, zeigte sich ansonsten jedoch wieder vollauf kontrolliert. Ihre Gedanken flogen über altbekannte Wege. Sie trug nach wie vor den Ring, in dem der Feuer-Oni schlummerte. Die Gefühlskontrolle kam ihr in den Sinn. Sollte sie Hand an Kaedes Emotionen legen? Nein, sie ließ es bleiben.
Langsam und bedächtig wie eine Katze, die über einen Zaun spazierte, erhob sich Ringo, allerdings niemals so weit, dass sie den sitzenden Kaede überragte. Sie wechselte in den Kniefall hinein, die Hände offen im Schoß. Der Blick jedoch, der Blick... wäre sie in Gegenwart eines rabiat handelnden Herren gewesen, hätte dieser ihr vermutlich längst angedroht, ihr die blauen Augen rauszureißen, so oft hatte sie ihr Gegenüber inzwischen angestarrt.
Wobei... sie nun noch etwas Schlimmeres tat. Sie widersprach dem Samurai. Ihr habt recht... ich bin eine Kunoichi, sprach sie, Und damit ist mein ganzes Dasein bereits ein Widersetzen der Regeln. Und nur deswegen wage ich es, zu widersprechen. Weil es mir wichtig ist. Sie schaute kalt zur Seite, auf die Leiche des Mannes, den Kaede getötet hatte. Ich sage nicht, ich seie keine von ihnen. Doch ich sage, sie sind keiner von uns.
Schweigen.
Diese Feinde heute abend sind keine Shinobi gewesen. Dies muss gewusst werden, ehe Ihr die falschen Schlüsse zieht. Sie holte tief Atem, wechselte von diesem Thema hinweg. Mein Name ist Sarutobi Ringo. Und mein Ziel ist es, Der Andere zu werden. Zu dem Shinobi, der neben dem Einen und Einzigen Sachimaki Jiro die Erlaubnis erhält, in der Öffentlichkeit Waffen tragen und auf einem Pferd sitzen zu düren. Dieser Andere, dieser Zweite in der Geschichte will ich werden. Und um etwas zu werden, brauche ich jemanden, der bereits etwas ist.
Ich brauche Euch.

Obwohl im Garten noch immer gekämpft wurde, herrschte im Haus eine sonderbare, fast schon außerweltliche Stille. Zumindest kam es Ringo so vor.
Ich brauche Euch, weil ich der Überzeugung bin, dass Ihr in Zukunft zu Großem ansetzen werdet. Ihr seid anders als andere Samurai... Sie lächelte schmal, zaghaft, flüchtig. Man könnte sagen, Ihr seid bereits der Andere Eures Standes, so wie ich ein Anderer meines Standes werden will. Es war nur ein Spiel mit Worten, mitten im Reden in den Sinn geschlichen. Doch es klang... gut. In Ringos Ohren klang es jedenfalls besser, als hätte sie Kaede darauf hingewiesen, dass erfahrenere Shinobi einen Bruderstreit für ihn voraussahen. Damals hatte sie Kaede auch noch für Einen von Vielen gehalten. Erst genau jetzt verschmolz das Erz, das sie gesammelt hatte, zu etwas Festem. Etwas Anderem.
Darum bin ich hier, Herr. Und wenn Ihr es wünscht, verschwinde ich und kehre niemals wieder. Nicht einen Schatten werdet Ihr mehr von mir erblicken, wenn dies Euer Wunsch ist. Sie schlug die Augen nieder und verfiel in Schweigen.

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